In Italien beginnt nach dem 4. Mai die „Phase 2“ im Umgang mit der Covid-19-Pandemie. Mit dem Dekret vom 26. April hat Premier Giuseppe Conte den Regelkatalog für die langsame Öffnung des gesellschaftlichen Lebens vorgestellt. Etliche Industriebetriebe nehmen wieder ihre Arbeit auf. Parks und Gärten sollen nach und nach für die Öffentlichkeit zugänglich werden. Auch Bars und Restaurants dürften ab Juni unter beschränkten Konditionen wieder ihre Gäste empfangen.
Hauptsächlich bleibt: Abstand halten, Abstand und immer wieder Abstand. So werden in Bussen und Bahnen Plätze, die die Reisenden nutzen dürfen, besonders gekennzeichnet. Auf Bahnhöfen und an Haltestellen sollen Kontrolleure Fieber messen. Wer eine Körpertemperatur über 37,5 Grad Celsius hat, wird nicht nur von den Verkehrsmitteln ausgeschlossen, sondern zur Beobachtung nach Hause geschickt.
Tempo 30 und Radwege
Die begrenzte Fahrgastbeförderung bringt die Administrationen verschiedener Städte auch auf innovative Ideen. In Mailand werden viele Straßen zu Tempo-30-Zonen erklärt. Solche, die bislang nur zum beschränkten Befahren erlaubt waren, sollen für den individuellen Verkehr für eine bestimmte Zeit geöffnet werden, mit der oben genannten Geschwindigkeitsbegrenzung jedenfalls. Damit, so Oberbürgermeister Giuseppe Sala, soll das gesellschaftliche Leben moderat zurückkehren und den Bürgern die Möglichkeit gegeben werden, ihren Tätigkeiten nachzugehen. Die Erweiterung des Individualverkehrs sei notwendig. Sala erklärte dies an einem Beispiel: Die Metrostation Cadorna frequentieren normalerweise 6.000 Menschen pro Stunde, nach den neuen Maßnahmen werden es nur 1.500 sein. Doch auch die übrigen müssen sich bewegen können.
Sala sieht in der gegenwärtigen Notlösung auch eine Option auf die Zukunft. Neben den verkehrsberuhigten Straßen sollen auch deutlich mehr Radwege in Mailand installiert werden. Bis Ende Juni werden in einem ersten Ausbauschritt 36 Kilometer Fahrradstrecke gebaut oder auf den vorhandenen Straßen gekennzeichnet. Darunter sind auch viele Radwege, die in Einbahnstraßen gegen die Fahrtrichtung verlaufen. Wer die lombardische Metropole kennt, weiß, dass das Einbahnstraßensystem manchmal zu enormen Umwegen führt. Die Innenstadt mit dem Fahrrad zu durchqueren, kann bei reduziertem Verkehr und besserer Luft reizvoll und zeitsparend sein.
Luft hat sich deutlich verbessert
Reduzierter Verkehr auf den Autobahnen und Stadtstraßen, eingeschränkte Industrie, weniger Flugverkehr – die Coronakrise zeigt auch eine positive Seite. Umweltinstitutionen und -organisationen stellen erfreut fest, dass die Schadstoffbelastung in und um Mailand seit Ausbruch der Pandemie deutlich zurückgegangen ist. Seit langem sind mal wieder blauer Himmel und am Horizont die Berge der Alpen zu sehen.
Die Stickoxidbelastung ist seit Anfang März um 70 Prozent zurückgegangen. Noch im Januar wurde eine Feinstaubbelastung von bis zu 96 Milligramm je Kubikmeter gemessen. Derzeit wird der Schwellenwert von 50 Milligramm je Kubikmeter an keinem Messpunkt der Stadt überschritten. Interessant werden die Messwerte nach der langsamen Öffnung von Wirtschaft und Gesellschaft sein. Sollte sich das jetzt eingeführte Verkehrsregime auch unter diesen Gesichtspunkten bewähren, könnte es eine Option für die zukünftige Planung in Mailand sein, heißt es aus der Administration. Man werde, so Bürgermeister Sala, auch entsprechende Absprachen mit der Region Lombardei treffen. Mailand könnte nach Corona ein anderes Gesicht bekommen.
Zu Demaart
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