In ihrem Kampf gegen Regimegegner haben syrische Armeeverbände am Donnerstag die Kleinstadt Kafr Schams umstellt. Wie Oppositionelle berichteten, wurden alle Zugänge zu der Ortschaft 60 Kilometer südlich von Damaskus abgeriegelt. Vermutlich begann eine weitere Welle von Massenverhaftungen. Die Armee hatte in den vergangenen zehn Tagenimmer wieder Städte abgesperrt, deren Bürger sich bei den Protesten gegen Präsident Baschar al-Assad hervorgetan hatten. Polizei und Geheimdienst verhafteten in der Folge hunderte mutmaßliche Kundgebungsteilnehmer und Oppositionsanhänger.
In der Großstadt Homs, wo es am Vortag Angriffe der Armee auf ein Wohnviertel gegeben hatte, sollte am Donnerstag ein Opfer der Attacke zu Grabe getragen werden. Der Trauerzug für den christlichen «Märtyrer» war neben einer Kirche im Bezirk Al-Hamidija geplant, hieß es. Insgesamt waren nach Angaben von Menschenrechtsgruppen am Mittwoch in Homs fünf, in der südlichen Stadt Daraa 13 Menschen getötet wordern. Die Sicherheitskräfte trieben am Mittwochabend auch eine Kundgebung von Studenten in Aleppo auseinander. Es war zum ersten Mal, dass sich Studenten in der zweitgrößten Stadt des Landes den Protesten gegen das Regime anschlossen.
683 getötete Zivilisten
Die im Exil operierende Organisation Syrischer Menschenrechtsbeobachter erklärte, seit Beginn der Demonstrationen Mitte März seien 683 Zivilisten getötet worden. Ein Sprecher sagte am Donnerstag: «Zählt man die getöteten Soldaten und Polizisten hinzu, kommt man auf eine Zahl von mehr als 800 Toten.»
Die syrische Botschaft in London hatte am Mittwochabend britische Medienberichte dementiert, wonach sich Asmaa al-Assad, die Ehefrau des bedrängten Präsidenten Assad, zusammen mit ihren Kindern nach Großbritannien abgesetzt haben soll. Der Botschafter, Sami Chijami, erklärte: «Frau Assad würde Syrien in dieser wichtigen Phase der nationalen Reform und Entwicklung unter keinen Umständen verlassen.»
«Barbarisches Vorgehen»
Die USA bezeicheten indes das gewalttätige Vorgehen der syrischen Führung als «barbarisch» und drängten diese dazu, den Willen des Volkes zu achten. «Wir glauben, ihr Fokus sollte darauf liegen, die legitimen Ansprüche des syrischen Volkes zu erfüllen und nicht darauf, wie viel Gewalt oder viel Tod nötig ist, um es zu unterwerfen», sagte Außenamtssprecher Mark Toner am Mittwoch (Ortszeit) in Washington.
China forderte Syrien auf, im Umgang mit den Oppositionsgruppen «Blutvergießen zu vermeiden». Differenzen sollten durch Dialog gelöst werden, sagte am Donnerstag die Sprecherin des Außenministeriums, Jiang Yu, vor der Presse in Peking.
Syrien verzichtet auf Sitz
Angesichts des internationalen Drucks verzichtet Syrien nun auf den Sitz im UN-Menschenrechtsrat, der dem arabischen Land aufgrund des regionalen Zuteilungsproporzes zugestanden hätte. Man werde nicht mehr in diesem Jahr antreten, wohl aber für den Zyklus 2014 bis 2016, sagte UN-Botschafter Baschar Dschafari am Mittwoch (Ortszeit) in New York. Jetzt übernimmt der Golfstaat Kuwait den arabischen Sitz.
Damaskus habe mit dem Schachzug ein peinliches Votum verhindern wollen, sagte Peggy Hicks von der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch. Syrien müsse aber mehr tun, nämlich seinen Kurs ändern und die Gewalt stoppen.
Zu Demaart
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