Ein gelassener Boxer stellte sich dort während einer halben Stunde den Fragen der Journalisten.
Der offizielle Medizincheck hierzulande war nötig, damit Chisoras Luxemburger Lizenz gültig ist. Das mulmige Gefühl galt da schon eher der Pressekonferenz, da Chisora und dessen „auserwählter“ WM-Gegner David Haye damals an solch einer aneinandergeraten sind.
Im schicken schwarzen Hemd und Anzug erschien Chisora kurz nach 20.00 Uhr und griff sofort zum einheimischen Mineralwasser. An seiner rechten Seite Manager Frank Warren, der bei sämtlichen Fragen zur Logistik und Lizenzproblematik selbst das Wort ergriff. Eine seiner ersten Aussagen ging dann auch sofort in diese Richtung: „’He was not banned from boxing.‘ Es gab eine Menge Nationen, die ihm eine Lizenz vorgeschlagen haben. Wir haben uns für Luxemburg entschieden.“ Neben der FLB sollen noch die russischen, irischen, kroatischen und österreichischen Verbände den Engländer angeworben haben.
Trainingseinheit in Rümelingen
Chisora selbst hatte am Nachmittag mit dem Nachwuchs des Rümelinger Boxclubs eine Trainingseinheit absolviert und präsentierte sich nach seiner medizinischen Untersuchung dann auch dementsprechend gelassen. „Der Arzt meinte, er hätte es selten mit solch durchtrainierten Athleten beim Medizincheck zu tun“, so die Meinung aus Chisoras Staff.
Dass dieser Kampf im Londoner Westham-Stadion am 14. Juli nicht unbedingt nach dem Geschmack eines jeden Boxfans sein mag, ist sich der Engländer bewusst: „Ganz ehrlich, mir ist egal, was die andern sagen.“ Zum Übertragungs-Boykott des deutschen Fernsehsenders ARD hatte Manager Warren nur ein müdes Lächeln übrig und titelte deren Entscheidung als „hypocrite“. Es folgte erneut die Bestätigung, die richtige Wahl getroffen zu haben: „Wir haben ein gutes Gefühl, uns für Luxemburg entschieden zu haben. ‚It feels correct.‘ Wir sind eine große Familie.“ Über seine neue „zweite Heimat“ wusste der Titelanwärter dann aber nur wenig zu berichten.
Erst als man ihn über die Funktion des „Roten Löwen“ aufgeklärt hatte, schien er plötzlich dann doch interessierter – und versprach in London wie einer zu kämpfen.
(Christelle Diederich/Tageblatt.lu)
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