„Entkolonisieren!“ wurde auf den Statuen-Sockel des dänischen Missionars Hans Egede geschrieben, sein Pastorenrock mit roter Farbe beschmiert. Die Welle von Attacken gegen Statuen von Kolonisatoren hat auch die grönländische Hauptstadt Nuuk erreicht. Mit einem aktuellen Hintergrund –ein großer Teil der Grönländer streben eine größere Unabhängigkeit von Dänemark an, das bislang Außen- und Sicherheitspolitik der halbautonomen Insel in der Arktis bestimmt.
Der politische Vandalismus, der ausgerechnet am Sonntag, dem grönländischen Nationalfeiertag, stattfand, wurde von unbekannt ausgeführt. Der Künstler Aqqalu Berthelsen, der sich seit Jahren für das Abschaffen der Statue starkmacht, übermittelte jedoch die Botschaft der Denkmalgegner: „Es geht um die historische und kontinuierliche Unterdrückung und den systematischen Rassismus gegen die Inuit.“ Hans Egede sei nach Berthelsen ein „grausamer Mensch“ gewesen, und wenn es eine Statue von ihm gibt, muss die Geschichte dahinter richtig erzählt werden.
Der Geistliche brach 1721 nach Grönland auf, um die Nachfahren der Wikinger zu suchen und diese wieder zum rechten Glauben zu bekehren, dabei fand er jedoch allein die Inuit vor, deren Sprache er lernte und die er missionierte. Auch gründete er mit der Siedlung Godthabn die heutige Hauptstadt Nuuk. Nach den Missionaren folgten Pelzhändler und Walfänger, die Insel wurde ein Teil der damaligen Personalunion Dänemark-Norwegen. Die Bevölkerung Grönlands solle unter „Disziplinierung und Zucht“ gehalten werden, so Egede, der die Inuit als faule Menschen ansah, die wie Sklaven behandelt werden sollen.
Es geht um die historische und kontinuierliche Unterdrückung und den systematischen Rassismus gegen die Inuit
Ein wenig von diesem Denken spielte sich auch noch in den 1950er Jahren ab, als grönländische Kinder nach Dänemark geschifft wurden, um sie dänisch zu erziehen und zurückzuschicken. Das Sozialexperiment ging schief, die Kinder kamen mit psychischen Problemen nach Grönland zurück, viele wurden Trinker und brachten sich um. Derzeit läuft eine Untersuchungskommission in Kopenhagen dazu.
Dänemark hatte der Insel seit 1953 sukzessive mehr Unabhängigkeit gewährt, der im vergangenen Jahr gewählte sozialdemokratische Premierminister Kim Kielsen verspricht generell Schritte Richtung Unabhängigkeit, die nach seinen Angaben von 70 Prozent der 57.000 Grönländer gewollt werde. Als symbolisches Datum eigne sich nach Angaben viele Unabhängigkeitsbefürworter das Jahr 2021 – dann liegt der Beginn der Kolonisierung der Insel 300 Jahre zurück.
Unabhängigkeit nur ohne Einbußen
Allerdings stützt Dänenark die Insel mit einer jährlichen Finanzspritze von 3,7 Milliarden Dänischer Kronen (500 Millionen Euro) – dies macht etwa die Hälfte des grönländischen Haushalts aus. Nuuk hat in den letzten Jahren Kontakte zu mehreren Staaten geknüpft, darunter auch die USA, die am 10. Juni ein Konsulat in der grönländischen Hauptstadt eröffnet und damit auch ein Zeichen gegen China gesetzt haben, welches drei Flughäfen auf der rohstoffreichen Insel bauen wollte.
Zudem haben die USA der Insel im April 12,3 Millionen US-Dollar Strukturhilfe versprochen, dazu gehört auch ein Ausbau des Englischunterrichts – der von vielen Grönländern als wichtiger als der obligatorische Dänisch-Unterricht betrachtet wird. Doch Kielsen weiß auch, dass eine formale Unabhängigkeit von Grönland und eine stärkere Anbindung an die USA Gefahren birgt – der niedrige Lebensstandard auf Puerto Rico und den US-Jungferninseln (bis 1917 ebenfalls eine dänische Kolonie) ist auch ihm bekannt. Nach einer Erhebung wollen über 70 Prozent der Bewohner keine Unabhängigkeit, sollte sie mit einem Rückgang von Wohlstand verbunden sein.
Die Angriffe auf die Statue, welche 1921 errichtet wurde und bereits dreimal verschmiert wurde, sollen indes weitergehen, so der Künstler Berthelsen – bis sie wegkommt.
Zu Demaart
Wird denn die Luxlait auch die Eskimo-Pie Eismarke umbenennen, wie im Ausland schon geschehen?