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Neuerliche Provokation

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Frankreichs Skandal-Kicker Anelka wird für 18 Spiele gesperrt

FUSSBALL – Um das WM Trauma von Südafrika aufzu arbeiten, mussten am Dienstag fünf Rädelsführer der Meuterei vor der Disziplinarkommission des französischen Verbands FFF antreten. Nicolas Anelka (39) war gar nicht erschienen – und erhielt die höchste Strafe.

Von „T“-Korrespondentin Birgit Holzer aus Paris

Endlich eine neue Seite aufschlagen, nach vorne blicken und das Trauma der WM vergessen: Das ist die Hoffnung des französischen Fußballs nach der blamablen Vorstellung der „Equipe Tricolore“, die nach der Vorrunde ausschied. Zuvor hatte sie durch wüste Beleidigungen des Spielers Anelka gegen Trainer Raymond Domenech, Anelkas Rausschmiss und einen Trainingsboykott aus Solidarität Negativ-Schlagzeilen gemacht. Die beispiellose Eskalation interner Querelen brachte einige Sponsoren auf Distanz und die FFF in eine schwere Krise.

Epilog des Dramas sollte die gestrige Anhörung sein, die die fünf mutmaßlichen Haupt-Protagonisten der Meuterei zitierte. Als Zeugen kamen Ex-Trainer Domenech, Ex-Verbandschef Jean-Pierre Escalettes, der auf politischen Druck hin zurücktreten musste, sowie Jean-Louis Valentin, ehemaliger Vize-Generaldirektor, dessen tränenreicher Abgang ebenfalls für Aufsehen geRibéry könnte spielen 

Am 12. Oktober trifft Luxemburg in Metz in der Qualifikation für die Euro 2012 auf Frankreich: Franck Ribéry könnte dann wieder spielen. Die „Equipe Tricolore“ bestreitet vor dem Luxemburg-Match drei Qualifikationsspiele: gegen Weißrussland (3. September), in Bosnien (7. September) und gegen Rumänien (9. Oktober). Mit nur einem Spiel Sperre könnte Jérémy Toulalan wieder in Bosnien auf dem Platz stehen. Das Match gegen Luxemburg verpassen Evra und Anelka …  sorgt hatte. Von den fünf geladenen Spielern erschienen allerdings lediglich Kapitän Patrice Evra (13), Jérémy Toulalan (14), der die Presseerklärung zum Trainings-Streik verfasste, und Eric Abidal (3), der sich für das Spiel gegen Gastgeber Südafrika „abgemeldet hatte“. Franck Ribéry (22) schickte nur seinen Anwalt, nachdem ihm sein Club Bayern München die Erlaubnis für die Fahrt nach Paris verweigert hatte. Anelka fehlte unentschuldigt. Dass sich ausgerechnet der Spieler nicht stellte, dessen Ausschluss nach seiner Schimpftirade gegen Domenech den Skandal ausgelöst hatte, wurde als neuerliche Provokation gewertet.

Mit einer Sperre für die nächsten 18 Spiele erhielt der Chelsea-Star auch die schärfste Strafe. Damit dürfte die Nationalmannschafts-Karriere des 31-Jährigen zu Ende sein. Evra wird für fünf Matches gesperrt, Ribéry für drei, Toulalan für eines und Eric Abidal kam ohne Bestrafung davon.

Sündenböcke

Doch ob nun Ruhe einkehrt? „Enfant terrible“ Anelka hatte erst kürzlich in einem Interview nochmals nachgetreten: Domenech solle sich schämen – und seine Worte vom „dreckigen Hurensohn“ hätten in der Umkleidekabine bleiben und nie an die Öffentlichkeit gelangen sollen. Die Sportzeitung L’Equipe hat er auf Ehrverletzung verklagt.

Wenn ihm auch die Opferrolle nicht steht, so hatte die Vorladung auch mehrere Kritiker. Die fünf Sportler seien doch nur Sündenböcke für das gesamte Team, sagt Philippe Piat, Präsident der Nationalunion der Profi-Fußballer: „Bestimmte Spieler stehen am öffentlichen Pranger und müssen für die anderen bezahlen.“ Doch der FFF wollte die sportliche und menschliche WM-Pleite aufarbeiten und nicht unbestraft lassen.

Der neue Nationaltrainer und große Hoffnungsträger Laurent Blanc hat sich für einen Neuanfang ausgesprochen, bei dem er nicht auf die Stars verzichten will. Lediglich beim Freundschaftsspiel gegen Norwegen schloss er alle 23 WM-Spieler aus. Die Begegnung endete mit 1:2 – den ersehnten Befreiungsschlag und neuen Elan brachte dies nicht.