Sicherheitskräfte hätten das Feuer auf die Regierungsgegner eröffnet, sagte ein Arzt, der an der Protestaktion teilgenommen hatte. Viele der Toten und Verletzten hätten Schusswunden an Kopf und Oberkörper aufgewiesen.
Zuvor hatte sich nach zwei Monaten der Proteste gegen den langjährigen Präsidenten Ali Abdulla Saleh noch eine Einigung abgezeichnet: Teile der Opposition hatten einem Vermittlungsvorschlag des Golfkooperationsrates zugestimmt. Doch angesichts des brutalen Vorgehens der Sicherheitskräfte dürfte sich die Lage wieder zuspitzen.
Hunderttausend Demonstranten
Rund hunderttausend Demonstranten kamen am Mittwoch auf einem Platz in Sanaa zusammen, auf dem seit Beginn der Proteste die größten Kundgebungen des Landes stattfinden. Die Menge verteilte sich auf die umliegenden Straßen und demonstrierte auch vor dem Sitz des Staatsfernsehens. Augenzeugen berichteten, dass Sicherheitskräfte und Soldaten der Republikanischen Garde mit scharfer Munition und Tränengas gegen die Demonstranten vorgingen. Den Berichten zufolge waren auch Scharfschützen auf den Dächern
positioniert.
Am Dienstag hatten einige Regierungsgegner noch angekündigt, auf den Vermittlungsvorschlag des Golfkooperationsrates einzugehen, und eine baldige Unterzeichnung einer entsprechenden Vereinbarung mit Saleh in Aussicht gestellt. Dieser hatte dem Vorschlag, seine Macht innerhalb von 30 Tagen an seinen Vize abzugeben und im Gegenzug straffrei auszugehen, bereits zugestimmt.
Papier wird ausgearbeitet
Die Außenminister der sechs zum Kooperationsrat gehörenden Golfstaaten wollen am Sonntag in der saudischen Hauptstadt Riad zusammenkommen, um ein entsprechendes Papier auszuarbeiten.
Doch das Lager derer, die für eine Fortsetzung der Proteste eintreten, dürfte nun weiter erstarken. Die große Beteiligung an der Protestaktion am Mittwoch zeigt, dass die Mehrheit der Bevölkerung von Anfang an gegen die Einigung gewesen zu sein scheint: Landesweit legten Bürger mit einer Kampagne des zivilen Ungehorsams große Teile des öffentlichen Lebens lahm.
Wir haben geschlossen
Augenzeugen zufolge blieben Schulen, Behörden und Geschäfte nach einem Streikaufruf der Opposition in mindestens 18 Städten geschlossen. Nach dem Willen der Regierungsgegner soll die Kampagne bis zum Rücktritt Salehs zwei Mal wöchentlich stattfinden.
Auch in Tais, der zweitgrößten Stadt des Landes, gingen am Mittwoch erneut zehntausende Regierungsgegner auf die Straße, die gegen den vom Golfkooperationsrat ausgehandelten
Vermittlungsvorschlag protestierten.
Mit Panzern und schweren Waffen
In der Hafenstadt Aden gingen Soldaten der Republikanischen Garde nach Angaben eines Aktivisten mit Panzern und schweren Waffen gegen Demonstranten vor, die dem Ausbruch des jemenitischen Bürgerkrieges von 1994 gedachten. Dabei sei mindestens ein Demonstrant getötet worden. Dutzende weitere wurden den Angaben zufolge verletzt.
Nach Angaben eines Sprechers der Streitkräfte kamen vor der Stadt Sindschibar zwei Soldaten ums Leben; drei weitere wurden verletzt. Maskierte Männer griffen demnach einen Kontrollposten der Streitkräfte vor der Hauptstadt der Südprovinz Abjan an. Die Provinz gilt als Hochburg militanter Islamisten.
Seit Beginn der Proteste vor zwei Monaten sind schätzungsweise mehr als 130 Menschen von Sicherheitskräften und Anhängern Salehs getötet worden.
Zu Demaart
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