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Minigolf in den Rotondes: Querdenken bei 18 Löchern

Minigolf in den Rotondes: Querdenken bei 18 Löchern

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Klischeehaft wird Minigolf gerne als langweiliger Familienspaß dargestellt – die Rotondes beweisen, dass es auch anders geht. Für deren Exposition «18» wurden Künstler dazu aufgefordert, kreative Bahnen anzufertigen.

Von Elisa Leclerc

In den Rotondes in Bonneweg wird ein Jubiläum nicht mit Kuchen gefeiert, dafür aber mit einem Minigolfparcours der etwas anderen Art: Für das zehnjährige Bestehen der luxemburgischen Kulturinstitution wurden 23 Künstlerinnen und Künstler dazu eingeladen, ihrer Kreativität freien Lauf zu lassen und Minigolfbahnen mit zeitgenössischer Kunst zu verbinden. Weg vom grünen Filz und hin zu Neonlichtern, Farbklecksen und Zugschienen – die interaktive Exposition «18» kann sich sehen lassen. An die Künstler wurde dabei nur eine einzige Bedingung gestellt: Die Bahnen müssen schlussendlich bespielbar sein.

Ob dieser Grundsatz jedoch eingehalten wurde, ist Definitionssache: Der Minigolfparcours der Rotondes funktioniert nach seinen ganz eigenen Regeln und überlässt dabei auch manchmal alles dem Zufall, wie beispielsweise die Bahn «Arsène. Le badin» von Max Mertens zeigt: Diese lädt den Spieler dazu ein, eine hölzerne Aussichtsplattform zu besteigen und den Ball durch ein Loch fallen zu lassen, das über mehrere Holzschienen zum Ziel führt.

Aus drei Metern Höhe kann der Spieler anschließend seinen Ball verfolgen. Eine andere Bahn, angefertigt von Raoul Gross, setzt sich aus einem überdimensional-großen Looping zusammen: Damit der Ball dem Spieler dabei nicht auf den Kopf fällt, werden Helme angeboten. Es erfordert ein gewisses Maß an Präzision und Stärke, um die Piste von Gross meistern zu können, deren Größe bereits im Widerspruch zum Begriff Miniaturgolf steht.

Individuelle Umsetzung

Andere Bahnen bestechen wiederum durch ihre Ästhetik: In einem abgedunkelten Raum befindet sich beispielsweise «Rotondednotor» von Yann Annicchiarico, welche auf einer aus Spiegelscherben angefertigten Miniatur des Rotondesgebäudes basiert. «Tipi Golf» von Sven Becker und Paul Schroeder lädt den Spieler in ein Tipi ein, wo dieser, umgeben von Pflanzen, den Ball einlochen muss.

Humor und Kreativität kommen bei «18» nicht zu kurz: Für «Trophée de golf Bon Jovi» hat Morgan Fortems einen Volkswagen Golf Mk3 Bon Jovi zusammenpressen lassen, die Piste zeigt ein Porträt Bon Jovis, dessen Gesicht den humoristischen Spruch «It’s my life – Jon Bovi» ziert, aus dem Autoradio ertönt dessen Hitsingle «It’s my Life». Auch die Bahn «Star spangled iron curtain» von Filip Markiewicz ist vom Einfluss der Musik geprägt: Auf dieser muss der Ball unter einer umgedrehten elektrischen Gitarre gespielt werden, beim Streifen der Saiten ertönen laute Rockklänge, und so wird der Spieler hier auch zum Musiker.

Die Ausstellung «18» zeigt somit deutlich, dass der Begriff Minigolf nicht einer starren Definition unterliegt: Alle Künstlerinnen und Künstler haben einen jeweils anderen Umgang gefunden, um die Aufgabenstellung der Rotondes umzusetzen, sei es mit einem Fokus auf Politik, Ästhetik oder Humor. Ohne den Spieler kann der Minigolfparcours jedoch nicht funktionieren: Das Publikum wird aktiv in die Ausstellung involviert und so profitieren sowohl die Künstler als auch die Besucher der Rotondes. Für die Jubiläumsausstellung wurden dabei ausschließlich Künstler um ihre Teilnahme gebeten, die bereits in der Vergangenheit mit den Rotondes zusammengearbeitet haben und dort ausgestellt haben.

Wen es im Juli oder August also in die Rotondes verschlägt, kann dort nicht nur das Konzert- und Filmprogramm der «Congés annulés» genießen, sondern auch eine abwechslungsreiche Partie Minigolf spielen, die Kunst mit Spaß verbindet.