Der russischen Armee steht ein gewaltiger Innovationsschub bevor. Dabei geht es nicht etwa um ein neues Lenkwaffensystem oder gar um eine streng geheime Weltvernichtungsbombe. Nein, die russischen Soldaten werden erstmals mit Socken ausgerüstet. Zuvor marschierten die Krieger der Kaiserlich Russischen Armee, der Roten Armee und der russischen Streitkräfte seit dem späten 17. Jahrhundert auf in Lappen gehüllten Füssen in die Schlacht.
Die Fußlappen, auf russisch Portyanki (????????) genannt, wurden vor dreihundert Jahren vom Zaren Peter dem Großen eingeführt. Dieser soll sie von der holländischen Armee abgeguckt haben, wie die Nachrichtenagentur RIA-Novosti schreibt. Der Entscheid für die Fußlappen fiel, weil sie einfach in der Herstellung waren und im rauen Klima Russlands besser vor der Kälte schützten. Und wenn der russische Wehrmann einmal begriffen hat, wie das Tuch korrekt zu wickeln ist, geht auch das Anziehen verhältnismäßig fix vonstatten, wie das obige Video beweist.
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Und nicht nur die Russen schworen auf die Fußlappen in ihren Stiefeln. Auch in der Wehrmacht waren Fußlappen gebräuchlich. Nach dem Zweiten Weltkrieg überlebten sie in der Nationalen Volksarmee der DDR gar bis in die 1960er Jahre. Doch nachdem sich bereits die Ukraine und Weißrussland von den Wickeln verabschiedet haben, hat jetzt auch in Russland das letzte Stündchen für die archaische Fußbekleidung geschlagen.
Welche Bedeutung diesem Tenue-Wechsel in Russland zugemessen wird, illustriert die Tatsache, dass die Ankündigung von ganz oben kam. Verteidigungsminister Sergej Schoigu höchstpersönlich verkündete am Montag, dass die Armee bis Ende des laufenden Jahres auf die Nutzung von Fußlappen verzichten wird. «Bis Ende 2013 müssen wir das Wort ‹Portyanki› vergessen», erklärte der Minister gemäß RIA-Novosti und hob hervor, dass zusätzliche Geldmittel für die Lösung dieser Aufgabe bereitgestellt würden.
Wettlauf mit der Zeit
So weit, so klar. Doch bereits kurz nach der ministeriellen Ankündigung wurden Zweifel an ihrer fristgerechten Umsetzung laut. Alexander Salichow, Chefredakteur der Zeitung «Kadettenbrüderlichkeit», meinte gegenüber Ria-Novosti, dass die angekündigte Versorgung aller Angehörigen der russischen Armee mit Socken schwer fallen würde. «Das System für die rückwärtige Sicherstellung der Truppen wird nicht in der Lage sein, die Armeeangehörigen mit Strümpfen zu versorgen. Insbesondere jene Soldaten, die ihre Aufgaben fern von den ständigen Stationierungsorten erfüllen»
Trotz der logistischen Herausforderungen wird die textile Innovation von den Experten aber grundsätzlich begrüßt. Anatoli Zyganok, Leiter des Zentrums für militärische Prognostizierung, ist voll des Lobes für die Initiative des Verteidigungsministers: «Ich bin der Meinung, dass dies eine richtige Entscheidung ist, anstelle der Fußlappen Strümpfe einzuführen.»
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