Ein Bagger und die große Baugrube bildeten einen schönen Hintergrund. Metro-Chef Eckhard Cordes war am Montag als Bauherr gefragt. An der Konzernzentrale in Düsseldorf stand die Grundsteinlegung für den dritten Metro-Betriebskindergarten an. Der vierfache Vater Cordes sprach darüber, wie wichtig Betreuungsangebote sind, um Familie, Beruf und Karriere heutzutage unter einen Hut zu bekommen. Und dass Deutschland gut ausgebildete Fachkräfte braucht. Den gelben Bauhelm aber setzte sich der Konzernlenker nicht auf. Dabei hätte das nicht nur zu der Grundsteinlegung gut gepasst.
Cordes machte den gesamten Konzern 2009 zu einer riesigen Baustelle. Mit einem tiefgreifenden Umbau soll bis Ende 2012 ein Ergebnispotenzial von 1,5 Milliarden Euro gehoben werden. «Shape» heißt das Spar- und Effizienzprogramm, das inzwischen weitgehend abgearbeitet ist. Weltweit fielen etwa 19.000 Stellen in unrentablen Märkten und in der Verwaltung weg, während in neuen Märkten und mit neuen Angeboten etwa ebenso viele neue Arbeitsplätze entstanden. Dank des strikten Sparprogramms stieg der Gewinn 2010 deutlich. Auch in den ersten drei Monaten 2011 zeigte das Sparprogramm Wirkung.
Weiterer Wachstum angepeilt
Die Zeit, den Bauhelm wegzulegen, ist aber noch nicht gekommen, meinen Aktionärsschützer. Als sich Cordes November 2007 spektakulär vom Aufsichtsratsvorsitz auf den Chefposten schwang, erwarteten viele Beobachter, dass sich Metro auf die Wachstumsmotoren konzentriert. Das sind die Metro-Großhandelsmärkte für Gewerbetreibende sowie die Elektronikketten Media Markt und Saturn. Zwar erklärte Cordes später, die Warenhaustochter Kaufhof gehöre nicht mehr zum Kerngeschäft. Ein Verkauf kam aber letztlich nicht zustande. Mit der Finanz- und Wirtschaftskrise hatten sich die Rahmenbedingungen verschlechtert.
Auch die Überlegungen zu einer Deutschen Warenhaus AG, also einem Zusammenschluss von Kaufhof mit einem Teil der Karstadt-Filialen, wurden keine Realität. Das Essener Warenhaus-Unternehmen kam als Ganzes aus dem Insolvenzverfahren heraus. Die Metro AG erwägt für Kaufhof nun einen Börsengang, wie das «Handelsblatt» vor einer Woche berichtete. Es gebe dazu lockere Gespräche mit Banken. Per Börsengang hatte sich Metro 2005/06 von der Baumarktkette Praktiker (in Luxemburg Bâtiself) etrennt. Zudem berichtete die «Lebensmittel Zeitung» vor Tagen, Metro habe einen neuen Versuch gestartet, einen Käufer für Real zu finden.
«Nichts Neues»
Am Rande der Grundsteinlegung für den Betriebskindergarten wollte der Konzernchef nicht näher auf diese Medienberichte eingehen. Es gibt «nichts neues», sagte er der dpa. Der Düsseldorfer Konzern hatte bereits in der vergangenen Woche erklärt, es gebe weder mit Blick auf Kaufhof noch auf Real konkrete Verhandlungen. Die Metro prüfe – wie von Cordes mehrfach dargelegt – Optionen. Auf Basis dieser Optionen würden mit potenziellen Interessenten «erläuternde Gespräche» geführt, die rein «abtastenden Charakter» hätten. Im Klartext heißt das: Die Metro schaut sich um, entschieden ist aber bisher nichts. Kaufhof und Real haben allein in Deutschland 63.000 Mitarbeiter.
«Aus Aktionärssicht wären sicherlich ein Börsengang von Kaufhof und ein Verkauf von Real positive Nachrichten», meint Jella Benner- Heinacher, Geschäftsführerin der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Dem 60-jährigen Cordes bleibt nach seinem bisherigen Arbeitsvertrag noch ein gutes Jahr Zeit, Randbereiche zu verkaufen. Ob er seinen Vertrag verlängern will und ob das gewünscht wird – darüber stehen zum Jahresende Gespräche und Entscheidungen an.
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