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EuropaBauern fürchten Flut neuer Milchseen wegen Corona-Krise

Europa / Bauern fürchten Flut neuer Milchseen wegen Corona-Krise
Kühe können sich nicht den Märkten anpassen Foto: Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild/dpa

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Es sind Szenen wie diese, die Europas Milchbauern in der Corona-Krise fürchten: Pierre Villiers, ein junger Viehzüchter aus der Normandie, musste binnen drei Wochen rund 15.000 Liter Milch wegschütten, da er keine Abnehmer mehr dafür fand. 

Wie ihm geht es vielen Milchbauern, denn die weltweite Pandemie hat Absatzmärkte zerstört, Preise gedrückt und Lieferketten unterbrochen. Deutsche Erzeuger warnen vor einer Beschleunigung des Höfesterbens. Der Einbruch auf dem Milchmarkt kommt aus Sicht der Landwirte zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt, denn nun im Frühjahr erreicht die Milchproduktion für gewöhnlich ihren Höhepunkt. In dieser Zeit bringen Kühe die Kälber zur Welt und geben Milch, zudem wächst frisches Futter auf den Weiden.

Statt sich über Einnahmen zu freuen, drohen die europäischen Bauern in diesem Frühjahr in neuen Milchseen zu ertrinken. Der Preis für Magermilchpulver lag nach Angaben des European Milk Board (EMB), des Dachverbandes der europäischen Milcherzeuger, jüngst bei nur noch 211 Euro pro 100 Kilogramm. Im Vergleich zum Vorjahr sei dies zwar eine Zunahme von elf Prozent, doch die Preise gingen seit Februar wöchentlich zurück.

Nachfrage wegen Pandemie gesunken

Der französische Milchbauer Villiers reagiert auf diese Entwicklungen mit Galgenhumor: „Die Kühe wollen nicht verstehen, dass sie aufhören sollen zu produzieren.“ Auch die Käse-Produzenten leiden unter der Krise. „Vom Brie über den Rocamadour und den Münsterkäse bis hin zum Reblochon, die Lage ist katastrophal“, sagt Michel Lacoste, Präsident der Hersteller geschützten Milchprodukt-Marken in Frankreich. „Wir fühlen uns sehr alleine und isoliert, wir haben auf einen Schlag all unsere Kunden verloren.“

Die Krise hatte in China begonnen, dem Ursprungsland des neuartigen Coronavirus. Dort wurden die Container mit Magermilchpulver aus Europa wegen der Blockade des Landes nicht mehr entladen. Später sank die Nachfrage wegen der Pandemie auch in Europa. Italien, wo zuvor etwa die Hälfte der Milch aus dem Ausland importiert wurde, beschränkte sich auf die eigene Milchproduktion. Das Nachsehen haben insbesondere Erzeuger aus Deutschland und Frankreich.

Dort läuten bei den Bauern sämtliche Alarmglocken. Derzeit liege die Milchproduktion in Deutschland zwischen drei und fünf Prozent über der Nachfrage auf den Märkten, der Milchpreis sei im Bundesdurchschnitt auf bis zu 31 Cent pro Kilogramm gefallen, sagt Hans Foldenauer, Sprecher des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter (BDM).

Viele Bauern könnten aussteigen

Vielen Betrieben stecke noch die vergangene Milchpreis-Krise aus dem Jahr 2015 in den Knochen. Seither hätten die Landwirte wegen der weiterhin zu niedrigen Preise zwar ihre laufende Kosten decken, aber keine Kredite begleichen oder Rücklagen bilden können, sagt Foldenauer. „Wenn wir jetzt in die nächste Krise reinrutschen, wird die Situation schlimmer als 2015. Dann werden viele Bauern sagen: Ich kann nicht mehr, ich steige aus.“ Foldenauer sieht nun auch die Erzeuger selbst in der Verantwortung, um für ein wenig Abkühlung auf den rotierenden Milchmärkten zu sorgen: Er rät, die Milcherzeugung vorübergehend zu drosseln, etwa indem die Kühe vorübergehend etwas weniger Kraftfutter erhielten.

Auch einige deutsche Molkereien reagieren mittlerweile auf den Milchüberschuss in der Pandemie. „Erste Molkereien haben damit begonnen, weniger Milch anzunehmen“, sagt Björn Börgermann, Referent beim Milchindustrie-Verband. Eine Forderung für die gesamte Branche wolle er daraus indes nicht machen. Zudem macht er Hoffnung: „Insbesondere in China ist der Absatzmarkt für Milch eingebrochen. Aber wir sehen derzeit, dass es in einigen asiatischen Ländern zu einer Belebung kommt, und rechnen mit einer Stabilisierung.“

Armand
14. April 2020 - 22.34

Die Milchseen entstehen nicht wegen Corona sondern weil jeder Bauer Milch produziert, obschon er trotz 60 verschiedenen Unterstützungen und Subventionen nichts daran verdient. Die Holländer, die weltweit an Nummer 2 stehen bei Agrarexporten verdienen Geld damit, weil sie es nicht mit 2000 Hobbybauern machen.