Sonntag11. Januar 2026

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DeutschlandDie Corona-Warn-App soll am Dienstag vorgestellt werden

Deutschland / Die Corona-Warn-App soll am Dienstag vorgestellt werden
Ab morgen wird in Deutschland die Corona-Warn-App freigeschaltet Foto: dpa/Stefan Jaitner

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Die Corona-Warn-App des Bundes ist fertig, am Dienstag soll sie vorgestellt und dann freigeschaltet werden. Wird die Anwendung helfen, eine zweite Welle zu verhindern? Ist sie für Nutzer sicher – und wie wird sie zu einem Erfolg? Fünf Experten bewerten die App.

Der Mediziner: Karl Lauterbach, SPD-Gesundheitsexperte: „Auf die Corona-App hat Deutschland lange gewartet. Jetzt kann sich das Ergebnis aber auch sehen lassen. Zumindest in Bezug auf Sicherheit und die Durchdachtheit des Konzeptes. Es ist klar, dass die App nicht dazu führen darf, dass der Einzelne leichtsinniger im Umgang mit Kontakten ist. Sie darf auch nicht dazu führen, dass man sich sicher fühlt, solange man keine Warnung bekommen hat, wenn man die App genutzt hat. Die Erwartungen an die App müssen daher realistisch sein. Wenn wir eine zweite Welle verhindern wollen, müssen wir aber alle Instrumente nutzen. Wir sehen, dass gerade bei jüngeren Menschen das Verhalten im Vergleich zu älteren Menschen im Moment Grund zur Sorge gibt. Gerade für die Jüngeren kann die App daher ein wertvolles Instrument sein. Sie ist eine Möglichkeit, mit Idealismus und Vernunft der Pandemie zu begegnen.“

Der Datenschützer: Ulrich Kelber, Bundesdatenschutzbeauftragter: „Was vorliegt, macht insgesamt einen soliden Eindruck. Mir ist besonders wichtig, dass die relevanten Dokumente zum Datenschutz, insbesondere die Datenschutzfolgeabschätzung, zum Start der App fertig sind. Sie sollten ab dem ersten Tag öffentlich sein, um in der Bevölkerung Vertrauen und Akzeptanz zu schaffen. Der Beauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit ist übrigens keine Genehmigungsbehörde, sondern eine Aufsichtsbehörde. Mit der Veröffentlichung beginnt erst die nächste Phase unserer Arbeit. Ich bin zuversichtlich, dass die beteiligten Unternehmen offene Punkte und eventuell auftretende Erkenntnisse schnellstmöglich angehen. Denn nur dann beteiligen sich genug Bürgerinnen und Bürger, damit die App einen Beitrag zur Pandemie-Bekämpfung leisten kann.“

Der IT-Fachmann: Frank Thelen, IT-Unternehmer, „Höhle der Löwen“: „Die jetzige Corona-App ist eine gute Lösung: Sie ermöglicht es uns, Infektionsketten schneller zu stoppen und so die weitere Verbreitung des Virus abzubremsen. Sie kostet den Benutzer maximal geringfügig Akku-Laufzeit, bringt uns aber schneller und sicherer zur Normalität. Was die Kritiker unbedingt verstehen sollten: Dritten werden keine persönlichen Daten zugänglich gemacht. Durch anonymisierte und wechselnde IDs in Kombination mit einem Peer-to-Peer-Netzwerk ist die App aus Datenschutzsicht unbedenklich. Viele versenden täglich E-Mails, kaufen bei Amazon ein und sprechen mit Siri & Co., hier werden Daten zentral gespeichert und zur Vermarktung verwendet, nicht bei der Corona-App. Viele Experten werden die Baupläne der App studieren und mögliche Probleme und Verbesserungsvorschläge melden.“

Keine Werbung für die App

Der Werbeexperte: Karsten Göbel, Agentur Super an der Spree: „Die beste Werbung für die Corona-App? Gar keine! Zeigen doch die geringen Nutzungszahlen in den 23 Ländern, die ihre Apps schon im Einsatz haben, dass staatliche Werbung und öffentliche Appelle nicht verfangen. Deshalb sollte die Bundesregierung auf Nudging setzen. Also einen kleinen Anstupser geben, der bestenfalls etwas paradox daherkommt. So wie die Idee, dass die Deutsche Fußball-Liga an den letzten beiden Spieltagen der ersten und zweiten Bundesliga für die deutsche Corona-Warn-App werben will. Die Suggestion, dass mit der App zur neuen Saison womöglich wieder Fußball mit Zuschauern in den Stadien möglich sein könnte, ist Marketing im Sinne des Nudging und könnte die Sogwirkung bei uns als Kunden auslösen, die es zum Erfolg der App braucht. Ergo: Echter Fan ist, wer die App installiert.“

Der Kritiker: Detlev Spangenberg, AfD-Gesundheitsexperte: „Laut ARD-Deutschlandtrend lehnen 39 Prozent der Deutschen eine Tracing-App ab, und ganze 16 Prozent geben an, dass sie keine Apps nutzen, da sie kein Smartphone besitzen. Mehr als die Hälfte der Deutschen wird diese App nicht verwenden, weshalb das Nachverfolgen von Infektionsketten kaum zuverlässig realisierbar sein wird. Die Bevölkerung scheint der Regierung und der App nicht zu vertrauen, was nach den Maßnahmen der letzten Wochen auch nicht überrascht. Unter diesen Umständen ist der erhoffte Mehrwert stark umstritten und scheint nur eine weitere politische Maßnahme zu sein. Einmal eingeführt, besteht die Gefahr, dass diese Neuerung auch für andere Bereiche des täglichen Lebens ausgeweitet werden kann. Aus diesem Grund ist die Einführung als bedenklich einzustufen und kann wirklich allein nur auf freiwilliger Basis anzuwenden sein.“