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Bin-Laden-Kurier gab wichtigen Tipp

Bin-Laden-Kurier gab wichtigen Tipp
(AP)

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Für Bin Laden kam das Ende wie ein Blitz aus heiterem Himmel, aber die Aktion war minutiös vorbereitet. Ein wahrer Thriller - und der Abschluss einer langen Jagd.

Jahrelang jagten ihn Spezialeinheiten, dann kam das Ende von Osama bin Laden in einer Blitzaktion, die gerade mal knapp 40 Minuten dauerte.

Logo" class="infobox_img" />In diesem bunkerartigen Gebäude hatte sich Bin Laden versteckt. (Bild: AP)

Hinweis in WikiLeaks-Dokument auf letzten Ort Bin Ladens
Die US-Streitkräfte im Gefangenenlager Guantanamo hatten offenbar schon länger einen Hinweis auf die pakistanische Ortschaft Abbottabad, in der am Sonntag Al-Kaida-Anführer Osama bin Laden getötet wurde. Die Enthüllungsplattform WikiLeaks wies am Montag auf ein von ihr veröffentlichtes Dokument vom 10. September 2008 hin, bei dem es sich um die Bewertung eines Guantanamo-Gefangenen handelt, dessen fortgesetzte Inhaftierung damals empfohlen wurde.
Der gebürtige Libyer namens Abu al-Libi habe demnach im Juli 2003 einen Brief von einem Beauftragten Bin Ladens erhalten, in dem der Gefangene gebeten worden sei, sich unter anderem um die Verteilung von Mitteln an Familien in Pakistan zu kümmern. Daraufhin habe der Gefangene den Wohnort seiner Familie nach Abbottabad verlegt, heißt es in dem Dokument. Al-Libi sei dann als Vertreter Bin Ladens zwischen Abbottabad und Peshawar unterwegs gewesen. (dpa)

US-Regierungsbeamte gaben in der Nacht zum Montag einen Einblick in die dramatische Operation, bei der eine Eliteeinheit den Al-Kaida-Chef mit einem Kopfschuss tötete. Was sie schildern, klingt wie ein Thriller – mit akribischer Schnüffelarbeit verschiedener US-Geheimdienste, wichtigen Tipps von Terrorgefangenen und Bin Laden-Vertrauten, die unwissentlich die Jäger auf die richtige Fährte brachten.

Zugriff in der Nacht

Am Sonntagnachmittag Washingtoner Zeit – kurz nach Mitternacht Ortszeit in Pakistan – war es dann so weit: Nach intensiver Vorbereitung auf die «komplexe und besonders gefährliche Operation» begann der Angriff des US-Elitekommandos Navy-Seals. Die Soldaten kamen mit zwei Hubschraubern. BinLaden setzte sich zur Wehr. Bei dem Feuergefecht wurden drei weitere Männer getötet. Darunter sind nach Vermutungen der US-Stellen Bin Ladens erwachsener Sohn und zwei Brüder, die als Kuriere gearbeitet hatten und eine wichtige Spur zu dem Terror-Chef waren.

Auch mehrere Kinder und Frauen hielten sich auf dem Anwesen auf, eine der Frauen wurde von einem der männlichen Al-Kaida-Kämpfer als menschliches Schutzschild benutzt und starb, zwei weitere Frauen erlitten Verletzungen. Keiner der Amerikaner kam zu Schaden, aber das Kommando verlor einen seiner Hubschrauber. Das Team flog nach der Operation gemeinsam mit einem Helikopter aus. Den zurück gebliebenen Hubschrauber zerstörten die US-Soldaten vorher.

Minizöse Vorbereitungen vorausgegangen

Die Operation des Elitekommandos war seit langem vorbereitet worden. Von dem Moment an, da Bin Laden als eine Bedrohung identifiziert worden sei, habe der Geheimdienst CIA systematisch Informationen über den inneren Zirkel um den Terroristenführer gesammelt, schilderten die Beamten, die anonym bleiben wollten, in Washington. Das dürfte also schon lange vor den Anschlägen vom 11. September 2001 gewesen sein. Gefangen genommene Terrorverdächtige in der Zeit danach hätten die CIA auf Personen hingewiesen, die möglicherweise Bin Laden und dessen Vize, Aiman al-Sawahiri, nach deren Flucht nach Afghanistan direkt unterstützt hätten.

Später erweckte ein Bin Laden-Kurier die besondere Aufmerksamkeit der Geheimdienstler. Gefangene identifizierten ihn als einen Schützling von Chalid Scheich Mohammed, dem mutmaßlichen Drahtzieher der Anschläge vom 11. September, und als einen von wenigen Al-Kaida-Kurieren, denen BinLaden traute. Sie deuteten auch an, dass dieser Mann mit BinLaden zusammenleben und als ein Bodyguard für ihn fungieren könnte. Und sogar einen Namen lieferten sie – aber es war leider nur ein Deckname.

Identität des Kurriers geklärt

So gelang es den Agenten erst vor vier Jahren, die Identität des Kuriers herauszufinden. Vor zwei Jahren machten sie nach diesen Informationen dann Gebiete in Pakistan aus, in denen der Kurier zusammen mit einem Bruder operierte. Aber wo die Beiden wohnten, blieb immer noch im Dunkeln – dank der intensiven Sicherheitsvorkehrungen des Gespanns, die die US-Geheimdienstler immer stärker davon überzeugten: «Wir sind auf der richtigen Spur.»

Der Durchbruch kam nach den US-Angaben im vergangenen August, als der Unterschlupf gefunden wurde. Es war ein Anwesen in einem Vorort von Abbottabad, etwa 60 Kilometer Luftlinie nördlich von Islamabad. «Wir waren geschockt von dem, was wir sahen – ein außergewöhnliches, einzigartiges Anwesen», schildert ein Regierungsbeamter die Situation.

Versteck eigens für Bin Laden gebaut

Es ging um einen Gebäudekomplex auf einem großen Grundstück, gerade mal sechs Jahre alt – vielleicht eigens für Bin Laden gebaut, mutmaßen die Geheimdienstler heute. Die Schutzvorkehrungen sind enorm, bis zu fünfeinhalb Meter hohe Mauern mit Stacheldraht umgeben das Anwesen. Zugang gibt es nur durch zwei bewachte Tore. Die Einwohner verbrennen ihre Abfälle – vermutlich weil sie keine Spuren hinterlassen wollen.

Das Hauptgebäude umfasst drei Stockwerke und hat nur wenige Fenster, das Anwesen ist nach Schätzungen eine Million Dollar (etwa 670 000 Euro) wert, sehr viel nach pakistanischen Maßstäben. Und es gibt keine Erklärung dafür, wie sich die Kurier-Brüder das leisten können. Den Geheimdienstlern ist nun endgültig klar: Es handelt sich um ein maßgeschneidertes Versteck für einen bedeutenden Menschen.

Puzzlestücke fügten sich zusammen

Und dann finden sie heraus, dass neben den Familien der Brüder dort noch eine dritte Familie wohnt, eine, die in der Größe und Zusammensetzung der von Bin Laden entspricht. «Unsere beste Einschätzung, auf der Basis von vielen Berichten aus verschiedenen Quellen, war, dass Bin Laden dort mit mehreren Familienmitgliedern lebte, darunter seine jüngste Frau.» Alles, so schildern die Beamten weiter, habe gepasst und mit dem übereingestimmt, wie man sich Bin Ladens Versteck vorgestellt habe. Und dann kam das grüne Licht für den Sondereinsatz der Navy-Seals.