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Ex-Diktator weist alle Vorwürfe von sich

Ex-Diktator weist alle Vorwürfe von sich

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Seine Schuld an Kriegsverbrechen ist schon bestätigt. Doch der liberianische Ex-Diktator Charles Taylor sieht sich als Opfer der Justiz. Bei seinem letzten Auftritt vor dem Urteil des Sondergerichts für Sierra Leone zeigt Taylor keine Reue.

Vor dem Kriegsverbrecher-Tribunal für Sierra Leone hat der Hauptangeklagte, Ex-Diktator Charles Taylor, alle Vorwürfe zurückgewiesen. In einer letzten wortgewaltigen Stellungnahme vor der Festlegung des Strafmaßes stellte sich der 64-jährige frühere Präsident Liberias am Mittwoch als Opfer einer von den USA angeführten politischen Intrige des Westens dar. «Mein Handeln war wahrhaft und geschah mit nur Einem im Sinn: In der Hoffnung, Frieden nach Sierra Leone zu bringen», sagte Taylor.

Er habe keine der ihm zur Last gelegten Kriegsverbrechen begangen, sondern vielmehr versucht, während des Bürgerkriegs in seinem Nachbarland Sierra Leone Frieden zu stiften. Taylor warf der internationalen Justiz vor, Konflikte in Afrika aus einer rein westlichen Perspektive zu beurteilen und zudem mit zweierlei Maß zu messen. So sei der frühere US-Präsident George W. Bush für Folter und den Tod vieler Zivilisten während des Irak-Krieges verantwortlich, ohne dass ihn jemand dafür vor Gericht stelle. «Wenn Sie eine kleine, schwache Nation sind, dann kann Sie die volle Wucht internationaler Gesetze treffen», sagte sein Verteidiger.

Taylor verneint

Die weitreichende Mitwisserschaft an den Verbrechen im Nachbarland Sierra Leone, deren er Ende April schuldig gesprochen war, verneinte Taylor in seiner letzten Stellungnahme vor dem Urteil. «Es ist unglücklich und verstörend, wenn irgendjemand glaubt, dass ich überall sein musste oder alles wissen oder erzählt bekommen musste oder dass ich im Blick haben musste, was jeder schurkige kleine Ex-Kämpfer oder schäbige Zuarbeiter an irgendwelchen Kontrollposten oder Grenzübergängen tat.»

Der Ex-Diktator gab sich vor Gericht distinguiert und äußerst höflich. Nachdem er einem Mitglied des Gerichts zu einer neuen Stelle gratuliert hatte, fügte er hinzu: «Und an alle anderen Richter, die zu größeren und besseren Angelegenheiten voranschreiten: Bitte akzeptieren Sie im Voraus meine Glückwünsche.» Daran, dass er seine Richter für Instrumente amerikanischer Interessen hielt, ließ Taylor indes keinerlei Zweifel.

Die zwei Gesichter des Diktators

Ein Doppelgesicht habe der «reife, hochgebildete» Rebellenführer und Politiker der Welt stets gezeigt, hatte Staatsanwältin Brenda Hollis zuvor argumentiert. Während er als Präsident Liberias an Friedensverhandlungen teilnahm, stützte er zugleich weiter mit ihm verbündete Milizen. «Herrn Taylors angeblicher Beitrag zum Friedensprozess ist haltlos», sagte Hollis.

Die Staatsanwältin forderte erneut eine strenge Bestrafung Taylors. Sie hatte insgesamt 80 Jahre Haft verlangt, nachdem der Sondergerichtshof für Sierra Leone Taylor am 26. April in allen elf Anklagepunkten der Mitverantwortung an schweren Verbrechen für schuldig befunden hatte – darunter zahlreiche Morde, Folterungen und Vergewaltigungen. Taylor hatte als Milizenführer und später als Präsident des westafrikanischen Landes Liberia Rebellen im Nachbarland Sierra Leone mit Waffen beliefert. Dafür ließ er sich mit Diamanten bezahlen.

Der Bürgerkrieg in Sierra Leone dauerte über ein Jahrzehnt. Taylor muss sich für seine Rolle in der Zeit von November 1996 bis Januar 2002 verantworten. Das Strafmaß soll am 30. Mai verkündet werden.