Luxemburgs Aushängeschilder in Sachen Radsport gehen morgen Sonntag an den Start des Amstel Gold Race. Das Traditionsrennen in den Niederlanden, das seit 1966 ausgetragen wird, ist der erste Klassiker der sogenannten „Ardennen-Woche“, die am Mittwoch mit der „Flèche“ fortgesetzt und am Sonntag in acht Tagen mit Liège-Bastogne-Liège abgeschlossen wird.
Wer vor zehn Jahren vorausgesagt hätte, Luxemburg würde einmal mit einem Favoriten bei einer „Classique“ starten, wäre für verrückt erklärt worden. In der Zwischenzeit haben aber sowohl Frank Schleck (Amstel 2006) als auch Kim Kirchen (Flèche 2008) und Andy Schleck (Liège 2009) ein solches Rennen gewonnen, und morgen steigen erneut zwei Luxemburger mit echten Gewinnchancen in den Sattel.
Die Gebrüder Schleck sind mittlerweile ein fester „Bestandteil“ der „Classiques des Ardennes“. Sie ziehen die Massen und die Medien an wie kaum ein anderes Bruderpaar in der internationalen Sportszene. So war es auch gestern Abend, als die Leopard-Mannschaft ins „Hôtel de la Source“ auf der „route du Circuit“ in 4970-Francorchamps bat (siehe S. 35). Das Hotel ist die Unterkunft des Luxemburger Teams während der Ardennen-Klassiker.
Drei LEO-Leader<\b>
„Ich bekomme immer wieder Gänsehaut, wenn ich an das unbeschreibliche Finale und das Glücksgefühl denke, als ich vor fünf Jahren die Ziellinie überquerte“, meint Frank Schleck. Der mittlerweile 31-Jährige, der gestern Geburtstag feierte, stieg zwei Jahre später hinter Damiano Cunego als Zweiter aufs Treppchen, doch in den Jahren 2007 (Platz 10), 2009 (Aufgabe) und 2010 (Platz 7) machte er Bekanntschaft mit dem Asphalt.
Insbesondere sein Sturz vor zwei Jahren ist den „suiveurs“ noch in bester Erinnerung. Im Pressesaal lief es einem kalt den Rücken herunter, als Schleck regungslos auf der Straße lag. Zum Glück aber war das „Stehaufmännchen“ eine Woche später zum Sieg von Andy bei Liège-Bastogne-Liège wieder fit.
Weil der eine der beiden Brüder in den Niederlanden (2006), der andere in Belgien (2009) gewann, peilt das Paar seit letztem Jahr das Gegenteil an. So erfährt jeder, der es wissen will, dass Andy nun eine Vorliebe für das Amstel, Frank dagegen für Liège-Bastogne-Liège hat. Ob die Theorie aber in die Praxis umzusetzen ist, werden wir frühestens am Sonntagabend wissen.
Traum<\b>
Der jüngere der radelnden Brüder hatte schon mal einen Traum, und das war ein Erfolg bei der „Doyenne“. Dieser Traum ging 2009 in Erfüllung. „Liège steht bereits in meinem Palmarès. Nun habe ich mir fest vorgenommen, auf dem Cauberg zu gewinnen“, sagt Andy Schleck.
Das Leopard-Trek-Team kann neben den Schlecks auf einen weiteren Mitfavoriten zählen. Fabian Cancellara ist nach seinen Podiumsplätzen bei Mailand-San Remo, der „Ronde“ und Paris-Roubaix ebenfalls für einen Sprung aufs Treppchen gut, obwohl er in allererster Linie wohl seine Luxemburger Freunde unterstützen will. Das darf der frühere Schleck-Helfer Laurent Didier diesmal nicht, da er bei der Konkurrenz im Saxo-Bank-Team an der Seite von Nick Nuyens steht. Didier, der in Aachen studierte, kennt die Strecke bestens, da er zum Trainieren oft ins Limburgische fuhr.
Gegen die Meute<\b>
Die Hauptkonkurrenten der Gebrüder Schleck kommen aus Belgien, Spanien, Italien und eben den Niederlanden. Schärfster Rivale dürfte wohl Vorjahressieger Philippe Gilbert (B) sein, der im Laufe der Woche die „Flèche Brabançonne“ gewann und damit seine gute Form bestätigte. Der Schlussanstieg zum Scheitel des Cauberg könnte ebenfalls für Flandern-Sieger Nick Nuyens (B), den Gewinner von 2008, Damiano Cunego (ITA), oder die Spanier Joaquin Rodriguez und Samuel Sanchez wie geschaffen sein.
Und die Niederländer? Karsten Kroon und Robert Gesink fuhren vor zwei Jahren hinter dem Russen Sergei Ivanov aufs Podium. Kroon, der frühere Teamgefährte der Schlecks, der jetzt die BMC-Farben vertritt, erlitt bei der Flandern-Rundfahrt einen Schlüsselbeinbruch, so dass die Oranje-Hoffnungen auf Rabobank-Leader Gesink ruhen. Dieser gewann in diesem Jahr schon die Oman-Rundfahrt, war 2. bei Tirreno-Adriatico und 3. in der Baskenland-Rundfahrt.
Ein Mitfavorit ist nicht am Start: Cadel Evans, der Flèche-Sieger von 2010, verletzte sich bei einem Sturz vor zwei Wochen am rechten Knie und zieht es vor, die Tour de France gemütlich vorzubereiten (siehe „T“ von gestern).
Zu Demaart
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