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Sachverstand und Erfahrung

Sachverstand und Erfahrung
(Tageblatt-Archiv)

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EZB-Direktor Jörg Asmussen hat davon gewarnt, Streitigkeiten in Personalfragen zu Lasten von Notenbankmitgliedern auszutragen. Er wirbt für Yves Mersch-Kandidatur.

Damit die Europäische Zentralbank (EZB) auch personell auf oberster Ebene gerüstet sei für neue, umfangreichere Aufgaben, forderte Asmussen ein Ende des Streits mit dem Europäischen Parlament über die Besetzung des vakanten Direktoriumspostens mit dem Luxemburger Yves Mersch. Das Parlament blockiert die Berufung Merschs mit dem Argument, es können nicht angehen, dass in EZB-Rat und -Direktorium keine einzige Frau sitze. «Man sollte diese richtige Debatte nicht auf dem Rücken von Yves Mersch austragen», sagte Asmussen am Montagabend laut Redetext in Wien.

«Es wäre für das EZB-Direktorium in der jetzigen, schwierigen Lage gut, wenn wir rasch wieder vollständig wären, und jemand mit einer klaren Stabilitätsorientierung wie Yves Mersch würde uns mit seinem Sachverstand und seiner Erfahrung sehr helfen.»

Kompromiss

Als eine Art Kompromiss brachte Asmussen – ohne sie zu nennen – indirekt die derzeitige Vizepräsidentin der Bundesbank, Sabine Lautenschläger, ins Gespräch für die Leitung der neuen Euro-Bankenaufsicht: «Es gibt zahlreiche fachlich sehr gute Bankenaufseherinnen in Europa. Die neu zu schaffende europäische Bankenaufsicht bietet eine gute Gelegenheit für mehr Frauen in europäischen Spitzenämtern.»

Jörg Asmussen rechnet nicht mehr mit einer einheitlichen europäischen Bankenaufsicht unter dem Dach der Notenbank zum Jahreswechsel 2012/13. «Die neue Struktur muss funktionieren können, denn sonst ist nichts gewonnen», sagte Asmussen. «Es reicht nicht, wenn wir an den Eurotower in Frankfurt ein neues Schild mit der Aufschrift ‚Europäische Zentralbank und Europäische Bankenaufsicht‘ nageln können, sich in der Sache aber noch nichts Substanzielles geändert hat. Deshalb ist es zweifelhaft, ob wir das Zieldatum 1. Januar 2013 halten können.»

Diejenigen Länder, die die Bankenaufsicht möglichst schnell unter der EZB zentralisieren wollen, warnte Asmussen vor einem Schnellschuss, dem sich die EZB verweigern werde: «All jenen, die auf die baldige Möglichkeit einer direkten Bankenrekapitalisierung durch den ESM schielen, und es dafür in Kauf nehmen würden, mit einem Schnellschuss und einer halbgaren Lösung bei der Bankenaufsicht zu starten, möchte ich klar sagen: nicht mit uns, dafür riskieren wir nicht die Reputation der EZB!»