Youssef Razzak,
Wiebke Trapp
Dass die Krise einen negativen Einfluss auf die traditionelle luxemburgische „Schueberfouer“ haben soll, scheint Roger Pelzer nicht zu sehr zu befürchten. Von Krise für die luxemburgischen Schausteller, wie sie von den französischen und auch den deutschen Kollegen beklagt wird, scheint hier nichts spürbar zu sein. Oder besser gesagt „noch nicht“, so Roger Pelzer. In seinen Augen sind es eher die großen Finanzbetriebe, die in den letzten zwei Jahren von der Krise am meisten betroffen waren. Negative Auswirkungen befürchtet er hingegen, wenn überhaupt, vom luxemburgischen Tram-Projekt. „Wir unterstützen das Projekt, denn es hat mit Sicherheit einen positiven Effekt für die ‚Schueberfouer’“, sagt er. 
Die Trasse des Projekts macht ihm Sorgen. Denn wenn sie wie geplant zustande kommt, wird die „Schueberfouer“ Platz verlieren. Nicht nur die Schefferallee, sondern auch acht Meter seitlich davon fallen dann für die Großveranstaltung weg. Das betrifft vor allem die kleineren Schausteller der „Schueberfouer“, die zum größten Teil aus Luxemburg kommen. Wenn das so käme, befürchtet der Präsident der „Association européenne des commerçants-forains“ (AECF) für viele von ihnen das Ende. Gerade für sie ist die Kirmes in der Hauptstadt zur jährlichen Haupteinnahmequelle geworden. Der Besucherandrang auf den Dorfkirmessen, wo sie ebenfalls vertreten sind, geht zurück.
Mit dem früheren Transportminister hätte es deswegen eine mündliche Vereinbarung gegeben, die Trasse der Tram so zu verschieben, dass es nur zu minimalen Platzeinbußen gekommen wäre. Mit der neuen Regierung sei man derzeit deswegen in Verhandlungen. Pelzer gibt sich optimistisch. Trotz Krise sei die „Schueberfouer“ in den letzten beiden Jahren ein Erfolg gewesen, sagt Pelzer weiter – auch wenn man sich mit Investitionen zurückhalte. Wenn er sich über etwas wirklich Sorgen macht, dann ist es das Wetter.
In 40 Jahren als Schausteller habe er gerade mal zwei „Schueberfouer“ erlebt, bei denen es nicht geregnet hat.
„Schueberfouer“ in den Top 10 Europas
Auf internationaler Ebene scheint die „Schueberfouer“ einen beeindruckenden Ruf zu haben. Sie gilt in der Schaustellerbranche als eine der umsatzträchtigsten in Europa. Das ist umso bemerkenswerter, als die luxemburgische Veranstaltung nur drei Wochen dauert, während vergleichbare im Ausland bis zu sechs Sonntage umfassen.
Glaubt man dem Hauptrepräsentanten der luxemburgischen Schausteller, bewegt sich die Anschaffung bei den großen Attraktionen, die auf dem Glacis Besucher anlocken, in einer Größenordnung von bis zu sechs Millionen Euro.
Die kleineren Karussellanlagen kosten ab 500.000 Euro aufwärts. Außerdem werden die Anlagen nach dem Aufbau von der nationalen Sicherheitstechnik geprüft und abgenommen. Auch das kostet.
Preise und Rentabilität bleiben stabil
Im Durchschnitt sollen die Preise dieses Jahr dieselben bleiben wie im letzten, versichert der Präsident der AECF, der einen Kodex seiner Zunft pflegt. Über die Höhe der Einnahmen wird eisern geschwiegen.
Lieber ließe er sich die Zunge abschneiden, als auch nur ein Wort darüber zu verlieren, sagt Roger Pelzer. Sein Stellvertreter Charles Hary tönt ins gleiche Horn und zeigt an seiner Arbeitskleidung hinunter. „Kuck mich mal an, ich komm knapp über die Runden.“
Denn wie man bei den Schaustellern so sagt: „Geld verdienen ist keine Kunst. Die wahre Kunst besteht darin, das Geld nicht auszugeben.“
Infos: www.fouer.lu
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