Freitag2. Januar 2026

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«Das schlimmstmögliche Szenario»

«Das schlimmstmögliche Szenario»
(AFP)

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In Ägypten kommt es im Kampf um das Präsidentenamt zu einer Stichwahl zwischen dem Mubarak-Vertrauten Schafik und Muslimbruder Mursi. Die Ägypter sind besorgt, dass ein Jahrzehnte alter Machtkampf wieder aufflammt.

Das Duell um das Amt des ägyptischen Präsidenten ist mit der Stichwahl zwischen dem Muslimbruder Mohammed Morsi und dem früheren Ministerpräsidenten Ahmed Schafik zu einer Wiederauflage eines Jahrzehnte alten Machtkampfs geworden. Nun fürchten viele Ägypter, dass in der Auseinandersetzung zwischen Islamisten und Anhängern des alten Regimes die in der Revolution erkämpften demokratischen Erfolge zerrieben werden. Die amtliche ägyptische Nachrichtenagentur MENA meldete am Freitagabend, Morsi habe in der ersten Runde der Wahl am Mittwoch und Donnerstag 25,3 Prozent der Stimmen erhalten, Schafik 24,9. Beide trennten demnach weniger als 100.000 Stimmen.

«Das schlimmstmögliche Szenario», nannte Ahmed Chairi, Sprecher der säkularen und liberalen Freien Ägyptischen Partei, den Wahlausgang. In der Zeitung «Al-Ahram» bezeichnete er Morsi als einen «islamischen Faschisten» und Schafik als einen «militärischen Faschisten». Er wisse nicht, wem er bei der Stichwahl am 16. und 17. Juni die Daumen drücken solle. Vielen Ägyptern geht es ebenso.

Angst vor religiösem Staat

Mehr als 40 Prozent der Stimmen gingen an Kandidaten, die als stärker im Einklang mit dem Geist der Revolution gelten, als die beiden Stichwahlkandidaten. Mit 21,5 Prozent der Stimmen wurde der linke Kandidat Hamdeen Sabahi überraschend knapp Dritter. «Diese Ergebnisse zeigen, dass die Menschen, die sich vor einem religiösen Staat fürchten und keine Rückkehr des Mubarak-Regimes wollen, nach einer dritten Alternative suchten», sagte Sabahis Wahlkampfsprecher Hossam Munis.

Die Muslimbruderschaft, die bereits das Parlament dominiert, hofft mit dem Gewinn des Präsidentenamts endlich ihre Wahlerfolge auch in politische Macht ummünzen zu können. In einem Versuch, die übrigen Kräfte der Revolution auf ihre Seite zu ziehen, lud sie die Kandidaten der übrigen revolutionären Gruppen zu einem Treffen am Samstag ein. Vor dem erwarteten heissen Wahlkampf solle beraten werden, wie «die Nation und die Revolution» gerettet werden können. Allerdings verprellte die Muslimbruderschaft in den vergangenen sechs Monaten mit ihrem Machtstreben und ihren Machtspielen viele ihrer möglichen Verbündeten.

«Es geht um die Zukunft»

«Ägypten durchläuft eine wahrhaft historische Transformation», sagte Essam el Erian, ein einflussreiches Mitglied der Bruderschaft. «Wir hoffen die Stichwahl entspricht mehr dem Geist der Revolution des 25. Januar», sagte er.

Auf der anderen Seite klingt das ähnlich. «Wir wissen, dass die Muslimbruderschaft der Jugend die Revolution gestohlen hat», sagte Ahmed Sarhan, ein Sprecher von Schafik. «In unserem Programm geht es um die Zukunft. Der Muslimbruderschaft geht es um ein islamisches Imperium.» Das sei es nicht, was die Jugendlichen während der Revolution gefordert hätten.