Einem Bericht der französischen Tageszeitung Le Monde zufolge soll der französische Automobil-Konzern PSA bei zwei Millionen Motoren Abgassysteme genutzt haben, die über den wirklichen Ausstoß bei Stickstoffoxiden falsche Angaben machten. Gibt es nach dem VW-Dieselgate nun ein Peugeot-Dieselgate, nachdem es in Frankreich auch schon ein Renault-Dieselgate gibt?
Die Pariser Tageszeitung Le Monde veröffentlicht in ihrer Wochenendausgabe einen Bericht der Behörde für Wettbewerb und Repression. Die Behörde fasst in dem Bericht die Ergebnisse von Untersuchungen zusammen, die sie bei Fahrzeugen des Konzerns PSA (Peugeot, Citroën, DS) unternommen hatte. Drei Richter des Landgerichtes Paris ermittelten gegen PSA wegen „schwerwiegender Täuschung“, schreibt die Zeitung. Dabei sei eine bedeutende Anzahl von Fahrzeugen festgestellt worden, die „eine erhebliche Täuschung über die substanzielle Qualität eines (wirtschaftlichen) Gutes und der durchgeführten Kontrollen zum Vorschein gebracht hätten“, zitiert die Zeitung den Bericht. Le Monde schreibt, dass der Bericht der Redaktion zur Verfügung gestanden habe.
Dem Bericht der Wettbewerbsbehörde zufolge seien „1.914.965 Diesel-Autos der Euronorm 5 mit Motoren ausgerüstet worden, die nach betrügerischen Strategien arbeiteten“. Die Wagen seien zwischen dem 1. September 2009 und dem 1. September 2015 verkauft worden (Zeitraum der Gültigkeit der Euronorm 5, Anm. d. Red.). Betroffen sein sollen die Modelle 208, 807, 5008 von Peugeot sowie die Modelle C3 und C5 von Citroën, schreibt die Zeitung.
Fast 2 Millionen Autos betroffen
Der Vorwurf lautet, dass PSA bei den Motoren für die Tests im kalten Zustand eine Software benutzt haben soll, die den Ausstoß insbesondere von Stickoxid (NOx) besonders niedrig gehalten und den Ausstoß von Kohlenstoffdioxid (CO2) verringert haben soll. Bei warmen Motoren bei normaler Fahrt sollen die Ausstoßwerte dagegen wesentlich höher gewesen sein. Bei den insgesamt neun getesteten Fahrzeugen sollen die Werte im warmen Zustand um 40 bis 170 Prozent höher gelegen haben als beim Zulassungstest.
Den Angaben der Zeitung zufolge soll das Peugeot-Dieselgate das von VW wesentlich überschreiten. Die 1,9 Millionen Fahrzeuge bedeuteten einen Umsatz von „mindestens“ 33,86 Milliarden Euro. Die VW-Dieselgate-Affäre hätte 946.097 Wagen mit einem Umsatz von 22,78 Milliarden Euro betroffen. Im Falle Renault seien 898.557 Autos mit einem Umsatzvolumen von 16,85 Milliarden Euro betroffen.
Nach Bekanntwerden des VW-Dieselgate-Skandals hatte die französische Umweltministerin Ségolène Royal vorschnell bemerkt, dass französische Automobile nicht betroffen seien. Nachdem Fachleute sie allerdings mit Zweifeln vertraut gemacht hatten, schwenkte sie um. Der jetzt bekannt gewordene Bericht ist letztlich auf ihre Veranlassung entstanden.
PSA will verklagen
Der Automobilhersteller bedauert in einer Stellungnahme , dass er durch die französische Justiz nicht kontaktiert worden sei. PSA zeigt sich „indigniert“ über die Veröffentlichung. Da die Justiz das Unternehmen noch nicht mit den Inhalten vertraut gemacht habe, habe der Konzern keine Möglichkeit, inhaltlich Stellung zu nehmen.
PSA betont in seiner Mitteilung, dass das Unternehmen stets schwache NOx- und CO2- Ausstöße auf der Straße privilegiert habe. Die Gruppe behält sich vor, Strafanzeige zu erstatten wegen Verletzung des Ermittlungsgeheimnisses und wegen der Verletzung des Vertraulichkeitsgebotes, dem Behörden unterliegen.
Wörtlich heißt es in der Stellungnahme des Unternehmens: „Die PSA-Gruppe erinnert daran, dass sie die Reglementierungen in allen Ländern respektiert, in denen sie tätig ist und dass ihre Fahrzeuge niemals mit Software oder anderen Mitteln ausgerüstet wurden, die Zulassungstests entdeckten, oder mit Techniken, die sich bei der Nutzung durch den Kunden abschalteten.“
PSA legt weiter Wert auf die Feststellung, dass „er der einzige Konstrukteur auf der Welt ist, der total transparent sei im Hinblick auf den CO2-Ausstoß seiner Modelle im realen Straßenverkehr“. Bis Ende 2017 soll diese Transparenz auf den Ausstoß von Stickstoff (NOx) ausgedehnt werden, heißt es abschließend in der Stellungnahme des Unternehmens.
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