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Türkei-GP / Autsch: Red Bull verleiht Hörner

Türkei-GP / Autsch: Red Bull verleiht Hörner

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FORMEL 1 - Bullen-Drama am Bosporus: Ein stümperhafter Crash zwischen den Teamkollegen Mark Webber und Sebastian Vettel hat Red Bull aus allen Siegträumen gerissen und die heile Welt des Teams ins Wanken gebracht.

Gestikulierend und stocksauer stieg Vettel nach dem Unfall in der 40. Runde aus seinem demolierten Red Bull. „Offensichtlich bin ich jetzt nicht gerade der glücklichste Mensch auf Erden“, sagte Vettel, der nur kurz nach dem Formel-1-Doppelerfolg der McLaren-Mercedes-Profiteure Lewis Hamilton und Jenson Button angefressen den Istanbul Park Circuit verließ.

„Ich denke, ich habe das richtig gemacht. Gerade unter Teamkollegen ist so was natürlich blöd, aber man sollte einem den nötigen Platz geben“, meinte Vettel. Und der 22-Jährige erhielt nach dem spannenden Großen Preis der Türkei Rückendeckung von seinem Team. „Mark hat Sebastian keinen Platz gelassen“, urteilte Red-Bull-Rennstallchef Christian Horner.

„Mark hätte dieses Manöver nie machen dürfen“, pflichtete Red Bulls Motorsportbeauftragter, Helmut Marko, bei. Webbers Renningenieur habe dem Australier nicht mitgeteilt, dass er dem schnelleren Vettel, dem zudem Hamilton Druck von hinten machte, Platz machen sollte. „Das verstehe ich jetzt nicht so recht“, meinte Webber. „Er (Vettel) ist plötzlich und unerwartet nach rechts gezogen“, verteidigte sich der WM-Primus, der durch die Kollision von Platz eins auf Rang drei zurückgefallen war.

Profiteure der Kollision war neben Hamilton und Button auch Rekordweltmeister Michael Schumacher. Wie schon beim Großen Preis von Spanien fuhr er im Mercedes auf Platz vier. Teamkollege Nico Rosberg schaffte es auf den fünften Platz. Zugleich bestätigte Teamchef Ross Brawn, dass die beiden auch in der kommenden Saison für Mercedes an den Start gehen werden.

Renault zufrieden

Ein erfolgreiches Wochenende feierte auch der Renault-Rennstall, wäre da nicht der Reifenschaden von Witali Petrow im letzten Renndrittel gewesen. Eine Berührung mit Fernando Alonso war der Auslöser, dass Petrow, der immerhin die schnellste Rennrunde fuhr, in der Endabrechnung nur Platz 15 belegte. Dagegen war Robert Kubica einmal mehr die Zuverlässigkeit in Person. Nach Platz 6 hat der Pole nunmehr 67 WM-Punkte auf dem Konto, was den mit Felipe Massa geteilten 6. Platz in der Fahrerwertung bedeutet.

„Es war alles in allem ein sehr zufriedenstellendes Wochenende“, resümierte Teamchef Eric Boullier, „die Autos sind gut gelaufen und wir hatten erstmals in dieser Saison beide Fahrer in den Top 10 des Qualifyings. Auch im Rennen haben wir unsere Fortschritte unter Beweis gestellt. Schade nur, dass Robert nicht an den offensichtlich langsameren Mercedes vorbeikam und dass Witali im Duell mit Alonso so ein Pech hatte.“ Fazit: Istanbul hat den Erfolgshunger der Gelben weiter angefeuert. Und das vor dem Kanada-GP, der durch seine Streckencharakteristik den Renaults wie auf dem Leib geschneidert zu sein scheint.

Doch in aller Munde war das Manöver, das Vettel die mögliche erste WM-Führung in seiner Karriere kostete und Pole-Mann Webber den dritten Sieg in Serie. „Ich war auf der inneren Seite, völlig überraschend hab ich das Auto verloren. Da gibt es nicht mehr viel zu sagen“, meinte der Deutsche. „Ich denke, ich war nicht zu übereifrig.“

Immerhin rettete Webber mit Rang drei noch die Führung nach sieben WM-Läufen. Der Australier hat nun 93 Punkte, Weltmeister Button kam bis auf fünf Zähler heran (88), Hamilton (84) ist Dritter vor Fernando Alonso (79), der es im 800. Grand Prix des Ferrari-Rennstalls (siehe Seite 42) nur auf Platz acht hinter seinen Teamkollegen Felipe Massa schaffte. Vettel ist Fünfter (78). In der Konstrukteurswertung gab Red Bull (171) die Spitze an McLaren (172) ab. „Jede Menge Punkte sind baden gegangen. Die Punkte wegwerfen ist ein unglaublicher Frust“, räumte Teamchef Horner ein.

Der Rennverlauf

Dabei lief zunächst alles nach Plan für seine „bis in die Haarspitzen motivierten Jungs“. Während Webber seine Pole ungestört verteidigte, machten Vettel und auch Schumacher auf einen Schlag jeweils einen Platz gut, der 22-Jährige ließ Hamilton hinter sich und reihte sich auf Rang zwei ein. Sein 19 Jahre älterer Landsmann Schumacher passierte Button, Platz vier war der Lohn. Doch die Freude über die geglückten Manöver auf den ersten Metern des Rennens über insgesamt 309,396 Kilometer währte nur recht kurz.

