Eine Welle der Gewalt erschüttert Brasiliens größte Stadt São Paulo. In der Nacht zum Dienstag wurden erneut mindestens fünf Menschen erschossen. Eines der Opfer ist der Sohn eines ehemaligen Polizisten, wie Medien berichteten. Ein zweiter Sohn wurde von Schüssen verletzt. Die Elf-Millionen-Metropole ist seit Monaten Schauplatz blutiger Attentate, hinter denen auch die wiedererstarkende Drogengang Primeiro Comando da Capital (PCC ) (Erstes Hauptstadtkommando) vermutet wird. Zentralregierung und Bundesstaat verständigten sich am Dienstag auf einen Aktionsplan.
In den vergangenen vier Wochen wurden laut Medienberichten mehr als 160 Morde in São Paulo und Umgebung registriert. Im September waren es nach offiziellen Angaben 135 Morde, 96 Prozent mehr als im September 2011. Seit Anfang des Jahres sind über 90 Polizisten im Großraum São Paulo getötet worden. Betroffen ist vor allem der Norden der Stadt.
Gemeinsames Vorgehen
Der Justizminister des Landes, Antônio Ferreira Pinto, traf sich am Dienstag mit dem Gouverneur des Bundesstaates, Geraldo Alckmin. Beide vereinbarten ein gemeinsames Vorgehen, um der Gewalt Herr zu werden. Da die PCC-Bosse auch aus Haftanstalten heraus operieren, sollen einige in Hochsicherheitsgefängnisse verlegt werden. Zudem sollen die Kontrollen an Häfen und Flughäfen verstärkt werden, um den Drogenschmuggel durch organisierte Banden zu unterbinden.
Von einem zunächst erwogenen Einsatz von Militärkräften in São Paulo wurde allerdings Abstand genommen. Die meisten Morde der vergangenen Woche wurden mit Schusswaffen begangen. Es gab auch zahlreiche Verletzte. Am Wochenende erregte ein Attentat auf eine 44 Jahre alte Polizistin Aufsehen, die vor den Augen ihrer minderjährigen Tochter erschossen wurde. Die Polizei reagiert auf die Mordserie unter anderem mit Razzien in Armensiedlungen (Favelas).

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