In der griechischen Hauptstadt Athen ist es erneut zu Gewalt gegen illegale Einwanderer gekommen. Ein aus Sri Lanka stammender Migrant wurde in der Nacht zum Donnerstag im Stadtteil Patissia von Unbekannten auf offener Straße niedergestochen. Die Polizei vermutet einen rassistischen Hintergrund.
Rund 24 Stunden zuvor waren in Athen hunderte aufgebrachte, fremdenfeindliche Einwohner mit der Polizei zusammengestoßen. Zuvor hatten sie Ausländer attackiert und Schaufenster von Migrantenläden im Stadtviertel Agios Panteleimon eingeschlagen. Auslöser war der Tod eines Mannes, der laut Presseberichten von drei Nordafrikanern bei einem Raubüberfall getötet worden war.
Bürgermeister Giorgos Kaminis warnte am Donnerstag, dass in Athen wegen der großen Zahl illegaler Einwanderer und einer unkontrollierten Kriminalität bürgerkriegsähnliche Verhältnisse heraufziehen könnten. «Es besteht die Gefahr, dass in kurzer Zeit Athen wie (die libanesische Hauptstadt) Beirut in den 70er Jahren aussieht», sagte der Bürgermeister im Fernsehen.
Bürger fühlen sich unsicher
Die Regierung unter Ministerpräsident Giorgos Papandreou scheint die Kontrolle zunehmend zu verlieren. Rund um das Stadttheater im Zentrum Athens können sich die Bürger nach Einbruch der Dunkelheit nicht mehr bewegen. Neben dem Archäologischen Museum hat sich ein großer Drogenmarkt auf offener Straße eingenistet. Mehrere Menschenrechtsorganisationen, darunter auch das Flüchtlingskommissariat der Vereinten Nationen (UNHCR) haben wiederholt vor zunehmender rassistisch motivierter Gewalt in Griechenland gewarnt.
Die griechischen Behörden haben in den vergangenen drei Jahren mehr als 500.000 illegale Zuwanderer aus Staaten des Nahen Ostens und Nordafrikas aufgegriffen. Mittlerweile leben in Griechenland schätzungsweise mehr als eine Million Migranten. Wegen der Wirtschaftskrise finden immer weniger von ihnen Arbeit. Viele müssen betteln, um zu leben. Immer wieder werden Passanten überfallen.
Zu Demaart
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