„Diese Bundesregierung ist eine Zumutung für die österreichische Kulturnation“ – Herbert Föttinger, Direktor des Theaters an der Josefstadt, war nur einer von vielen Kulturschaffenden, die ihrem Unmut über das Corona-Krisenmanagement der türkis-grünen Koalition immer lauter Luft machten. Der Kabarettist Lukas Resetarits hatte in einem viral gegangenen Wutvideo schon dazu aufgerufen, „die ganze grüne Kulturpartie heimzugeigen“ (etwa: davonzujagen).
Die Kritik an mangelnden Öffnungsperspektiven und Überbrückungshilfen für die seit zwei Monaten auf null reduzierte Kulturszene gilt zwar auch der ÖVP, doch gerade von den Grünen hatten sich die Künstler mehr Verständnis und Engagement erwartet.
Lunacek, die als ehemalige Vizepräsidentin des EU-Parlaments in der Außen-, nicht aber in der Kulturpolitik zu Hause ist, hatte nie einen Draht zu den Kulturschaffenden gefunden. Man nahm ihr übel, dass sie die Zuerkennung des Literaturnobelpreises an Peter Handke für „nicht nachvollziehbar“ gehalten und ein vom Bundespräsidenten für den Preisträger gegebenes Essen geschwänzt hatte. Führende Vertreter der Kulturbranche beklagten, dass mit ihnen über einen Neustart des Betriebes nicht einmal gesprochen wurde und es für die wenigsten Künstler Geld aus dem Corona-Härtefallfonds gibt. Albertina-Generaldirektor Klaus Albrecht ärgerte sich, den grünen Parteichef und Vizekanzler Werner Kogler, in dessen Ressort das Kulturstaatssekretariat fällt, seit dem Start der türkis-grünen Regierung Anfang Januar kein einziges Mal getroffen zu haben.
Mangelhafte Kulturpolitik
Da auch Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) wegen seines umstrittenen Besuches im Kleinwalsertal, wo er vorigen Mittwoch die strengen Abstandsregeln offensichtlich selbst sehr augenzwinkernd handhabte, erstmals massiv in die Kritik geriet, war das Ablenkungsmanöver zum Wochenende willkommen: Lunacek erklärte ihren Rücktritt und begründete diesen mit der Erkenntnis, „dass mir keine Chance mehr gegeben wurde“. Offen blieb, ob sich das nur auf das irreparabel beschädigte Verhältnis zur Kulturszene bezog. Gemeint haben könnte sie auch den Koalitionspartner, für den Kulturpolitik nach Ansicht der Kritiker nicht den einer Kulturnation angemessenen Stellenwert hat. Kunst und Kultur bräuchten für den „Post-Corona-Wiederaufbau“ viel mehr Geld als bisher vorgesehen, erhob Lunacek zum Abschied eine Forderung, die sich viele viel früher gewünscht hatten.
Zumindest eine Öffnungsperspektive gibt es aber inzwischen: Ab 29. Mai werden Veranstaltungen mit bis zu 100 Besuchern möglich, ab Juli mit bis zu 250 und ab August mit bis zu 1.000 Besuchern.
Zu Demaart
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