Erklärte Hauptziele des Reformpaketes sind Qualität, Koordination und Kontrolle innerhalb des luxemburgischen Gesundheitssystems. Auch sollen die Finanzen der Krankenversicherung wiederherzustellen. Hier die wichtigsten Punkte der Reform.
Siehe:
Ärzte wollen streikenDurch die Wahl eines Referenzarztes, der permanenten Zugang zu den Gesundheitsdossiers hat, wird die Qualität der medizinischen Versorgung verbessert. Die Gesetzesvorlage sieht auch die Schaffung zusätzlicher medizinischer Häuser und Gemeinschaftspraxen vor, wo auch andere Gesundheitsberufler Platz haben, wie Physiotherapeuten, Ernährungsberater usw.
Kompentenz-Zentren
Was die längeren Krankenhausaufenthalte betrifft, muss die Koordination verbessert werden. Die Schaffung von Kompetenz-Zentren soll für mehr Klarheit sorgen. Kompetenzzentren sollen zur Krebsbehandlung, der Behandlung von Hirnschlag-Patienten und für Neurochirurgie geschaffen werden. Ärzte werden aufgrund ihrer Spezialisierungen eingeteilt. Die Anzahl der Mediziner der einzelnen Abteilungen wird im Spitalplan definiert.
Es wird weiterhin auf Präventionspolitik gesetzt. Die nationale Gesundheitskasse soll in diesem Zusammenhang eine wichtigere Rolle erhalten und sich aktiv an den Vorbeugungsprogrammen beteiligen.
Investitionspolitik auf hohem Niveau
Es wird weiter in den Bau und die Modernisierung der Krankenhäuser investiert. Es werden aber auch Anstrengungen unternommen, die Funktionsweise der Spitäler effizienter zu gestalten. Im Bereich der Krankenhausapotheken und -laboratorien, der Informatiksysteme und der Einkäufe bestehe Einsparungspotential. Zusammenarbeit und Abstimmung zwischen den Krankenhäusern sollen obligatorisch werden. Die Entscheidung für den Bau neuer Infrastrukturen, fällt aufgrund von Studien, die alle fünf Jahre durchgeführt werden. Bei der Krankenhausplanung wird viel Wert auf die grenzüberschreitende Zusammenarbeit gelegt. Das Hospiz von Omega 90 wird in den Spitalplan integriert.
Die interne Organisation der Krankenhäuser wird jedoch nicht abgeändert. Die ambulante Chirurgie wird aber massiv gefördert, um unter anderem die Krankenhausaufenthalte der Patienten zu verkürzen.
Arzt: Anpassung des Statutes
Was den Arztberuf anbelangt, so wird in der Gesetzesvorlage eine Anpassung des Statutes vorgeschlagen. Unter anderem soll klar definiert werden, welche Spezialisierung der Arzt hat. Der Allgemeinmediziner soll als eigenständige Spezialisierung angesehen werden. Die Konvention, die zwischen den Ärzten und der Gesundheitskasse ausgehandelt wird besteht weiter.
Bei den Ärztefehlern schlägt die Gesetzesvorlage vor auf die Vermittlung zu setzen, anstatt ein System „No fault“, wo der Patient den Beweis für den Ärztefehler erbringen muss, einzuführen.
Die Regierung schlägt auch vor, in jedem Krankenhaus einen Arzt zu ernennen, der eine Art Verbindungsperson zwischen der Ärzteschaft und der Klinikleitung ist. Der Ärzterat soll mehr Befugnisse erhalten und sich aktiv an der Verbesserung der Qualität der Pflege beteiligen.
„Bonnes pratiques medicales“
Die „bonnes pratiques medicales“ haben als Ziel, die Qualität der medizinischen Betreuung zu optimieren, aber auch die Kosten zu verringern.
Die Dokumentierung der medizinischen Handlungen ist sehr wichtig, da sie hilft, die Steuerung des Gesundheitssystems zu verbessern. Die Daten müssen jedoch exakt, zuverlässig und komplett sein. Der Gesetzesvorschlag sieht eine neue, zentrale Sammlung der Informationen vor. Eine besondere Herausforderung stelle in diesem Kontext der Datenschutz dar.
Patientendossiers
Die Einführung eines Patientendossiers, das über ein Netzwerk eingesehen und genutzt werden kann, soll die Transparenz erhöhen und die medizinische Pflege verbessern. Der Patient soll jedoch die Kontrolle über seine Daten behalten und das Recht haben, die Einsicht in sein Dossier zu verwehren.
Um ein solches System zu schaffen, braucht man ein effizientes informatisches Instrument. Das GIE (Groupement d’intérêt économique) „HealthNet“ soll das Statut einer Agentur erhalten und wird mit dem Aufbau und der Verwaltung eines solchen Plattform betraut. Die Gesundheitskasse wird die Finanzierung von „Healthnet“ übernehmen.
Finanzierung
Große Änderungen gibt es auch bei der Finanzierung der Gesundheitsdienstleistungen. Um das System mittel- und langfristig abzusichern, sind eine Serie finanzieller Maßnahmen vorgesehen. Unter anderem werden die Beiträge des Staates, der Arbeitgeber sowie der Arbeitnehmer um jeweils 0,2 Prozent erhöht. Jährlich sollen etwa 50 Millionen Euro durch die Beitragserhöhungen in die Kassen fließen. 50 weitere Millionen sollen eingespart werden: 25 durch Eingriffe bei den Tarifen der Dienstleister und 25 zu Lasten der Patienten durch Statutenänderungen der Anbieter und die Selbstbeteiligung der Versicherten.
Auch soll die Reserve wieder aufgefüllt werden. Sie soll im Jahr 2013 wieder zehn Prozent des Haushaltes der Gesundheitskasse ausmachen. Darum werden zum Beispiel die Preise der medizinischen Dienstleistungen während zwei Jahren eingefroren.
Neue Nomenklatura
Die medizinische Nomenklatura bleibt bestehen. Sie soll aber erneuert werden. Dabei wird sich am französischen System inspiriert. Ärzte dürfen nur die Handlungen ausführen, die ihrer Spezialisierung entspricht. Des Weiteren müssen geeignete Bedingungen existieren. Auch die Nomenklaturen der anderen Gesundheitsberufe soll angepasst werden.
Die Budgets der Krankenhäuser werden für zwei Jahre ausgearbeitet. Die Haushalte der Kliniken soll Teil eines globalen Budgets werden. Die Buchführung soll zum Teil in die Hände der Gesundheitskasse gelegt werden.
Die Ausgabe von Medikamenten soll, unter anderem durch ein informatisches System strenger überwacht werden. Es sind auch Änderungen geplant, was die Rechte und Pflichten der Apotheker betrifft. Der Einfluss der pharmazeutischen Industrie soll eingedämmt werden. Die Laboratorien der Krankenhäuser müssen ebenfalls reorganisiert werden. Ihr Statut sowie ihre Finanzierung bedürfen einer Reform. Ihre Tarife sollen gesenkt werden. Es geht darum unnötige Analysen zu verhindern.
rh
Zu Demaart
Sie müssen angemeldet sein um kommentieren zu können