Die Glasfront am Eingang soll einladend wirken, für Offenheit stehen; die neue Bar, zentral platziert und schick mit Spiegeln, die Wichtigkeit von Geselligkeit unterstreichen. Und die Technik hat nun
endlich einen eigenen Balkon, der auch als „beste großherzogtümliche Loge“ herhalten könnte, wie Germain Wagner, Leiter des Theaters, witzelte
Neueröffnung
Freitagabend (11.01.13) ab 18 UhrMit der Lesung:
„Geld, mon Amour“• gelesen von Eugénie Anselin, Marc Limpach, Elsa Rauchs und Germain Wagner
• Weitere Vorstellung am 22. Januar
• Tickets unter:
Tel.: (+352) 291281
[email protected]
Tageblatt: Am Freitagabend (11.01.13) feiern Sie die Wiedereröffnung des Kasemattentheaters. Was haben die Umbauarbeiten verändert bzw. verbessert?
Germain Wagner: «Das Haus samt Theater, Volksküche und Wohnungen gehört der Stadt Luxemburg. Es gab einige Gründe, warum die Stadt beschlossen hatte, das Haus instand zu setzen. Schön ist, dass das Theater nun ein einziger Raum ist, so ist der Raum sehr vielfältig bespielbar. Wir können das Publikum unterschiedlich platzieren. Außerdem ist unsere Technik jetzt besser untergebracht. Da wir über der Bar einen Raum hatten, der unbenutzt war, konnte dort nun der Platz für den Techniker geschaffen werden. Doch der Raum der Technik könnte auch als die beste großherzogtümliche Loge, die man sich vorstellen kann, herhalten oder auch als Balkon in Shakespeares Romeo und Julia genutzt werden.»
Die Bar ist auch neu …
«Ja! Wir haben in den letzten Jahren die Erfahrung gemacht, dass die Bar sehr wichtig ist, um sich nach den Vorstellungen auszutauschen. Wir haben das Bedürfnis und der Zuschauer auch.»
Was haben Sie für die lange Nacht der Eröffnung am Freitagabend (11.01.13) vorgesehen?
«Die Stadt hat das Haus instand gesetzt, wir haben unser Salz und Pfeffer hinzugegeben und nun wird gefeiert – mit allen Beteiligten. Um 18 Uhr geht es los, zu einem Umtrunk sind alle Firmen eingeladen, die an dem Umbau beteiligt waren. Dann werden Bürgermeister Xavier Bettel und die Kulturschöffin Lydie Polfer eine Rede halten. Und um 20 Uhr gibt es dann die Lesung ‚Geld, mon Amour‘. Ein dankbares Thema, jeder hat etwas dazu zu sagen, jeder hat keins und gibt es trotzdem aus. Und das geht nicht nur uns so, sondern war bereits vor Tausenden von Jahren so. Ganz toll ist Plutarch, der die Schuldenkrise in Griechenland beschreibt. Natürlich ist der Text im Sinne seiner Zeit geschrieben, aber der passt auch heute wie die Faust aufs Auge. Die Probleme, die wir heute haben, waren damals vielleicht nicht ganz so raffiniert, aber im Grunde die gleichen: Es geht um Schulden und darum, wie man Schulden eintreibt, wie man Leute bewusst überschuldet, wie der, der Geld hat, immer noch mehr Geld will – all das ist doch sehr aktuell.»
Ihre letzte Produktion „Mein Essen mit André“ haben Sie in der Brasserie Guillaume gezeigt. Die geplanten Vorstellungen waren so schnell ausverkauft, dass sie nun bereits vier Extra-Vorstellungen programmiert haben. Wie erklären Sie sich diesen Erfolg? Liegt es an dem ungewöhnlichen Aufführungsort?
«Auch, ja. Ein ungewöhnlicher Ort und dadurch eine ungewöhnliche Formel. Dadurch dass die Lesung mit Essen verbunden ist, kommt nicht nur unser Stammpublikum aus dem Kasemattentheater, sondern auch völlig neue Leute, Kunden von der Brasserie. Der Text ist auf den ersten Blick nicht so zugänglich. Aber Stefan Maurer hat uns eine tolle Fassung geschrieben. Wir haben das Stück auf eine gute Stunde komprimiert. Das Stück hat eine wunderbare Ironie, die sehr gut beim Publikum ankommt.»
Zurzeit proben Sie am Escher Theater für den Woyzeck. Sind Sie in erster Linie Leiter eines Theaters oder Schauspieler?
«Schauspieler. Ganz eindeutig. Weil es das ist, was mir am meisten Spaß macht und das ich deswegen auch am besten kann. Egal wie gut ich das kann, ich kann das am besten. Theaterleiter zu sein, ist eine super Sache, da man große Möglichkeiten hat, auch wenn die finanziellen Mittel natürlich klein sind. In dieser Kombination – ich als Leiter, Marc Limpach als Dramaturg – sind wir nun bereits im fünften Jahr. Mittlerweile haben wir einen Kreis von Leuten um uns herum, die immer wieder mit uns arbeiten wollen. Trotz niedriger Gage.»
Wegen Ihrer netten Art? Oder was sind die Gründe?
«Ich denke, viele schätzen, dass es hier nicht so eine administrative Strenge gibt wie zum Beispiel an deutschen Theatern. Damit meine ich nicht nur das Kasemattentheater, sondern Luxemburg überhaupt. Hier arbeiten wir freier, offener, was die Struktur angeht. Zum Beispiel können wir hier proben, wann wir wollen, in Deutschland gibt es gewerkschaftlich festgelegte Arbeitszeiten. Diese Flexibilität kommt vielen entgegen. Außerdem höre ich oft von ausländischen Kollegen, dass sie das Publikum hier in Luxemburg sehr erfrischend finden. Es reagiere extrem auf Text und Inhalt. Sei sehr aufmerksam.»
Aus welchen Überzeugungen heraus spielen und machen Sie Theater?
«Kampf gegen den Tod. Theater ist das beste Mittel gegen Entschleunigung. Weil Theater alle Sinne anspricht. Vor allem natürlich auch den Kopf. Denn ohne den Kopf wären alle anderen Sinne Stumpfsinne. Wir leben in einer Welt, in der versucht wird, die Menschen abzustumpfen. Theater wirkt dieser Realität entgegen, indem es alle Sinne anspricht. Theater ist Spiel.»
Zu Demaart
Sie müssen angemeldet sein um kommentieren zu können