Robert Schneider
In den vergangenen zehn Jahren investierte Luxemburg etwa 750 Millionen Euro in die Krankenhausinfrastruktur, weitere 500 Millionen werden in den kommenden Jahren folgen.
Die Restrukturierungen waren gewaltig, das Spitalwesen erlebte grundlegende Veränderungen, die über vier Regierungsperioden gingen. Nach Synergien und Fusionen verfügt das Krankenhauswesen nun über vier bis fünf Institutionen, die vergleichbare Kräfte haben. Die Spitäler seien in ihrer jetzigen Form konsolidiert.
Die großen Akteure sind das Escher Centre hospitalier Emile Mayrisch (mit den beiden Filialen Niederkorn und Düdelingen), das Centre hospitalier in der Hauptstadt (inklusive der Eicher Klinik), das Kirchberger Spital und das Centre hospitalier du Nord (zu dem auch die Wiltzer Klinik gehört). Daneben gibt es eine Reihe spezialisierter Institute, wie das Reha-Zentrum, das Centre Baclesse …
„Von der Struktur her sind wir gut aufgestellt“, so Mars di Bartolomeo uns gegenüber. Jetzt sei der Weg frei für eine weitere Etappe. Das Ministerium will tiefer in den Inhalt der angebotenen Dienste eingreifen.
Kompetenzenbündeln
In dem Sinne sollen „Kompetenzzentren“ für verschiedene medizinische Bereiche geschaffen werden, die Qualität soll weiter verbessert werden und finanzielle Transparenz soll durchgesetzt werden, sprich die Gesamtkosten eines Eingriffs sollen überschaubarer werden.
In Zukunft sollen die Krankenhäuser außerdem weg vom sog. „tout hospitalier“. Viele Interventionen, die in Luxemburg mit einem mehrtägigen Krankenhausaufenthalt verbunden sind, werden im Ausland ambulant vorgenommen. Dies bedeute nicht automatisch eine Kosteneinsparung, so der Minister; allerdings könne die ambulante Methode in vielen Fällen im Sinne der Patienten sein. Augenkatarakte z.B. würden in Luxemburg nur zu 20 bis 30 Prozent ambulant behandelt. In ausländischen Häusern würde diese Quote bereits 90 Prozent erreichen.
Was die Kompetenzzentren betrifft, so erklärt der Minister, zurzeit würden fast alle Spitäler alle Dienste anbieten. Dieses breite Spektrum des medizinischen Angebots habe historische Gründe, sei aber nicht unbedingt im Sinne des Patienten.
Bei vielen medizinischen Eingriffen sei eine kritische Masse notwendig. So kann der Minister sich Kompetenzzentren für die Krebsbehandlung vorstellen, für die Behandlung von Hirninfarkten usw. Bei manchen Krankheiten sei es daneben wichtig, dass mehrere Disziplinen zusammenarbeiten. Er nannte das Beispiel Brustkrebs, wo neben dem medizinischen Eingriff (operativ oder mit Bestrahlung) eine medizinische und psychologische Nachsorge, technische Hilfe usw. notwendig seien. Diese Multidisziplinarität innerhalb eines Fachgebietes wird vom Ministerium angestrebt.
Di Bartolomeo fordert weiter, dass die Spitäler ihre entsprechenden Kompetenzen bekannt machen. Dies könnte als Nebeneffekt auch ausländische Patienten in Luxemburger Krankenhäuser ziehen.
Bislang sei eine der Schwächen des Spitalplans die fehlende gesetzliche Basis gewesen. Diese Grundlagen würden nun durch die Reform des Gesundheitswesens geschaffen. In dem Zusammenhang erinnerte er daran, dass die Grundversorgung der Bevölkerung durch die Generalisten („médecins coordinateurs“) aufgewertet werden soll.
Geriatrische Medizin
Herausforderungen für die kommenden Jahre sieht der Gesundheitsminister in der spezifischen medizinischen Betreuung älterer Menschen. Hier stünden wir erst am Anfang.
Auf eine eventuelle grenzüberschreitende Krankenhauseinrichtung angesprochen, die gemeinsam mit Frankreich auf Belval entstehen könnte, äußerte sich Di Bartolomeo eher zurückhaltend.
Er stehe hinter der Idee, die allerdings erst in einer sehr frühen Phase sei. Viele Fragen, vom Statut bis zu Kompetenzen, seien offen. Der Idee will er aber eine Chance geben, dies allerdings im Rahmen der künftigen Ausrichtung der Spitäler im Süden Luxemburgs und in Lothringen.
Zu Demaart
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