Montag12. Januar 2026

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«Schenkt den Deutschen Feriengutscheine»

«Schenkt den Deutschen Feriengutscheine»
(dpa)

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Spricht Starökonom Nouriel Roubini über die Krise, macht sogar Wirtschaft Spass: Erst malt er tiefschwarz, dann staucht er die Deutschen zusammen – und am Schluss hat er einen erstaunlichen Vorschlag.

Können Sie das Wort Eurokrise auch nicht mehr hören? Dann geht es Ihnen wie Nouriel Roubini. «Seit mehr als drei Jahren weisen wir darauf hin, dass Kontinentaleuropa die elenden Bilanzen seiner Banken bereinigen muss. So gut wie nichts wurde unternommen», schreibt der scheinbar entnervte New Yorker Starökonom im deutschen Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» (Printausgabe).

Um nicht in die gleiche Falle zu tappen wie vor fast hundert Jahren, sollten die Banken in der Eurozone rekapitalisiert werden, und zwar über Vorzugsaktien aus dem Euro-Rettungsschirm direkt. Der bisherige Weg über nationale Anleihen funktioniere nicht.

Als Zweites muss nach Ansicht der Autoren das Wirtschaftswachstum in der Euro-Zone in Schwung gebracht werden – von Sparprogrammen wie bisher raten sie dringend ab. Konkret heisst das: «Die Europäische Zentralbank muss dazu ihre Geldmarktpolitik lockern, der Euro schwächer werden, steuerliche Anreize in den Kernländern müssen gesetzt werden, Infrastrukturprogramme gestartet und in den Kernländern die Löhne deutlich erhöht werden, um den Konsum anzukurbeln.»

Den Griechen nicht den Stecker ziehen

Am Dienstag doppelte Roubini dann in einem Interview mit der «Bild»-Zeitung nach: «Als Exportnation braucht Deutschland den Euro und die europäischen Länder als Handelspartner.» Er warnt davor, Griechenland nach der Wahl vom Sonntag von den EU-Finanzhilfen auszuschliessen: «Wer den Griechen den Stecker zieht, provoziert den totalen Zusammenbruch der Euro-Zone.»

Im deutschen Massenblatt macht der Starökonom einen ungewöhnlichen Vorschlag: Um den «Sparwahnsinn» zu beenden, solle die deutsche Regierung «jedem deutschen Haushalt einen 1000-Euro-Reisegutschein schenken». Dieser dürfte nur für Urlaub in den Krisenländern ausgegeben werden. Damit wird die dortige Wirtschaft angekurbelt. «Ausserdem sollte jeder einen Steuerbonus bekommen, der sich in den Südländern eine Ferienimmobilie kauft», schlägt Querdenker Roubini vor.

Gleiche Regeln für alle

Auch die Fiskalunion der Euroländer ist für Roubini unumgänglich: «Am Ende muss ein Europa stehen, das nicht nur die selbe Währung hat, sondern auch eine gemeinsame Finanz- und Steuerpolitik. Zudem braucht Europa ein einheitliches Banksystem mit einer zentralen Überwachungsbehörde.» Das würde bedeuten: Für alle Länder müssen gleiche Regeln gelten bei der Kreditvergabe und der Absicherung von Sparguthaben.

Das sind viele Aufgaben, die Professor Roubini den Euroländern und den Deutschen aufgetragen hat. Vielleicht sollte man ihm, der bereits den Einbruch des US-Immobilienmarktes im Vorfeld der weltweiten Finanzkrise 2007 präzise vorausgesagt hatte, Glauben schenken und einzelne Vorschläge befolgen. Für diesen Fall prophezeit Dr. Doom nämlich Folgendes: «Wenn all das umgesetzt ist, könnte Angela Merkel Präsidentin des neuen Europas werden.»