Selbstverständlich ist die Antwort schnell gefunden: Natürlich! Natürlich braucht Luxemburg das TNL. Das ist klar. Schwieriger wird es bei der Beantwortung der Frage, warum?
Théâtre national du Luxembourg
Leitung: Frank Hoffmann 194, route de LongwyL-1940 Luxembourg
Tel.: (+352) 26 44 12 70
Fax: (+352) 26 44 13 70
Mail: [email protected]
www.tnl.lu
„Unsere Wirklichkeit verändert sich so schnell, dass das Theater hinterherläuft“, meinte Frank Hoffmann am Mittwoch auf der Pressekonferenz. „Wir verstehen nichts mehr von dem, was draußen vor sich geht. Es ist zum Wahnsinnigwerden.“
Den Sinn im Wahnsinn suchen
Genau an diesem Punkt möchte Frank Hoffmann mit seinem Team nun anknüpfen. Um dem Sinn der Wirklichkeit näher zu kommen, möchte das TNL ihn in der kommenden Saison in seinem Spiegel suchen, im Wahnsinn, im theatralischen Wahn!
Den Anfang macht im Oktober „Zu schwankender Zeit und an schwankendem Ort“ von Nico Helminger. Ein Stück, das das Bild, das sich der Mensch von der Wirklichkeit macht, als labile Chimäre entlarvt: Identitäten gehen verloren, Parallelwelten existieren nebeneinander und brechen ein, Realität und Wunschwelt driften auseinander, der Mensch bleibt auf der Strecke.
Direkt anschließend bringt Linda Bonvini „Late: A Cowboy Song“ von Sarah Ruhl auf die Bühne. Das Stück handelt von Mary und Crick, einem der Routine verfallenen Pärchen, das sich mit Fragen der Identität beschäftigt und sich vor allem an der sich verändernden Rolle der Frau reibt. Ist die Frau ein Cowboy?
Anne Simon, die maßgeblich für die Koordination der Programmierung verantwortlich ist, inszeniert selbst ein dreisprachiges Stück zwischen Antike und Science-Fiction. Verrückt? Ein bisschen, Anne Simon eben. Und passend zum Wahnsinn. Es geht um selbst ernannte Götter und produzierte Roboter, die nun die Welt des Zeus bevölkern.
Die Engel des Edgar Allan Poe
Ähnlich verrückt, oder zumindest multimedial, mutet „New Angels“ an, ein Musiktheater ohne Text, das auf der Novelle „The Black Cat“ von Edgar Allan Poe basiert und das mehrere Sänger und Tänzer auf der Bühne des TNL vereint.
Regisseur Stefan Maurer, der dem TNL seit vielen Jahren verbunden ist, wird in dieser Saison „Im Dickicht der Städte“ des jungen Brecht inszenieren und damit der Großstadt, dem großen Dschungel, die Hauptrolle geben, in der sich der Mensch eigentlich nur verlieren kann. „Allein sein ist eine gute Sache“, heißt es. Die wohl größte Produktion wird auch gleichzeitig die Saison abschließen: In Koproduktion mit dem Théâtre d’Esch wird der russische Theatermacher Yuri Kordonsky „Les bas fonds“ (Nachtasyl) von Maxime Gorki inszenieren. Mit 13 Schauspielern auf der Bühne. Eine Seltenheit.
Nach diesem kleinen Einblick ins Programm ist jedem geraten, sich die Broschüre zu besorgen, denn im TNL wird gespielt bis zum Wahnsinn. Der Mohr soll bleiben. Es gibt viel zu tun.
Zu Demaart
Sie müssen angemeldet sein um kommentieren zu können