Alle Jahre wieder versammelt die Flèche du Sud einige der hoffnungsvollsten Talente auf den Straßen Luxemburgs. Nicht immer können sich die Jungspunde durchsetzen und nicht immer werden aus den Siegern erfolgreiche Profis. Aber es ist doch eher die Regel als die Ausnahme, wie ein Blick auf die Siegerliste seit 1999 zeigt. / Kim Hermes
1999 – Kim Kirchen (L): 2000 wurde Kirchen vom italienischen Team De Nardi engagiert, ab 2001 begann seine Fassa-Bortolo-Zeit. Dass er sich mittlerweile bei den ganz Großen etabliert hat, ist nach seinen großen Erfolgen (Flèche Wallonne 2008, Maillot Jaune der Tour de France) auch außerhalb Luxemburgs kein Geheimnis mehr.
2000 – Giampaolo Cheula (I): Der Italiener kam nach seinem Flèche-Sieg beim Mapei-Quick-Step-Team unter, wurde aber nie einer der ganz Großen. Eine Etappe der Bayern-Rundfahrt und der Sieg bei der Friedens-Rundfahrt und beim GP Nobili sind die Höhepunkte einer zehnjährigen Karriere. Cheula fährt derzeit für das Footon-Servetto-Team.
Zwei von fünf
Von den aktuell fünf Luxemburger Top-Profis haben mit Kim Kirchen und Andy Schleck „nur“ zwei die Flèche du Sud gewinnen können. Ben Gastauer zeigte aber letztes Jahr mit dem zweiten Platz sein Potenzial und empfahl sich für einen Profi-Vertrag. Frank Schlecks bestes Ergebnis bei der Flèche war ein fünfter Platz im Jahr 2000. Laurent Didier gewann im Jahr 2005 die schwere Etappe nach Bourscheid und wurde Dritter der Gesamtwertung. Danach stand die Flèche für ihn unter keinem guten Stern mehr, auch weil das Studium Priorität hatte (45./2006, Aufgabe/2007, 70./2008). Derzeit bestreitet er mit dem Team Saxo Bank den Giro d’Italia.
2001 – Bradley Wiggins (GB): „Wiggo“ war bis zur Tour de France 2009 eher den Spezialisten ein Begriff. Seine Erfolge holte der Brite auf der Bahn (3 Gold, 1 Silber und 2 olympische Bronzemedaillen, dazu u.a. 6 WM-Titel) oder im Einzelzeitfahren. 2009 überraschte er bei der Tour de France mit einem vierten Platz. Aus dem Spezialisten war ein Rundfahrer geworden … und seit dieser Saison das Aushängeschild des Millionen-Teams Sky.
2002 – Christian Weber (CH): Für den Schweizer war der Flèche-du-Sud-Sieg im Alter von 27 Jahren eher der Ausklang seiner Karriere. Nach 2002 verliert sich seine Spur.
2003 – David Loosli (CH): Auch Loosli fehlen die ganz großen Erfolge, aber der Berner schaffte 2004 den Sprung in den Profi-Zirkus und dort hält er sich seither auch, derzeit beim Team Lampre. Den Luxemburgern rief er sich zuletzt bei der Flèche Wallonne in Erinnerung, als er in der Fluchtgruppe mit Frank Schleck einer von zwei Fahrern war, die sich nicht an der Führungsarbeit beteiligten und damit die Attacke von Schleck und Kreuziger zum Scheitern verurteilten.
2004 – Andy Schleck (L): Irgendwie schien jeder zu ahnen, was für ein Talent in Andy Schleck steckt. Der Flèche-Sieg im Alter von 19 Jahren war die Offenbarung eines Talents, das sich nur wenige Jahre später mit zweiten Plätzen beim Giro d’Italia, der Tour de France und dem Sieg bei Liège-Bastogne-Liège anschickte, die tollkühnsten Erwartungen zu erfüllen.
Weltmeister
2005 – Wolfram Wiese (D): Der Flèche-Sieg im Alter von 28 Jahren war der größte Erfolg in der Karriere von Wolfram Wiese. 2006 wurde Wiese Zweiter bei der Flèche du Sud. 2007 beendete der Teamkollege von Laurent Didier bei Regiostrom-Senges seine Radsport-Karriere.
2006 – Geraint Thomas (GB): Der Brite verblüffte, als er an der Spitze des britischen Nationalteams dem Feld im Langengrund in Rümelingen davonfuhr und sich am Ende den Sieg sicherte. 2007 landete er bei Barloworld, wo er drei unauffällige Jahre verbrachte. Seit dieser Saison fährt er wie Wiggins (mit dem er auf der Bahn Weltmeister und Olympiasieger in der Mannschaftsverfolgung wurde) für das Team Sky.
2007 – Boris Shpilevsky (RUS): Shpilevsky fuhr bei seinem Sieg schon in einem großen Kontinental-Team, das den Aufstieg in die Pro-Continental-Klasse anstrebte. Der große Karrieresprung blieb aus. Er fuhr vor allem Rennen in Asien (insgesamt 10 Etappen und ein Gesamtsieg bei der Tour of Hainan in China). Derzeit fährt er bei der Kontinental-Mannschaft von Katusha.
2008 – Marcel Wyss (CH): Der Schweizer feierte einen Start-Ziel-Sieg bei der Flèche 2008. 2009 verschlug es ihn zum Cervelo-Test-Team, das sich gerade den frisch gebackenen Tour-Sieger Carlos Sastre geangelt hatte. Größter Erfolg: Neunter der Gesamtwertung der Tour de Romandie.
2009 – Simon Zahner (CH): Schon wieder ein Schweizer, der allerdings im Gegensatz zu seinem Vorgänger schon etwas älter (26) war, als er die Flèche gewann. Der Lohn für den eigentlichen Cross-Spezialisten. Ein Vertrag beim BMC-Racing-Team um Weltmeister Cadel Evans.
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