Russische Bürger fordern ein Bußgeld für Präsident Putin. Der war medienwirksam in einem Lastwagen über die neue Krimbrücke gefahren – unangeschnallt. Auch das Vorhandensein des nötigen Führerscheins wird angezweifelt. Doch Präsidentensprecher Peskow leistet Aufklärung.
Von unserem Korrespondenten Axel Eichholz
Das von russischen Medien verbreitete Video von der Jungfernfahrt des Präsidenten Wladimir Putin über die Krimbrücke hat unerwartet unzufriedene Stimmen ausgelöst. Der Präsident klettert in dem Video in das Fahrerhaus eines Kamaz-Lastkraftwagens und fährt los. Der Kremlherr hat sich sichtbar nicht angeschnallt, wie es eigentlich Vorschrift ist. Dieses Vergehen gegen die Straßenverkehrsordnung wird in Russland mit einem Bußgeld in Höhe von 1.000 Rubel (13,60 Euro) bestraft. Putin solle den Betrag bezahlen, fordern die Leser allen Ernstes. Ihnen selbst würde es niemand nachsehen.
«Putin hat nichts verbrochen»
Obwohl sich dieser Sachverhalt nicht leugnen lässt, denn das Video zeigt Putin und dessen Beifahrer eindeutig ohne angelegte Sicherheitsgurte, versuchen dessen Mitarbeiter, den Präsidenten herauszureden. Putin habe nichts verbrochen, behauptet der Chef der Kraftfahrerausbildung Masterklass des Föderalen Sicherheitsdienstes (FSO), Alexej Kolontaj. Der reguläre Autoverkehr über die Brücke sei um 5.30 Uhr am Mittwoch eröffnet worden, argumentiert der Ausbildungsleiter. Der Präsident habe aber seine Jungfernfahrt bereits am Dienstagmittag absolviert, als die Straßenverkehrsordnung dort noch gar nicht galt. Die Kolonne sei auch absolut sicher, mit maximal 50 Stundenkilometern über die Brücke gefahren. «Denken Sie auch daran, dass bei Dreharbeiten für einen Film sich beileibe nicht alle Schauspieler anschnallen», erklärte der Experte.
Selbst James Bond schnallt sich an
Er hätte lieber den Mund halten sollen. «Reden ist Silber und Schweigen ist Gold», schreibt einer der Leser. Für die Schauspieler gelte die Vorschrift, sich beim Besteigen eines Autos als Erstes anzuschnallen, um dem Zuschauer kein schlechtes Vorbild zu geben. Selbst der Geheimagent 007 lege sich immer den Gurt an und baut erst hinterher alle möglichen Unfälle.
An dieser Stelle machte der Geheimdienstexperte Kolontaj denn auch einen Rückzieher. Die Frage sei eigentlich nicht an Putin gerichtet, sondern an den Föderalen Sicherheitsdienst, weil dieser für die Eröffnung der Brücke zuständig gewesen sei. «Wenn die Verkehrspolizei meint, Putin habe die Straßenverkehrsordnung verletzt, soll sie ihn mit einer Geldstrafe belegen», sagte Kolontaj. «Sie soll es doch versuchen», wiederholte er bedeutungsvoll.
Präsident hat Fahrerlaubnis für Lastwagen
Einige Leser und Zuschauer äußern außerdem Zweifel, dass Putin überhaupt berechtigt sei, einen schweren Lastkraftwagen zu lenken. Deshalb sah sich der Präsidentensprecher Dmitri Peskow zu der Erklärung gezwungen, Wladimir Wladimirowitsch habe bereits vor etwa 20 Jahren eine zusätzliche «Fahrprüfung für die Kategorie C» gemacht und dürfe Lastwagen fahren. Auf Fragen, ob der Präsident auch eine Fliegerlizenz besitze, wollte Peskow jetzt nicht eingehen. Bei früheren Gelegenheiten hatte Putin schon mal auch am Steuer eines Jagdflugzeuges gesessen.
Zu Demaart
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