Nun, die Topografie unserer Hauptstadt ist allen bekannt und eine flache Streckenführung ist nicht möglich. Ob wegen des Streckenprofils die große Mehrheit der Teilnehmer „nur“ die halbe Marathondistanz absolviert, ist unwahrscheinlich.
Marathonläufe wie New York oder Boston sind auch wellig, und dennoch gehören diese beiden zu den beliebtesten Veranstaltungen weltweit. Und auch die sogenannten Trails und Naturläufe, die nicht selten Höhenunterschiede von über 1.000 m aufweisen, haben regen Zulauf und schrecken die Freizeitsportler keineswegs ab.
Auf den „Vorwurf“, viel Geld würde an Spitzenathleten gezahlt werden, erwidert Organisator Erich François: „Mir sind die 8.000 Freizeitläufer ebenso wichtig wie die 20 Top-Athleten. Der Service muss für beide Gruppen stimmen. Es ist aber bewiesen, dass eine Korrelation zwischen Freizeit- und Spitzensport bestehen muss, um Prestige und Renommee einer internationalen Laufveranstaltung zu garantieren.“
Malerisch, Stimmung
In der Tat mussten die Organisatoren des Echternacher Marathons diese schmerzliche Erfahrung machen: In den 80er und 90er Jahren ließen die Siegerzeiten eines Ceslovas Kundrotas (2.1328) oder einer Linda Milo (2.3305) auch weit über die Grenzen aufhorchen und die Beteiligung kannte damals mit rund 1.600 Startern ihren Höhepunkt.
Als eine neue Mannschaft dann keine Start- und Siegprämien mehr anbot und die Siegerzeiten Freizeitcharakter annahmen, war die Glanzzeit der RRE-Veranstaltung schnell vorbei und die Beteiligung schrumpfte im Sinkflug.
Dazu noch einmal Erich François: „Wir können nicht mit Siegerzeiten von London, Hamburg oder Rotterdam konkurrieren, der ‚Night Run‘ bezieht seine Attraktivität aus der malerisch schönen Streckenführung und der einmaligen Stimmung in den verschiedenen Stadtvierteln. In Relation zu seiner Bevölkerung weist wohl keine andere Marathonveranstaltung so viele Zuschauer auf wie unser Stadtmarathon.“
Der Renndirektor erläutert denn auch die neue Streckenführung: „Da wir erstmals von der Luxexpo starten, entfällt der Zick-Zack-Kurs rund um die Coque. Nach einem Abstecher über den ‚ale Kierchbierg‘ wird die rote Brücke früher als sonst bei km 8 erreicht, bevor es dann über den Limpertsberg und die Stadtparks hin zum Knuedler geht. Hier treten die Halbmarathon-Läufer dann wieder den Rückweg an. Nach den Vierteln Merl und Belair überqueren die Marathonis die Adolphe-Brücke und erreichen dann durch die rue de Prague das Petrusstal. Hinter dem Dexia-Hauptsitz beginnt dann der Rückweg über Hollerich, Bahnhof, Avenue de la Gare, ‚Nei Bréck‘, ‚Gëlle Fra‘, Theaterplatz, ‚Rout Bréck‘, Kirchberg und Luxexpo.“
Wegen der geringen Beleuchtung können sich die Schlussläufer auf einen romantischen Rückweg freuen. Der Streckenverlauf ist mit der Eingliederung des Petrusstals sicherlich attraktiver geworden und kurzweilig sowieso, denn 30 Musikgruppen und Samba-Bands werden den Zuschauern und Läufern wie gewohnt mächtig einheizen. Zehn Heißluftballons werden am Samstag die Strecke am Abend beleuchten und das große Laufspektakel optimal abrunden.
Ob die Strecke nun schneller geworden ist und die Streckenbestzeit am Samstag „geknackt“ wird, muss man abwarten. Erich François ist jedenfalls relativ optimistisch: „Am Streckenprofil hat sich nicht viel geändert, durch weniger Kurven und Ecken könnte die Strecke eventuell schneller geworden sein. Eine Siegerzeit um 2.10 Stunden wäre auch in Luxemburg keine Utopie, doch leider würde ein Weltklasse-Athlet reichen, um unser gesamtes Budget zu sprengen. So bleiben wir bescheiden und freuen uns, wenn die verpflichteten Spitzenläufer die Streckenbestzeiten von 2.15’29» bzw. 2.41’26» unterbieten.“
Zu Demaart
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