Vor knapp zwei Wochen übernahm Manuel Cardoni die Nachfolge von Marc Thomé bei den abstiegsbedrohten Rümelingern. Was der ehemalige Kapitän der Fußballnationalmannschaft in den letzten Tagen bei seinem Stammverein bereits bewegt hat, wollten wir vom früheren Regisseur der Escher Jeunesse wissen. / Carlo Barbaglia
Tageblatt: Wie sieht drei Tage vor dem wichtigen Match in Hesperingen deine aktuelle Gefühlslage aus und wie groß ist die Anspannung, immerhin ist es deine erste Begegnung als Cheftrainer?
Manuel Cardoni: „Ich habe ein gutes Gefühl, wir haben in den letzten Tagen im Training ausgezeichnet gearbeitet. Natürlich mache ich mir ganz viele Gedanken, vor allem über den Ausgang der Partie übermorgen gegen Hesperingen. Momentan bin ich noch relativ entspannt, am Sonntag wird die Nervosität aber mit Sicherheit steigen. Wir haben aber alle ein Ziel, wir wollen die negative Tendenz der letzten Wochen beenden.“
„T“: Vor rund zwei Wochen vor dem Spiel gegen Etzella warst du noch eher skeptisch, was die Trainerfrage anging. Wieso kam nur einen Tag später der plötzliche Sinneswandel?
M.C.: „Auch ich war überrascht über die schnelle Entlassung von Marc Thomé, allerdings hatte ich mich in der Vergangenheit bereits öfter mit dem Gedanken beschäftigt, einmal einen Trainerjob zu übernehmen. Plötzlich war die Möglichkeit da und ich habe zugestimmt. Ich möchte vor allem meinem Stammverein in der prekären Situation helfen. Natürlich gibt es auch eine ganze Reihe von anderen Gründen, warum ich den Trainerposten übernommen habe. Meine Jungs spielen im Verein, ich habe in Rümelingen viele Freunde und Fußball ist nach wie vor meine große Leidenschaft.“
„T“: Durch die Niederlagen gegen Niederkorn und Etzella ist Rümelingen auf einen Abstiegsplatz zurückgefallen. Was sind deiner Meinung nach die Gründe für die miese Tabellensituation?
M.C.: „Da gibt es eine Reihe von Ursachen. Zum einen fehlte es in den letzten Begegnungen am nötigen Realismus, hinzu kam etwas Pech. In letzter Zeit machte sich ein gewisser Konzentrationsmangel sowohl im Training als auch in den Meisterschaftsspielen bemerkbar, und auch die erforderliche Siegermentalität hat nachgelassen.“
„T“: Was hat denn der neue Coach in den letzten zehn Tagen bereits bewirkt bzw. verändert?
M.C.: „Die Trainingsintensität wurde gesteigert, wieder mehr Wert auf Disziplin gelegt, einige kleine Defizite aufgearbeitet, am Spielsystem selbst habe ich nicht viel verändert. Jeder muss sich wieder in Frage stellen, zu sehr wollen wir uns aber nicht unter Druck setzen lassen.“
„T“: Welche Konsequenzen hätte der Abstieg für die USR?
M.C.: „Schwer zu sagen, für mich steht ohnehin der sportliche Aspekt im Vordergrund. Jeder Fußballverein will in der BGL Ligue spielen, auch wir in Rümelingen, dennoch laufen auch schon gewisse Planungen für die Ehrenpromotion. Ich persönlich habe ein Zeichen gesetzt, indem ich auch im Falle eines Abstiegs nächste Saison Trainer bei der USR bleibe.“
„T“: Wie gefällt dir denn der neue Job, und fällt am Sonntag nach deiner erfolgreichen Spielerkarriere auch der Startschuss für eine große Trainerlaufbahn?
M.C.: „Ich hatte als Spieler eine ganze Reihe von guten Trainern und von einigen habe ich sehr viel gelernt. Meine eigenen Kompetenzen als Übungsleiter kann ich natürlich nicht einschätzen. Zum Trainerjob gehört eine gehörige Portion Glück dazu. Momentan gefällt mir meine neue Aufgabe, in einem Jahr werden wir weiter sehen.“
„T“: Apropos Trainerschein. Willst du irgendwann wieder die Schulbank drücken, um das erforderliche Diplom zu bekommen? Wie gedenkt die USR dieses Problem für die kommende Saison zu lösen?
M.C.: „Zeitlich kriege ich das momentan nicht hin. Meine Familie, meine Arbeit und der Trainerjob beanspruchen mich zu sehr, dennoch werde ich später bestimmt das Diplom irgendwann nachholen. Im Verein wird das Problem in Kürze gelöst sein. Zurzeit laufen Diskussionen mit zwei Kandidaten, verraten möchte ich die Namen allerdings noch nicht. Mir wird in der nächsten Saison aber ein Assistent zur Seite stehen.“
„T“: Hat sich denn der Fußballverband noch nie bei dir gemeldet, um eventuell einen Trainerjob zu übernehmen?
M.C.: „Mit den FLF-Verantwortlichen hatte ich bislang noch keinen Kontakt, jedenfalls gab es noch keine konkrete Anfrage. Ohnehin fehlt mir das Diplom; in Monnerich in fast professionellen Strukturen zu arbeiten, würde mich allerdings schon reizen. Man soll jedenfalls niemals nie sagen. Momentan konzentriere ich mich aber voll und ganz auf meine schwierige Aufgabe in Rümelingen.“
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