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Der Teufel räumt auf

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LUXEMBURG - Bulgakows Roman „Meister und Margarita“ ist ein irrsinniger Rausch: Die Ereignisse überschlagen sich, eines surrealer als das andere, Köpfe werden abgehackt und wieder aufgesetzt, Tode werden prophezeit und treten ein.

Nichts und niemand scheint mehr Gewissheit zu haben, die vermeintliche Wirklichkeit ist unwirklicher denn je. Der Teufel geht um. Der im stalinistischen Moskau der Dreißigerjahre spielende Roman passt bestens in unsere Zeit.

The Master & Margarita
von Michail Bulgakow

• In einer Inszenierung von Simon McBurney mit seiner Kompanie „Complicite“

• Vorstellungen am 15. und 16. Dezember um 20 Uhr im Grand Théâtre
1, rond-point Schuman
L-2525 Luxemburg

• In englischer Sprache mit französischen Untertiteln

• Informationen & Tickets:
Tel.: (+352) 47 08 05-1
www.theatres.lu

Der britische Künstler Simon McBurney ist zurzeit Gast im Grand Théâtre. Er probt, er versucht, „Meister und Margarita“ auf die Bühne zu bringen. Das haben schon viele vor ihm versucht, die meisten sind kläglich gescheitert.

Doch vielleicht gelingt Simon McBurney ja etwas richtig Großes. Denn der Ausnahmekünstler besitzt die wohl wichtigste Eigenschaft, um einem solchen Mammut-Roman gerecht werden zu können: Er sucht nicht nach Lösungen für ein Problem – er versucht nicht, die Themen zu bündeln, eine Grundaussage herauszuschälen, die verschiedenen Erzählebenen auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen – sondern lässt sich auf das Geheimnis ein. „Ce travail est un mystère qui doit être vécu au lieu d’un problème qui doit être résolu“, sagte er beinahe poetisch beim Pressegespräch vergangene Woche, während er ein kleines weißes Papier zusammenrollte, es wieder glatt strich, um es dann erneut zusammenzurollen.

Auf der Suche nach dem Kern des Romans

„Wann sind wir bei Bewusstsein, wann handeln wir unbewusst?“, fragte er. Nichts hätte seine Frage besser illustrieren können als das kleine, erneut malträtierte Papier zwischen seinen Fingern. Auf der Suche nach dem Kern des Romans beansprucht Simon McBurney keine Deutungshoheit, sondern geht philosophischen Fragen nach dem menschlichen Bewusstsein und vor allem dem freien Willen nach. „Ich denke, ich bin freiwillig hier, aber vielleicht bin ich es gar nicht“, überlegt er laut, um dann den Bogen zu Bulgakows Roman zu schlagen: Der als Ausländer Voland getarnte Teufel in Bulgakows Roman räumt mit der Borniertheit eines erstarrten Systems auf, indem er für unüberschaubares Chaos sorgt. Als eine Parodie auf Goethes Faust ist der Teufel bei Bulgakow im Gegensatz zu Mephisto kein Abgesandter jener Kraft von oben, sondern gehorcht nur sich selbst. Das gibt ihm eine wunderbare Leichtigkeit und Freiheit. Sein Ziel ist es, ununterbrochen vermeintliche Wahrheiten in Frage zu stellen und die Menschen in ihren Gewissheiten zu erschüttern.

Gleichzeitig ist „Meister und Margarita“ aber auch eine Geschichte über einen Menschen, der eine Geschichte geschrieben hat. Und zwar nicht irgendeine, sondern jene über Pontius Pilatus. Ein weiterer wichtiger Punkt für Simon McBurney, denn um die Art des menschlichen Denkens zu verstehen, komme man an der Bibel und dem Christentum nicht vorbei, selbst in einer völlig atheistischen und materialistischen Gesellschaft seien die Dörfer nun mal um die Kirche gebaut.

Akt des politischen Widerstandes

Auf die Frage, was denn nun das Besondere an seiner Inszenierung sei, oder was den Zuschauer am Donnerstag und Freitag erwarte, mag Simon McBurney nicht so recht antworten. Und das aus gutem Grund. „Ein Theaterstück ist für mich nie zu Ende gemacht“, sagt er. „Ich weiß nicht, was am Donnerstag passiert.“ Dann schaut er Frank Feitler komplizenhaft an, denn dank ihm hat er, wie er betont, ein Theater gefunden, das mit ihm das Risiko eingeht, dass die Aufführung auch schiefgehen könnte. Ein Theater, für das das kreative Schaffen an sich mehr Wert hat als das fertige Produkt.

Und in einer Zeit, in der das Endprodukt und sein Wert auf dem Markt das Einzige seien, was zähle, sieht Simon McBurney in dieser Zusammenarbeit einen Akt des politischen Widerstandes, was nun wiederum wunderbar zum Kern des Romans passt.