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Europäischer geht’s nicht!

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Der Stuhl des Schauspielers Hans-Werner Meyer ist noch leer, verschlafen stürmt er hinein, zur Pressekonferenz. Sein Wecker habe nicht funktioniert. Und auch Sandrine Bonnaire kommt etwas verspätet. Der Zug …

Doch dann sitzen sie alle da, zehn an der Zahl, die Regisseurin, die Schauspieler, die Produzenten; Franzosen, Deutsche, Belgier und Luxemburger, um ihren gemeinsamen Film der Presse zu präsentieren. „Upgrade“ sei ein wirklich europäischer Film, verdeutlicht Nicolas Steil, Produzent von Iris Productions gleich zu Anfang. Und diese Feststellung wurde während der Pressekonferenz mehr als einmal bekräftigt.

Die Geschichte: Frank, brillanter Banker, und Patricia, vielversprechende Schriftstellerin, lernen sich am Flughafen von Düsseldorf kennen. Beide müssen schnellstmöglichst nach Paris reisen. Er, um Geschäfte mit der Metzgerei Albert unter Dach und Fach zu bringen, die seiner Bank Millionen einspielen sollen, sie, weil ihr Geliebter, der Architekt Jean-Jacques Dupret, nach einem schweren Autounfall auf der Intensivstation eines Pariser Krankenhauses liegt. In Paris angekommen, überschlagen sich die Ereignisse. Patricia trifft am Krankenbett auf die Ehefrau des im Koma liegenden Jean-Jacques. Die beiden, von der Existenz der anderen überraschten Frauen nähern sich Schritt für Schritt an, lernen, über ihre Schatten zu springen und die andere zu akzeptieren, so weit, dass sie gemeinsam entscheiden, die Geräte des bereits hirntoten Jean-Jacques abzustellen.

Frank seinerseits hat erfolgreich den Kauf der Metzgerei besiegelt und sich dabei mit dem lebensfrohen, hedonistischen und humorvollen Albert Albert, Chef des Unternehmens, angefreundet. Doch zurück in Deutschland hat sich nicht nur seine Tochter das Bein gebrochen, sondern auch seine Frau macht Ärger: Sie vermutet eine Affäre ihres Mannes, fängt ihrerseits ein Techtelmechtel mit dem ihre Tochter behandelnden Arzt an und reicht die Scheidung ein.

Die Zerstörung ist der Bruder der Hoffnung

Die Konfrontation mit dem Verlust zieht sich wie ein roter Faden durch den Film. Dennoch sei der Film optimistisch, sagt Regisseurin Franziska Buch: „Die Zerstörung ist der Bruder der Hoffnung.“ Nicht umsonst heißt der Film „Upgrade“: Neubeginn. Wege überschneiden sich und gehen auseinander, Schicksale verschiedener Menschen überkreuzen sich, Rückschläge, wie der Verlust, der im Tod eines geliebten Menschen am grausamsten zu erfahren ist, kennen alle Menschen. Solche Erfahrungen verbinden und lassen kulturelle Unterschiede im Hintergrund verschwinden.

Deutsch-französische Herausforderungen

Das meint zumindest Regisseurin Franziska Buch, die die größte Herausforderung ihrer Regiearbeit darin sieht, gerade mit den kulturellen Unterschieden zu spielen, um zu zeigen, dass menschliche Gefühle universell sind. Doch natürlich gibt es während des Drehs immer wieder deutsch-französische Schwierigkeiten – die Beteiligten reden allerdings lieber von Herausforderungen. Schon alleine das auf deutsch verfasste Drehbuch musste an die Zweisprachigkeit angepasst werden.

Und wie es nun mal mit literarischen Texten so ist, funktioniert eine Übersetzung von Wort zu Wort nicht. Ganze Dialogpassagen wurden umgeschrieben, damit „die Musik des Films“, wie Franziska Buch erklärte, beibehalten werde – auch wenn Sinn und Satzstrukturen manchmal dafür geopfert werden mussten. Schade ist nun, dass sich die deutsche Filmtradition leider noch nicht an europäische Herausforderungen angepasst hat und der Film, zumindest in Deutschland, wieder zurück synchronisiert wird. Doch in Luxemburg sowieso und vermutlich auch in Frankreich soll im nächsten Jahr der Film in seiner zweisprachigen Version in die Kinos kommen.

„Es kommt auf das Feeling an“

Und die Verständigung zwischen den Schauspielern? Das funktionierte wunderbar. „Es kommt auf das Feeling an“, sagt Jessica Schwartz und lächelt ihrer Kollegin Sandrine Bonnaire komplizenhaft zu.

Auf die Frage, ob es denn nicht auch gefährlich sei, bei einem deutsch-französischen Film in Klischees zu verfallen, waren sich alle einig: Klischees existieren, natürlich. Doch mit Klischees kann man spielen und hinter jedem Klischee stecke schließlich auch ein Funken Wahrheit. Zum Abschluss gab Franziska Buch hierfür ein anschauliches Beispiel: Bei den verschiedenen Drehorten – Deutschland, Frankreich und Luxemburg – wurde vor allem eins deutlich: Für das leibliche Wohl sorgten die frankofonen Länder deutlich aufmerksamer und liebevoller als ihre deutschen Nachbarn: Dort gab es Sandwichs. Aber auch die waren okay.