Bei vermutlich zwei Explosionen in der Metro der weißrussischen Hauptstadt Minsk sind nach Medienberichten mindestens sieben Menschen getötet und mehr als 80 verletzt worden. Dutzende Opfer seien mit Verbrennungen und offenen Wunden auf Tragen von der Haltestelle Oktjabrskaja weggebracht worden. Das meldete die unabhängige Agentur Belapan am Montag. Die Hintergründe waren zunächst unklar. Der autoritäre Präsident Alexander Lukaschenko rief eine Krisensitzung ein. Er befahl, die Sicherheitsvorkehrungen zu verstärken.
Die Explosionen ereignete sich mitten im Berufsverkehr. Mehrere Krankenwagen und Löschfahrzeuge rasten zum Unglücksort im Stadtzentrum. Dort trafen auch Mitarbeiter des weißrussischen Geheimdienstes KGB ein. Die Ex-Sowjetrepublik galt bisher nicht als Ziel von Terroristen.
Keine Aufklärung
Bei einem Bombenanschlag am Tag der Unabhängigkeit im Juli 2008 waren in Minsk etwa 50 Menschen verletzt worden. Wenig später nahm der KGB vier Männer unter Terrorverdacht fest. Die Verdächtigen sollen Mitglieder der nationalistischen Untergrundorganisation Weiße Legion gewesen sein, die sich zur Gewalt im Kampf gegen staatliche Organe bekenne. Der Fall wurde allerdings nie aufgeklärt.
Die Ausgänge der Station Oktjabrskaja führen in Richtung auf Lukaschenkos Residenz sowie zu seinem Büro. Schwarzer Rauch stieg aus dem U-Bahn-Schacht auf. Amateurvideos zeigten panisch flüchtende Menschen. Verletzte kauerten blutüberströmt in der zentralen Umsteigestation oder auf dem Bürgersteig, wo sie Infusionen erhielten. Zwei weitere Haltestellen wurden gesperrt.
Ein Ablenkungsmanöver
Viele Weißrussen sprachen in ersten Reaktionen davon, dass die weißrussische Führung möglicherweise versuche, von den schweren innenpolitischen Problemen des Landes abzulenken. Weißrussland steht vor dem Staatsbankrott und wartet auf einen Milliardenkredit aus dem Nachbarland Russland.
Zu Demaart
Sie müssen angemeldet sein um kommentieren zu können