Montag26. Januar 2026

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«Sozialpläne sind unsozial»

«Sozialpläne sind unsozial»
(AP)

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Die Auseinandersetzung um die Hochöfen in Florange ist noch nicht vorbei. Die CGT will den Druck auf den französischen Staat erhöhen, so CGT-Sekretär Yves Fabri.

Der Sekretär der Gewerkschaft CGT in Florange, Yves Fabbri, will nach Möglichkeit verhindern, dass es bei ArcelorMittal in Florange zu einem Sozialplan kommt. «Sozialpläne sind unsozial», sagt er im Gespräch mit Tageblatt.lu. «Wir wollen keinen Sozialplan. Wir wollen einen Industrieplan. Wir verstehen nicht, warum wir fallengelassen werden.»

Fabbri glaubt nicht, dass Gespräche mit ArcelorMittal noch Zweck haben könnten. «Wir brauchen eine politische Entscheidung. Der Staat muss in das Unternehmen eintreten. Wir können nicht akzeptieren, dass hier in Florange Tausende von Arbeitsplätzen vernichtet werden

Große Enttäuschung

Die Hochöfen gibt Fabbri zu, müssen überarbeitet werden. Der Zustand des Hochofens P3 in Hayange, der seit Juli 2011 stillgelegt ist, sei schlecht. «Wir haben 10 Jahre verloren, seit der Entscheidung von Arcelor, die Hochöfen stillzulegen und der Entscheidung von Lakshmi Mittal im Jahre 2007, die Hochöfen weiterlaufen zu lassen. Wir hatten eine Zusage von Mittal. Wir hätten stattdessen einen Industrieplan entwickeln können.» Fabbri ist fest entschlossen, den Druck auf die französische Regierung noch zu erhöhen.

Paris befindet sich tatsächlich in einer psychologisch schlechten Lage. Während des Präsidentschaftswahlkampfes sind alle wichtigen Sozialisten aus ganz Frankreich nach Florange gepilgert. Dort steht sogar ein Gedenkstein für die von Nicola Sarkozy gebrochenen Versprechen. Die Sozialisten glaubten, sie könnten dem Konzern Vorschriften über die Schließung von Florange machen. Die Enttäuschung war vor zwei Wochen unüberhörbar, als die Stahlarbeiter in Florange den Minister für die Wiederherstellung der industriellen Arbeitsplätze, Arnaud Montebourg, auspfiffen. Montebourg sei zum Minister der Sozialpläne mutiert, wurde auf dem Platz gespottet.

Ungewisse Zukunft

Fabbri beschreibt im Tageblatt.lu-Gespräch die Folgen eines Sozialplanes. Man könne nicht damit rechnen, dass es in Luxemburg Ersatzarbeitsplätze gäbe, weil Mittal in Luxemburg auch Fabriken schlösse. Ersatzarbeitsplätze gäbe es also entweder in Dünkirchen oder in Fos, sprich, bis zu 700 Kilometern von Lothringen entfernt. Das zerstöre Familien. Denn hierzulande hätte die Ehefrau einen Arbeitsplatz. Es sei aber nicht sicher, dass sie in Fos oder in Dünkirchen einen finden würde. Man sei dabei, in Lothringen ein Haus oder eine Wohnung zu bezahlen. Man müsse sie verkaufen und wisse nicht, wie dies in Dünkirchen oder am Mittelmeer laufe. Auf die Kinder komme ein Schulwechsel mit einer völlig neuen Umgebung zu. Und dann wäre da noch die Frage, wie es mit den Kosten eines Umzuges sei. All das würde zeigen, wie unsozial ein Sozialplan sei.

Fabbri belässt es nicht dabei. Die Stahlindustrie würde kümmerliche Löhne zahlen. Ein Stahlwerker im Alter von 59 Jahren, der 42 Jahre lang in der Stahlindustrie gearbeitet hätte, käme mit 1,700 Euro netto nach Hause. Ohne die Mitarbeit der Ehefrau käme man damit nicht über die Runden. Gut ausgebildete Techniker, die drei Sprachen sprächen, hätten 1.100 Euro netto. Deswegen wolle er sich nicht auf einen Sozialplan einlassen. Fabbri: «Wir setzen darauf, dass die Regierung hier noch eingreift und die Mitarbeiter schützt.»

Wenig Hoffnung

Dieser Schutz sei um so wichtiger, als die Entwicklung in Florange mit den Hochöfen noch nicht beendet sei. Würden die Hochöfen verkauft ohne den Rest der Anlage, oder würden die Hochöfen stillgelegt, dann geriete der ganze Standort in Gefahr. Florange sei eben ein integriertes Stahlwerk, das von seinen Hochöfen abhinge. Da gäbe es den Weißblechbereich, den es auch in Liège gäbe. Der arbeite bereits nur zu Hälfte und es sei nicht sicher, was daraus würde. Hier ginge es auch um einige Hundert Arbeitsplätze. In Florange fürchtet man, dass die Anlage nach und nach ausgehöhlt wird. Warum? «Investiert wurde hier immer nur in die Bereiche, die direkt mit dem Automobil zu tun hatten.»

Was Fabbri deutlich macht ist dieses: ArcelorMittal kann in Florange kein Partner sein, weil das Unternehmen bei den Gewerkschaften und den Mitarbeitern seine Glaubwürdigkeit verloren hat. Florange setzt auf den Staat, mit dem dumpfen Gefühl, dass auch von ihm nicht die erhoffte Rettung kommen wird.