Beim Hochfrequenzhandel werden Aktien durch Computerprogramme vollautomatisch in Sekundenbruchteilen gekauft und oftmals auch gleich wieder verkauft. Die Händler wollen so von minimalen Kursdifferenzen profitieren. Dieses Verfahren kann heftige Börsenturbulenzen sowie Kursmanipulationen durch vorgetäuschte Aktiengeschäfte auslösen. Dieser Hochfrequenzhandel hat in den vergangenen Jahren enorm an Bedeutung gewonnen.
" class="infobox_img" />Die neue EU-Richtlinie besagt, dass auf den europäischen Handelsplätzen künftig jede im Computerhandel platzierte Order eine halbe Sekunde gehalten werden muss – bisher gibt es dafür keine Frist.
„Dieser Unsinn muss aufhören. Finanzmärkte werden verzerrt und die Volatilität wird unnötig erhöht», so Robert Goebbels. «Wir müssen verhindern, dass Menschen die Kontrolle über die Märkte verlieren und Computer nur noch mit Computern handeln», so der sozialistische Europaabgeordnete aus Luxemburg, der sich fragt, wo die sogenannte ‚Wahrheit des Marktes‘ bleibt, wenn die Preisbildung ohne menschlichen Einfluss innerhalb von Milli- oder Nanosekunden stattfindet.
Neue EU-Richtlinie
Der Wirtschaftsausschuss des Europaparlaments sprach sich am Mittwoch in Brüssel für eine entsprechende Reform der Finanzmarktrichtlinie Mifid aus. Er stimmte dem vorliegenden Reformentwurf zu. Diese besagt, dass auf den europäischen Handelsplätzen künftig jede im Computerhandel platzierte Order eine halbe Sekunde gehalten werden – bisher gibt es dafür keine Frist. Börsen und Handelsplattformen müssten dann Sicherungssysteme in ihre Software einbauen. Für Robert Goebbels, Verhandlungsführer der sozialistischen Fraktion im EU-Parlament, ist dies ein wichtiger Schritt, um auf den europäischen Finanzmärkten die Transparenz zu verbessern und somit eine geordnete Preisbildung zu erreichen.
Auch an den Warenterminbörsen will die EU mit dem Mifid-Paket Preisspekulationen etwa bei Lebensmitteln bremsen. Die Maßnahmen sollen Spekulationen auf Rohstoffen und Nahrungsmittel eindämmen. So werden Portionslimits für den Handel mit Rohstoffderivaten eingeführt, auf denen ein Händler eine festgelegte Anzahl von Verträgen nicht überschreiten kann.
Allerdings müssen die EU-Staaten den Vorschlägen noch zustimmen. Im Oktober wird das Mifid-Paket dem Plenum des EU-Parlaments zur Abstimmung vorgelegt. Neue Regeln auf EU-Ebene dürften nicht vor 2014 in Kraft treten.
Auch in Deutschland
Auch die deutsche Bundesregierung verabschiedete am Mittwoch einen Gesetzentwurf zur Eindämmung des Hochfrequenzhandels. Vorausgegangen war ein 30-seitiges Papier, das der Ex-Finanzminister Deutschlands, Peer Steinbrück, im Auftrag von SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier erarbeitet hatte. Die Politik sollte wieder unabhängiger von den Finanzmärkten werden. „Die Politik hat an Vertrauen verloren und die Banken auch“, sagte Steinbrück. Politik sei von Banken erpressbar geworden und würde zur Getriebenen. „Gewinne werden privatisiert und Verluste sozialisiert.“
Der CDU-Finanzminister Wolfgang Schäuble indes warnte vor Übertreibungen: „Wir dürfen das Kind nicht mit dem Bade ausschütten“, sagte er dem Handelsblatt. „Wir brauchen leistungsstarke Finanzplätze, sonst hat die Wirtschaft keine Wachstumschancen.“
Zu Demaart
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