Zwei Menschen. Sieben Monate. Ein Vertrag. ASTI-Projektleiterin Nicki Schilt bringt seit drei Jahren Flüchtlinge mit internationalem Schutzstatus und Bewohner Luxemburgs für das Projekt „Réussir sa migration“ zusammen. Mit Erfolg, wie das Beispiel von Yordanos und Séverine zeigt.
Von Lynn Wolff
Nach einer monatelangen Reise durch den Sudan, das Mittelmeer und Italien landete die gebürtige Eritreerin Yordanos 2016 in Luxemburg. Seit Januar 2018 steht die 28-Jährige unter internationalem Schutz. „Yordanos meldete sich Anfang des Jahres bei uns. Das Matching zwischen ihr und ihrem Coach Séverine passte auf Anhieb“, so Projektleiterin Nicki Schilt. Die ASTI-Koordinatorin ist für die Teambildung und die Begleitung zuständig. Ein Team besteht aus einem Flüchtling (Coachee) und einem Bewohner Luxemburgs (Coach). „Wir probieren, das perfekte Matching zu finden, beruhend auf einer Reihe Kriterien: Alter, Interessen, Ausbildung/Arbeit, Wohnsitz, Familienstand …“, erklärt Schilt.
Übergangsphase
Beide Frauen verfolgen Ziele. Yordanos möchte eine Ausbildung zur Verkäuferin abschließen und die Sprachen Französisch und Luxemburgisch lernen. Die 24-jährige Severin hat erst diesen Sommer ihren Masterstudiengang erfolgreich abgeschlossen.
Integration beginnt für Flüchtlinge, nachdem ihnen der internationale Schutzstatus zugesprochen wurde. „Geflüchtete müssen wieder lernen, autonom zu agieren. Das Projekt hilft dabei, die Übergangsphase zu überbrücken“, erklärt Nicki Schilt.
Als Coach steht Severin der Eritreerin vor allem beim Bewältigen von bürokratischen Hürden zur Seite. Neben der Wohnungssuche hat die Uniabsolventin Erklärungen zum Krankenkassensystem gegeben und beim Verfassen der Motivationsschreiben für potenzielle Praktika geholfen. Freiwilligen wie Séverine, die sich für die Position des Coachs melden, werden im Vorfeld sowohl Basiswissen über die Asyl- und Migrationgesetzgebung als auch Einblicke zum Thema Konfliktmanagement vermittelt. Erst nach der Beteiligung an dieser Weiterbildung und einem erfolgreichen ersten Treffen des Coachs und des Coachees wird ein siebenmonatiger Vertrag von beiden Parteien unterzeichnet.
Freundschaften bilden
Das Duo versucht, sich jede Woche zu treffen und anliegende Probleme zu lösen. Doch neben der administrativen Hilfestellung hat sich vor allem eine Freundschaft gebildet. „Wir werden uns auch weiterhin treffen. In den Ferien haben wir vor, Luxemburg zu erkunden und die Sommerferien zu genießen“, erklärt Yordanos mit einem Lachen. Das Projekt hilft vielen Flüchtlingen dabei, eine ihnen vertraute Anlaufstelle zu finden. „So können sie ihre Probleme einer Kontaktperson anvertrauen und fühlen sich nicht allein in Luxemburg“, verdeutlicht Schilt.
Der kulturelle Austausch ist ein weiteres Plus dieses Integrationsprojekts. „Ich habe viel über die Tradition und Kultur von Eritrea gelernt. Mir wurde klar, dass über diese Gemeinschaft nicht viel in Luxemburg gesprochen wird“, so Séverine.
Sichtlich gerührt zeigte sich Schilt beim Lobgesang der 24-jährigen Séverine: „ASTI is doing a great job.“ Das Pilotprojekt zeigt, dass Integration mit wenigen Schritten möglich ist. Finanziert wird das Projekt von AMIF, dem europäischen Fonds für Asyl, Migration und Integration, und OLAI, doch es läuft demnächst aus. Jedoch besteht bereits Interesse von verschiedenen Gemeinden und Organisationen daran, „Réussir sa migration“ zu übernehmen. Auch das Duo Yordanos und Séverine glaubt an den Erfolg dieser Hilfestellung für Migranten in Luxemburg.
Forderungen von ASTI
Mit den Wahlen im Oktober 2018 hofft die Organisation auf einen Kurswechsel in der Flüchtlingspolitik. ASTI fordert Änderungen in drei Bereichen: Prozedur, Betreuung und Einschulung.
Laut ASTI-Pressesprecher Sergio Ferreira dauert die Bearbeitung eines Antrags oft mehr als zwei Jahre. ASTI hofft, dass die neue Regierung bereit ist, mit angepassten politischen Schritten die Bearbeitungsdauer der Verfahren zu verkürzen.
Ein weiterer Punkt von ASTI ist die Betreuung von Flüchtlingen. „In Luxemburg wird nicht auf Autonomie gebaut. Wir geben ihnen Gutscheine und berauben die Flüchtlinge somit ihrer Autonomie. Mit der Ausgabe von Geld würden die Flüchtlinge lernen, ihr Geld selbst zu verwalten“, meint Ferreira. Zudem verfügen nicht alle Camps über Küchen. Dadurch würde man laut ASTI den Flüchtlingen eine Routine wegnehmen.
Des Weiteren fordert ASTI ein Umdenken im Einschulungsprozess der Migranten. „Die Flüchtlingskinder sollen schnellstmöglich in das normale Schulsystem eingegliedert werden, anstatt in Eingliederungsklassen zu verweilen“, erklärt Ferreira abschließend.
Zu Demaart
asti darf bitten aber nicht fordern.
Klartext ASTI will mehr Geld vom Staat um seinen eigenen Ziele zu verfolgen.....oder habe ich da etwas nicht richtig verstanden?