Hamilton, der am Ende 1:28:47,620 Stunden benötigte, und Button schnappten sich jeweils den Rivalen noch in der ersten Runde – dem ominösen F-Schacht am McLaren-Mercedes sei Dank. Dem geschätzten Vorteil von zusätzlich zehn Stundenkilometern, die die Konstruktion bringt, hatten Vettel und Schumacher nichts entgegenzusetzen.

An der Spitze konnte Webber vorerst unbeirrt Gas geben, auch nach dem Reifenwechsel führte er das Feld an. Nach dem besten Startplatz und anschließenden Siegen in Barcelona und in Monaco schien der 33 Jahre alte Australier auch im asiatischen Teil der Bosporus-Metropole seinem Saison-Hattrick entgegensteuern.

Doch Vettel fuhr, was das Zeug hielt: Er saß Webber mit seiner am Vortag in der Qualifikation noch zickigen „Randy Mandy“ im Nacken. Bis Runde 40, als er sein Überholmanöver startete, das letztlich Hamilton und Button die Führung bescherte. „Wir haben gut, wir haben fair gefightet. Wer will schon einen Crash?“, meinte Button. 


FORMEL 1 IN ZAHLEN

Grand Prix der Türkei, in Istanbul 7. WM-Lauf (58 Runden à 5,338 km/309,396 km): 1. Lewis Hamilton (England) McLaren-Mercedes 1:28:47,620 Stunden.; 2. Jenson Button (England) McLaren-Mercedes +0:02,645 Minuten zurück; 3. Mark Webber (Australien) Red Bull +0:24,285; 4. Michael Schumacher (Deutschland) Mercedes +0:31,110; 5. Nico Rosberg (Deutschland) Mercedes + 0:32,266; 6. Robert Kubica (Polen) Renault +0:32,824; 7. Felipe Massa (Brasilien) Ferrari +0:36,635; 8. Fernando Alonso (Spanien) Ferrari +0:46,544; 9. Adrian Sutil (Deutschland) Force India +0:49,029; 10. Kamui Kobayashi (Japan) Sauber +1:05,650; 11. Pedro de la Rosa (Spanien) Sauber +1:05,944; 12. Jaime Alguersuari (Spanien) Toro Rosso +1:07,800; 13. Vitantonio Liuzzi (Italien) Force India +1 Runde; 14. Rubens Barrichello (Brasilien) Williams +1 Runde; 15. Witali Petrow (Russland) Renault +1 Runde; 16. Sébastien Buemi (Schweiz) Toro Rosso +1 Runde; 17. Nico Hülkenberg (Deutschland) Williams +1 Runde; 18. Timo Glock (Wersau) Virgin +3 Runden; 19. Lucas di Grassi (Brasilien) Virgin +3 Runden; 20. Karun Chandhok (Indien) Hispania +6 Runden

Ausfälle: Jarno Trulli (Italien) Lotus (33. Runde/Defekt); Heikki Kovalainen (Finnland) Lotus (34. Runde/Defekt); Sebastian Vettel (Deutschland) Red Bull (40. Runde/Kollision); Bruno Senna (Brasilien) Hispania (47. Runde/Defekt)

Schnellste Rennrunde: Witali Petrow (Renault) 1:29,165 Min.

Startaufstellung (eine Runde = 5,338 km): 1. Mark Webber (Red Bull) 1:26,295 Minuten, 2. Lewis Hamilton (McLaren) 1:26,433, 3. Sebastian Vettel (Red Bull) 1:26,760, 4. Jenson Button (McLaren) 1:26,781, 5. Michael Schumacher (Mercedes) 1:26,857, 6. Nico Rosberg (Mercedes) 1:26,952, 7. Robert Kubica (Renault) 1:27,039, 8. Felipe Massa (Ferrari) 1:27,082, 9. Witali Petrow (Renault) 1:27,430, 10. Kamui Kobayashi (Sauber) 1:28,122, 11. Adrian Sutil (Force India) 1:27,525, 12. Fernando Alonso (Ferrari) 1:27,612, 13. Pedro de la Rosa (Sauber) 1: 27,879, 14. Sebastien Buemi (Toro Rosso) 1:28,273, 15. Rubens Barrichello (Williams) 1:28,392, 16. Jaime Alguersuari (Toro Rosso) 1:28,540, 17. Nico Hülkenberg (Williams) 1:28,841, 18. Vitantonio Liuzzi (Force India) 1:28,958, 19. Jarno Trulli (Lotus) 1:30,237, 20. Heikki Kovalainen (Lotus) 1:30,519, 21. Timo Glock (Virgin) 1:30,744, 22. Bruno Senna (Hispania) 1:31,266, 23. Lucas di Grassi (Virgin) 1:31,989, 24. Karun Chandhok (Hispania) 1:32,060

WM -Stände

Fahrer-Wertung:
1. Mark Webber 93
2. Jenson Button 88
3. Lewis Hamilton 84
4. Fernando Alonso 79
5. Sebastian Vettel 78
6. Robert Kubica 67
7. Felipe Massa 67
8. Nico Rosberg 66
9. Michael Schumacher 34
10. Adrian Sutil 22
11. Vitantonio Liuzzi 10
12. Rubens Barrichello 7
13. Witali Petrow 6
14. Jaime Alguersuari 3
15. Sébastien Buemi 1
16. Kamui Kobayashi 1
17. Nico Hülkenberg 1

Team-Wertung:
1. McLaren-Mercedes 172
2. Red Bull 171
3. Ferrari 146
4. Mercedes 100
5. Renault 73
6. Force India 32
7. Williams 8
8. Toro Rosso 4
9. Sauber 1

Nächstes Rennen: GP Kanada am 13. Juni in Montréal