Sonntag11. Januar 2026

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PandemieCorona auf dem Balkan wieder auf dem Vormarsch

Pandemie / Corona auf dem Balkan wieder auf dem Vormarsch
Im Kosovo beispielsweise ist das Tragen von Mundschutzmasken und Abstandhalten nicht jedermanns Sache, wie auf einem Bild einer Veranstaltung der Partei Vetëvendosje! am vergangenen Freitag in der Hauptstadt zu sehen ist Foto: Armend Nimani/AFP

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In der Viruskrise ist Südosteuropa auch dank drastischer Präventivmaßnahmen bislang glimpflich davon gekommen. Doch nun nimmt die Zahl der Neuinfektionen in einigen Balkanstaaten wieder besorgniserregend zu.

Kosovos Neupremier Avdullah Hoti lässt bereits besorgt die Alarmglocken schrillen. „Liebe Bürger, unser Land kann von einer zweiten Welle von Infektionen mit dem Coronavirus getroffen werden“, warnte der Würdenträger zu Wochenbeginn seine Landsleute: „Angesichts des Trends der letzten Tage ist das Risiko sehr realistisch! Es liegt völlig in unserer Verantwortung, uns zu schützen und die soziale Distanz einzuhalten.“

Tatsächlich ist die Zahl der Neuinfektionen bei dem Staatenneuling am Dienstag auf den Rekordwert von 141 geklettert. Mit einer Gesamtzahl von 1.756 Infizierten und 34 Todesopfern ist Kosovo wie die meisten Balkanstaaten in der Viruskrise auch dank drastischer Präventivmaßnahmen und Ausgangssperren bislang zwar relativ glimpflich davongekommen. Doch nun ist die Zahl der Neuinfektionen in einigen Balkanstaaten wieder auffällig am Steigen: Epidemiologen sprechen von einem besorgniserregenden Trend.

Eine stark zugenommene Zahl von Neuinfektionen wird auch aus Rumänien und Nordmazedonien vermeldet. Laut Angaben des rumänischen Gesundheitsministeriums ist die Reproduktionszahl – der sogenannte R-Wert – in den letzten Wochen von 0,6 auf 1,1 wieder „bedenklich gestiegen“. Wenn die Zahl der Neuinfektionen von derzeit rund 250 pro Tag auf über 300 klettern sollte, seien erneute Einschränkungen „unumgänglich“, warnte zu Wochenbeginn Gesundheitsminister Telu Tataru.

Vielfältige Ursachen

Auch in Nordmazedonien ist die Zahl der Neuinfektionen wieder auf 120-130 pro Tag geklettert. Präsident Stevo Pendarovski hat den am 18. März verkündeten Ausnahmezustand in dieser Woche erneut um acht Tage verlängert. Wegen der steigenden Infiziertenzahl bleiben die Landesgrenzen weiter geschlossen. Nur Transitreisende nach Griechenland dürfen seit Wochenbeginn den Balkanstaat innerhalb von fünf Stunden passieren.

Auffällig schwanken die Infiziertenzahlen auch in Albanien, Bosnien und Serbien. Die Gründe des Wiederaufflackerns der Viruskrise im Südosten sind vielfältig. Viele der kommunikationsfreudigen Balkanbewohner halten die Virusgefahr für abgehakt oder von Pharmakonzernen künstlich geschürt – und begrüßen sich wieder unbeschwert mit Küssen und Umarmungen. Masken trägt vielerorts fast niemand mehr. Die Rückkehr der Studenten in ihre Wohnheime hat die Verbreitung des Virus ebenso gefördert wie die Feiern zum Ende des Ramadans. Zumindest meereshungrige Touristen können allerdings beruhigt sein. Ob Kroatien, Montenegro oder Slowenien: Die Zahl der aktiven Fälle bewegt sich bei den Adria-Anrainern zwischen null und einigen Dutzend.