Der allergrößte Wettbewerb im Triathlon über die langen Distanzen ist die Mutter aller Triathlons: der Ironman Hawaii. Allgemein wird der Hawaii-Triathlon als Wiege dieser Dreikampfsportart angesehen, mit seinem Ursprung 1978, als 15 wackere Athleten zum ersten Mal einen Wettkampf über 2,4 Meilen Schwimmen, 112 Meilen Radfahren und 26,2 Meilen Laufen austrugen.
Der „Erfinder“, Major John Collins, gab den Teilnehmern die Parole mit auf den Weg: „Brag for the rest of your life“ („Jetzt kannst du bis an dein Lebensende prahlen“), ein Motto, das bis heute über dem Ironman Hawaii schwebt. Das ganz große Mantra aber lautet: „Anything is possible“ (alles ist möglich), und Hawaii ist längst ein Mythos, die Kombination aus dem „Roughwater Swim“ (Schwimmen im rauen Gewässer), dem „Around O’ahu“ und dem Honolulu-Marathon.
Alles geben
Und dies, obschon man 1981 vom beschaulichen Waikiki in die Lavawüste von Kona transferierte, die große Insel. Die Bedingungen vor Ort sind unberechenbar. So kann die Sonne etwa bei 35°C für eine Hitzeschlacht sorgen, der „ho’omunoko“, ein wechselnder Seitenwind, bläst den Athleten mit Geschwindigkeiten von über 70 km/h entgegen. „Sich unter solchen Bedingungen eine Taktik zurechtzulegen, ist ein Ding der Unmöglichkeit“, blickt Dirk Bockel auf seine Erfahrung zurück. „Es wird sich alles auf der Strecke entscheiden, man muss sehen, wie das Wetter ist und wie die Konkurrenz dran ist. Die extremen Bedingungen werden sich spätestens nach zwei Stunden auf dem Rad bemerkbar machen. Vorher muss man alles geben.“
Auch im 34. Jahr werden 1.800 Eisenmänner und -frauen am Start erwartet. Für Hawaii muss man sich qualifizieren, und zwar bei einem der rund 25 Qualifikationsrennen quer über den Globus; die ganz Glücklichen werden ausgelost. Event-Direktorin Diana Bertsch meint nicht umsonst: „Für viele Teilnehmer geht ein Lebenstraum in Erfüllung.“ Damit das Rennen auch zum Traum wird, tragen sie und 5.000 Freiwillige Sorge: „Wir werden alles dazu beitragen, damit es ein unvergesslicher 140,6-Meilen-Ausflug wird.“ Neben Dirk Bockel konnten sich zwei weitere Luxemburger diesen Traum erfüllen: Tom Carier (AK40, Startnummer 1.083) und Steve Moog (AK35, Nr. 1.365) werden ihr Bestes bei den „Age Groups“ geben. Der Start der verschiedenen Altersklassen erfolgt am Samstag um 7.00 Uhr morgens (19.00 Uhr MESZ).
Favoriten
Die professionellen Triathleten werden ihr Rennen schon um 6.30 Uhr (18.30 MESZ) in Angriff nehmen (Frauen um 6.35 Uhr). Für dieses Rennen sind 84 Profis gemeldet, 31 Damen und 53 Herren. Bis auf Tlissink (RSA) sind bei den Männern die gesamten Top 10 vom Vorjahr gemeldet, also auch das Podium mit Craig Alexander (AUS), Andreas Raelert (GER) und Pete Jacobs (AUS). Zu den Favoriten zählen aber auch Weltmeister Chris McCormack (AUS) und sein Vize Eneko Llanos (ESP). Es könnte also sein, dass Andi Böcherer (GER) recht behält und es wieder zum Duell Australien gegen Deutschland kommt. Könnte, weil mit dem WM-Dritten Dirk Bockel auch ein Luxemburger Ambitionen auf einen Podiumsplatz hegt – oder zumindest bis zu seiner Verletzung hegte.
Bei den Frauen wird es eine neue Siegerin geben, da sich die Titelverteidigerin und vierfache Gewinnerin Chrissie Wellington (GBR) für 2012 eine Ironman-Pause gönnt. Ihre Landsfrauen Leanda Cave und Rachel Joyce rücken damit hinter der Topfavoritin Miranda Carfrae (AUS) in die Favoritenrolle.
Für Dirk Bockel wird es am Samstag schon der vierte Einsatz durch die Lavawüste auf Kona sein. Bei seinen ersten drei Versuchen schaffte der 36-Jährige auf Anhieb den Sprung in die Top 10. Vor Jahresfrist verfehlte der CAEG-Athlet als Vierter einen Podiumsplatz um weniger als 2 Minuten.
Trainingsunfall
Für seinen vierten Versuch hatte Bockel den ersehnten Sprung aufs Treppchen ins Auge gefasst. Bis ein Trainingsunfall am vergangenen Freitag den Bruch eines Mittelhandknochens mit sich brachte (siehe „T“ vom Mittwoch) und seinen Ambitionen einen kleinen Dämpfer verpasste.
Schade, denn mit seinem ersten Ironman-Sieg am 17. Juni in Regensburg (Ironman Chiemsee) konnte Bockel Zuversicht tanken. Wobei die Saison nicht einmal vielversprechend begann, als der sechste Platz am 4. März in Abu Dhabi hinter den Erwartungen lag. „Wir haben die Fehler erkannt und einiges umgestellt“, so Bockel über den Grund, warum es plötzlich besser lief. Denn neben dem Sieg in Bayern konnte der Luxemburger mit dem erwähnten dritten Platz bei den Weltmeisterschaften über 4 km Schwimmen, 120 km Radfahren und 30 km Laufen (lange Distanzen) in Vitoria/Gasteiz (ESP, 29. Juli) brillieren. Die offiziellen Ironman-Weltmeisterschaften werden allerdings morgen Samstag auf Hawaii ausgetragen, mit einem Dirk Bockel, der in Topform angereist ist: „In den ersten beiden Jahren bin ich das Rennen etwas verhalten angegangen. Im letzten Jahr war ich schon risikoreicher. Für dieses Jahr war eigentlich noch mehr Risiko eingeplant. Ich bin ein guter Schwimmer und Radfahrer, und mittlerweile kann ich auch laufen. Mit dieser Alptraumverletzung wurden sämtliche Pläne über den Haufen geworfen. Man wird sehen, wie schwer die Auswirkungen beim Schwimmen sind. Problematisch wird es auch an den Proviantstationen. Aber wir werden uns etwas einfallen lassen. Ich bin bereit. Und ich werde kämpfen. Ich habe nicht umsonst ein Jahr lang darauf hingearbeitet.“
Dass es möglich ist, zeigte nicht zuletzt Chrissie Wellington, die im vergangenen Jahr im Vorfeld zum Hawaii Ironman einen Sturz auf dem Rad erlebt hatte, sich komplexe Verletzungen zugezogen hatte und am Ende doch siegte. Mark van Akkeren (NED) und Rasmus Henning (DEN) hatten in der Vergangenheit mit einer ähnlichen Handverletzung wie Bockel zu kämpfen und erzielten auch ein gutes Ergebnis. Der Däne wird morgen auf Hawaii sein letztes Rennen bestreiten und danach seine Karriere beenden.
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