Montag26. Januar 2026

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Kuba für Kolonialisten

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Ausverkauft. Samstag, Sonntag und Montag, an Silvester. Das Grand Théâtre hat also alles richtig gemacht, in seiner Programmation zum Jahresende. Ein bisschen kubanische Lebensfreude in diesen nasskalten Regentagen ist gefragt.

Und es fing auch ganz gut an. Auf die große Leinwand ist ein Foto des Malecón, der Havanna vom Meer trennt und Treffpunkt aller Verliebten ist, projiziert. Dort versammeln sie sich, die Tänzer, die durch ihre farbenprächtige, doch völlig unterschiedliche Kleidung so aussehen, als kämen sie tatsächlich aus den verschiedenen Vierteln Havannas hier zusammen, um zu tanzen, zu lachen und zu flirten. Die Präsentation der Truppe, die sich aus 14 Tänzern und sieben Musikern zusammensetzt, kann man durchaus als gelungen bezeichnen. Sie hat Witz, ein kleines bisschen Kitsch und strahlt Lebensfreude aus.

Friede-Freude-Eierkuchen-Insel

Doch dann der zweite Tanz: Eine wunderschöne Frau in rotem Flamenco-Kleid tritt auf die Bühne. Alleine. Und tanzt den Tanz der Kolonialisten. Wunderschön sinnlich und graziös. Plötzlich wird sie angefallen, von den „dummen Wilden“, den Ureinwohnern Kubas.

Es ist klar, dass eine getanzte Erzählung der Geschichte Kubas mit reduzierten Bildern arbeiten muss, doch so wie Choreograf Nilda Guerra hier die spanische Eroberung Kubas erzählt, ist man schnell peinlich berührt von so viel Plakativismus. Die elegante Conquistadora bekommt Hilfe von ihrem stolzen, noch eleganteren Conquistador, um die aggressiven, eher Tieren als Menschen ähnelnden Wilden, die nichts weiter zu können scheinen als zu kreischen und Grimassen zu schneiden, zu vertreiben. Das erinnert doch sehr an Kunst für Kolonialisten.

Als sich dann am Ende des ersten Aktes die wilde Schwarze mit dem krausen Haar und die Conquistadora einen verschmitzten Freundschaftskuss geben, ist die Geschichte der Friede-Freude-Eierkuchen-Insel im karibischen Meer perfekt.

Die Aufführung spielt mit Klischees und wird selbst zum Klischee. Auch für besinnliche Tage zum Jahresende reichen schöne Menschen für die Augen und freudige Töne für die Ohren nicht aus, um zu überzeugen.