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Reise zurück in die Vergangenheit

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Das EM-Qualifikationsspiel gegen Bosnien-Herzegowina ist für einen Mann des FLF-Trosses eine Reise zurück in die Vergangenheit.

Vor 26 Jahren verließ Torwarttrainer Senad Arnautovic seine Heimat, um als Spieler und später Trainer durch die weite Welt zu tingeln und schlussendlich in Luxemburg zu landen.
Am Freitag schließt sich der Kreis.

Der heute 55-jährige Bosnier, der sich vor allem auf Englisch verständigt, begann seine Karriere im Alter von sechs Jahren. „Seit diesem Moment stehe ich jeden Tag auf dem Fußballplatz.“ Sein erster Verein hieß Zeljeznicar Sarajevo und ist einer der traditionsreichsten Vereine in der ehemaligen jugoslawischen Teilrepublik.

Zweiter Profivertrag

Nach einigen Jahren als Profi bei seinem Heimatverein zog es Arnautovic in die Türkei. Er unterschrieb bei Adana Demirspor seinen zweiten Profivertrag. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Torhüter 26 Spiele in den verschiedensten jugoslawischen Jugendnationalmannschaften absolviert. Von 1993 bis 1996 hütete der Bosnier das Tor des maltesischen Erstligisten Rabat Ajax und war gleichzeitig Torwarttrainer der maltesischen Nationalmannschaft.

Während der beiden EM-Qualifikationsspiele zwischen Malta und Luxemburg kreuzten sich auch erstmals die Wege von Paul Philipp (damals noch Nationaltrainer) und Senad Arnautovic. Doch zur Zusammenarbeit kam es erst später, denn Globetrotter Arnautovic zog es weiter nach New Jersey und nach Kanada, wo er heute noch eine Fußballakademie leitet.

Als Alan Simonsen 2002 das Amt des Nationaltrainers übernahm, wurde der Bosnier dann verpflichtet und bildete ein Team mit den beiden Co-Trainern Roland Schaack und Jeff Saibene. Nach der Entlassung von Simonsen und der Übernahme durch Guy Hellers verschwand der Torwarttrainer von der Bildfläche. „Hellers hatte sein eigenes Trainerteam, mit dem er zusammenarbeiten wollte. Ich bin Profi, habe das akzeptiert und den Nachwuchs trainiert“, so Arnautovic rückblickend. Heute ist er wieder Torwarttrainer der A-Nationalmannschaft. „Luc Holtz wollte mich unbedingt zurückhaben.“

Nützliche Informationen

Über den Gegner am Freitag hat sich Arnautovic schon vor einer Woche informiert, wenn auch unfreiwillig. „Ich war letztes Wochenende in Sarajevo, weil meine Mutter ins Krankenhaus eingeliefert wurde, mittlerweile geht es ihr zum Glück besser. Während des Aufenthalts habe ich mit Freunden bereits über das Spiel diskutiert und jeden Tag nützliche Informationen an Luc Holtz weitergeleitet.“

Gute Erinnerungen an seinen letzten sportlichen Aufenthalt in Sarajevo hat er jedenfalls. Vor zwei Jahren siegte die U21-Nationalmannschaft mit 1:0 gegen Bosnien-Herzegowina und Arnautovic saß auf der Bank. „Eine sehr witzige Situation, denn meine Freunde und Nachbarn saßen direkt hinter mir im Stadion.“

Heißblütig

Das war in Sarajevo. Morgen spielt Luxemburg jedoch in Zenica vor 19.000 heißblütigen Fans. Arnautovic sieht dies nicht als Nachteil. „Der bosnische Verband hat Angst, dass es zu Ausschreitungen kommen könnte, wenn die Mannschaft nicht sofort in Führung geht. Der Druck auf die Spieler ist in diesem Stadion enorm. Das birgt die Gefahr, dass das Kollektiv auseinanderbricht und einige Spieler durch Einzelaktionen versuchen, das Spiel zu entscheiden. Das ist unsere Chance, denn wir sind disziplinierter und sind vor allem nicht mehr dieselbe Mannschaft wie noch vor ein paar Jahren.“

Einen Nachteil sieht er auch nicht darin, dass mit Hasagic der etatmäßige Keeper der Mannschaft vom Balkan ausfällt. „Begovic ist mindestens genauso gut. Er ist dieses Jahr zum Stammspieler bei Stoke City gereift, das will schon etwas heißen. Außerdem ist die jugoslawische Torhüterausbildung eine der besten Europas.“

Eine Menge Respekt

Im Gespräch wiederholt Arnautovic immer wieder, dass die Bosnier eine Menge Respekt vor den Luxemburgern haben. „Natürlich haben sie gute Chancen, gegen uns zu gewinnen, aber Bosnien-Herzegowina weiß auch, dass es aufpassen muss.“

Wenn am Freitagabend die Nationalhymnen im Bilino-Polje-Stadion in Zenica, erklingen, erlebt Senad Arnautovic voraussichtlich einen emotionalen Moment.

Aber: „Ich habe meine Heimat vor 26 Jahren verlassen, war in vielen Nationen beschäftigt und bin außerdem ein Profi. Nur ich alleine weiß, was ich fühle, behalte es aber für mich …“