Donnerstag22. Januar 2026

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Pakistan räumt Geheimdienstversagen ein

Pakistan räumt Geheimdienstversagen ein
(dpa)

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Pakistans Regierungschef Gilani hat Versäumnisse bei der Suche nach Al-Kaida-Chef bin Laden eingeräumt. Die Geheimdienste hätten es nicht vermocht, dessen Aufenthaltsort ausfindig zu machen, sagte er.

«Aber das ist nicht nur unser eigenes Versagen, sondern das Versagen aller Geheimdienste dieser Welt.» Gleichzeitig kündigte er eine Untersuchung der Vorgänge an, die von einem ranghohen General geleitet werden soll. Regierung und Militär wollten alles tun, um die Hintergründe der Anwesenheit Bin Ladens in Abbottabad zu beleuchten.

Spekulationen über eine mögliche Verwicklung des pakistanischen Geheimdienstes ISI oder anderer Stellen wies Gilani zurück. ISI und Armeeführung hätten das volle Vertrauen und die Unterstützung der Regierung, sagte der Premier. Zudem habe der Kampf gegen den Terrorismus «nationale Priorität».

Unter Druck

Es war der erste Auftritt des Premiers vor den Parlamentariern seit der US-Kommandoaktion am vergangenen Montag. US-Präsident Barack Obama hatte am Vortag erklärt, seine Regierung glaube, dass es «ein Unterstützernetzwerk Bin Laden in Pakistan» gegeben habe.

Auch innenpolitisch war die Regierung Gilani zuletzt massiv unter Druck geraten, nachdem ihr von der Opposition und aus den eigenen Reihen vorgeworfen worden war, die Souveränität des Landes nicht geschützt zu haben. Pakistan war erst nach Ende der Militäroperation gegen den Terroristenchef von den USA informiert worden.

Ohne Rücksprache

Vor dem Parlament kritisierte der Premier, dass die US-Aktion ohne Rücksprache mit den Pakistanern abgelaufen sei. Damit hätten die USA die staatliche Souveränität seines Landes verletzt. Gleichzeitig warnte er vor weiteren Alleingänge dieser Art. Sollten strategisch wichtige Einrichtungen (wie etwa die Atomanlagen) ins Visier geraten, habe Pakistan das Recht, «mit aller Macht zurückzuschlagen». «Niemand sollte die Entschlossenheit und die Fähigkeiten der Nation und der Streitkräfte unterschätzen, unsere Heimat zu verteidigen», so Gilani.

Er machte jedoch auch deutlich, dass die Beziehungen zu den Vereinigten Staaten trotz der zum Teil unterschiedlicher Ansichten in Detailfragen von großer Bedeutung für Pakistan seien. Daher müssten die Schuldzuweisungen beendet und die Kooperation der Geheimdienste im Kampf gegen den Terrorismus weiter gestärkt werden.

Keine Konsequenzen

Bereits vor der Rede des Regierungschefs hatte Innenminister Rehman Malik personelle Konsequenzen kategorisch ausgeschlossen. «Niemand wird zurücktreten, weder der Innenminister, noch der Premierminister, nicht der Geheimdienstchef und auch nicht der Präsident», sagte er der saudischen Zeitung «Okaz» (Montag).