Den Kontrahenten steht die Erleichterung ins Gesicht geschrieben: Nach 15 Verhandlungsrunden mit stundenlanger Verzögerung am Ende treten GDL-Boss Claus Weselsky und DB-Personalvorstand Ulrich Weber lächelnd vor die Kameras. «Ich sehe das versöhnliche Ende einer turbulenten Tarifrunde», sagt Weber. Sein Gegenüber Weselsky nickt ihm unterstützend zu. Am Freitag zurrten die beiden Parteien ein neues Tarifpaket für die 20 000 Lokführer beim Branchenführer fest – nach neun Monaten zähem Ringen.
Doch das Ganze ist für die GDL nur ein Etappensieg. Zwar gibt es rückwirkend zum Januar 2,0 Prozent mehr Geld bei einer Laufzeit von 18 Monaten. Neben anderen Verbesserungen und einer Jobgarantie steht auch der Rahmentarif, den die Gewerkschaft GDL branchenweit auch bei der Konkurrenz erzielen will – bis dahin ist es aber noch weit.
«Riesiger Meilenstein»
Zwar verkauft Weselsky die Einigung mit der DB als «einen riesigen Meilenstein auf dem Weg zum einheitlichen Tarifniveau für alle Lokführer». Doch noch gilt der Rahmentarif nur bei der DB, er ist nicht mehr als ein Vorhaben, das ohne die Unterschrift der vielen DB-Wettbewerber mit deren rund 6000 Lokführern wirkungslos bleibt.
Die Herkulesaufgabe steht der Lokführergewerkschaft GDL daher noch bevor: Die zentralen Standards des Rahmentarifes mit dem Branchenführer – etwa Bezahlung, wichtige Zulagen und die wöchentliche Arbeitszeit – muss von der über die ganze Republik verteilten DB-Konkurrenz akzeptiert werden. Erst dann verdient das, was die GDL bundesweiten Flächentarif nennt, den Namen wirklich und gilt für alle 26 000 Lokführer in Deutschland.
Streiks bei der Konkurrenz
Das Gebot der Stunde gab Weselsky daher am Freitag schon einmal aus: neue Streiks. Das sei alternativlos, denn die DB-Konkurrenz wolle «den Wettbewerb weiterhin auf dem Rücken der Lokführer austragen». Kommende Woche werde der Arbeitskampf weiterlaufen, die Motivation sei hoch und die Streikkasse schließlich gut gefüllt.
Neben der DB mit ihren 20 000 Lokführern bieten vor allem die sogenannten Großen Sechs (G6) Arbeitsplätze im Führerstand der Züge. Die G6 sind: Abellio, Netinera (bisher: Arriva Deutschland), Benex, Keolis, Veolia und Hessische Landesbahn. Diese G6, zu denen wiederum Tochtergesellschaften zählen, hatten ihre Verhandlungsgemeinschaft Anfang März aufgelöst. Nun hat es die GDL mit etlichen Einzelfirmen zu tun. Nur mit Keolis (Eurobahn) glückte eine erste Annäherung, bei den übrigen fünf großen DB-Wettbewerbern ist die Lage festgefahren. Sie wurden von Donnerstag an auch wieder bestreikt, 48 Stunden lang.
Taktik muss geändert werden
Die vielen Gegner in dem Tarifstreit und die nun erfolgte Einigung mit der DB dürften Folgen für die Taktik der Gewerkschaft haben: Nach dem Tarifabschluss kann die GDL Strecken des staatseigenen Konzerns nicht mehr lahmlegen. Damit verliert sie ein entscheidendes Moment ihrer Macht: Künftige Streiks würden nicht mehr die große Mehrheit der Bahn-Reisenden treffen, sondern sich eher regional abspielen.
Und die im Vergleich zur DB recht kleinen Unternehmen zu treffen, ist nicht leicht. Die Anbieter bedienen oft wenige Regionalstrecken jenseits der großen Knotenbahnhöfe und haben auch kein verzweigtes Netz mit Anschlussverbindungen. Außerdem sind schon bei den fünf bisherigen Streikwellen seit Jahresanfang und auch bei dem aktuell seit Donnerstag laufenden Ausstand häufig Führungskräfte für die GDL-Mitglieder eingesprungen. Eine mögliche Reaktion darauf könnte eine erhebliche Verlängerung der Streiks sein – bis hin zum unbefristeten Arbeitskampf über Tage. Denn auch die aushelfenden Manager müssen Ruhezeiten einhalten und dürfen nicht durchgängig Lokführer ersetzen.
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