Taktik oder Tatsache? Der italienische Ministerpräsident behauptet, er wolle bei den nächsten Parlamentswahlen nicht mehr antreten.
Der italienische Ministerpräsident muss sich wegen seiner mutmaßlichen Sexaffäre mit der damals 17-jährigen Prostituierten Ruby und wegen Amtsmissbrauch vor Gericht verantworten. Die 25-jährige lombardische Regionalrätin Nicole Minetti, die im Auftrag Berlusconis Ruby nach der Haftentlassung in Gewahrsam nahm, ist wegen Förderung der Prostitution mitangeklagt. (Tageblatt-Archiv/Alessandro Garofalo)
Angela Sozio war einmal Teilnehmerin an der italienischen Version von "Big Brother". Das reichte Berlusconi offensichtlich, um die junge Rothaarige als Kandidatin seiner Partei "Volk der Freiheit" für die Europawahl auszusuchen. Ehefrau Veronica Lario schäumte und rastete aus: "Ein schamloses Luder im Dienste der Macht", nannte sie Sozio.
Auch die Schauspielerin Eleonora Gaggioli landete auf Berlusconis Liste für das Europa-Parlament. (AP/Claudio Peri)
Die ehemalige TV-Moderatorin Barbara Matera ist die einzige aus der Gruppe der jungen und schönen Frauen, die es nach dem heftigen Streit um die Qualifikation dieser Kandidatinnen tatsächlich auf die Liste der Partei "Volk der Freiheit" für die Europawahl geschafft hat. (AP/Sandro Pace)
Eine Bemerkung Berlusconis löste die bis dahin heftigste öffentliche Ehekrise aus. Damals hatte der "Cavaliere" über seine Ministerin für Gleichstellungsfragen behauptet: "Ich würde sie heiraten, wenn ich nicht schon verheiratet wäre." Ex-Miss Carfagna begann ihre Karriere als Showgirl im italienischen Fernsehen und Nackt-Modell für diverse Herren-Magazine. (AP/Gregorio Borgia)
Gutaussehende Damen förderte Berlusconi gerne - die schöne Stefania Prestigiacomo bekleidete einst das Amt der Gleichstellungsministerin. (AP/Richard Drew)
Die Ermittler verdächtigen Berlusconi, mit einer "erheblichen Zahl" junger Prostituierter verkehrt zu haben, darunter auch die junge Brasilianerin Iris Berardi. Diese soll minderjährig gewesen sein, als sie an Festen in einer Villa Berlusconis in Arcore teilnahm. (Youtube)
Das Callgirl Nadia Macri tauchte plötzlich in den Medien auf. Sie erzählte von Drogen für die angeheuerten Mädchen in Berlusconis sardischer Villa und von 5.000 Euro pro Nacht für sexuelle Leistungen. (20min/cen)
Berlusconi intervenierte persönlich, um eine damals 17-jährige Prostituierte aus dem Polizeigewahrsam zu befreien. Später plauderte "Ruby Rubacouri" Details über wilde Orgien in Berlusconis Villa in Arcore bei Mailand aus. Dabei sollen die Gäste in den Genuss von Bunga Bunga gekommen sein, einem angeblich erotischen Schauspiel, das Berlusconi bei seinem libyschen Freund Muammar Al-Gaddafi kennengelernt haben will. (AP)
Patricia D'Addario gehört zu den 30 Frauen, die in einem Protokoll der Staatsanwaltschaft als Teilnehmerinnen an bis zu 18 Berlusconi-Partys genannt werden. Bei den Treffen sollen einige Frauen den Gästen auch für Sex zur Verfügung gestanden haben. (20min/Olympia/sipa)
Ebenfalls auf der Liste der Schönen, die angeblich Berlusconi trafen: Barbara Guerra. Der Unternehmer Gianpaulo Tarantini behauptete, er habe Treffen von Berlusconi mit Callgirls arrangiert.
Auch die TV-Moderatorin Linda Santaguida tauchte in den brisanten Protokollen auf.
Barbara Montereale: Auch sie schaffte es auf die Liste. Früher war diese Dame auf Pin-up-Kalendern zu finden. (AP/Luca Turi)
Silvio Berlusconi soll in Neapel zur Geburtstagsfeier der 18 Jahre alten Noemi Letizia erschienen sein. Die junge Frau behauptet, teure Geschenke vom "Cavaliere" bekommen zu haben und nennt ihn liebevoll "Papi". (AP/Franco Castano)
Silvio Berlusconi will nach Ablauf der Legislaturperiode in zwei Jahren eigentlich nicht wieder als italienischer Regierungschef antreten. Das teilte der umstrittene Chef der Mitte-Rechts-Regierung den Italienern über ausländische Medien mit. An seiner Stelle solle dann der derzeitige Justizminister Angelino Alfano regieren, zitierten die italienischen Blätter am Donnerstag aus Blättern wie dem «Wall Street Journal». Dabei hat Berlusconi gerade im Parlament ein Gesetz durchgebracht, das ihn vor Verurteilungen in einem Teil seiner vier Prozesse schützen soll.
«Ich könnte der Spitzenkandidat der Partei (PdL – Volk der Freiheit) sein, will aber keine operative Rolle», sagte er und fügte einschränkend hinzu: «Das hängt auch von den Umfragen ab, wir werden das zu der gegebenen Zeit dann sehen.» Berlusconis Sprecher Paolo Bonaiuti beeilte sich zu sagen, das seien «Überlegungen», nichts sei entschieden. Nach Medienberichten wurde die Parteizentrale mit Faxen und Mails überschwemmt in dem Tenor: «Silvio, enttäusche uns nicht!».
Wunsch aufgegeben
Auch seinen oft vermuteten Wunsch, dann als Nachfolger von Giorgio Napolitano Staatspräsident zu werden, will der 74-jährige Medienzar und Milliardär aufgegeben haben. An Napolitanos Stelle kann sich Berlusconi gut seine rechte Hand Gianni Letta vorstellen. Berlusconi erzählte seine mögliche Sicht der Zukunft einer ausgesuchten Runde ausländischer Medienvertreter bei einem Abendessen. Vertreten waren auch die Pariser Zeitung «Le Monde» und der britische «Guardian».
Derweil hat ihm die rechte Mehrheit im Parlament in seinem «Krieg gegen die linken Richter» einen weiteren Sieg verschafft: Ein Gesetz, das auch ihn schützen würde, nahm am Mittwochabend die wichtigste Hürde. Die Regierungskoalition brachte den «Processo breve» (Kurzen Prozess) im Abgeodnetenhaus durch: 314 stimmten dafür, 296 dagegen.
Jetzt muss der Senat den verkürzten Verjährungsfristen zustimmen. Dann dürften vermutlich gleich mehrere Verfahren, in die Berlusconi verwickelt ist, praktisch vom Tisch sein, nicht jedoch der Prozess um die junge Marokkanerin «Ruby» und die angeblichen Sex-Partys bei ihm.
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