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Der digitale Erstschlag wird real

Der digitale Erstschlag wird real
(Reuters)

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Längst ist die Sicherheit im Cyberspace und die Angst vor Hackern im Auftrag anderer Regierungen gigantisches Thema in der USA. Amerikas Arsenal an Gegenmaßnahmen ist indes gut bestückt.

Die jetzt bekannt gewordenen Attacken auf weltbekannte Zeitungen wie «New York Times» und «Wall Street Journal» waren da nur die jüngsten Schreckensmeldungen. Eine geheim gehaltene juristische Überprüfung ergab nach Recherchen der «New York Times» nun, dass US-Präsident Barack Obama sogar das Recht zu einem digitalen Erstschlag hat, sollten die USA glaubhaft von einem Angriff aus dem Cyberspace bedroht sein.

Verteidigungsministerium und anderen Behörden brüten derzeit über dem Konzept, wie die Zeitung am Montag berichtet. Die Bedrohung durch Viren, die Kraftwerke, Verkehrssysteme, Behörden und andere lebenswichtige Infrastruktur lahmlegen könnten, mache es aus Sicht der USA nötig, dass es die Möglichkeit eines Erstschlages gibt. Anordnen könn ihn aber nur das Weiße Haus. «Die digitale Kriegsführung bietet Möglichkeiten, die weit schlimmer sind, als wir bislang wissen», meint ein Regierungsbeamter besorgt.

Kraftwerk außer Betrieb gesetzt

Immer häufiger werden Fälle von digitalen Angriffen bekannt. Gerade erst erklärte das Ministerium für Heimatschutz, dass ein nicht genanntes Kraftwerk deshalb wochenlang außer Betrieb war. Auch der Kurznachrichtendienst Twitter wurde Opfer einer Attacke aus dem Netz. Wo sie herkam, ist nicht bekannt. «Unsere Untersuchungen haben ergeben, dass die Angreifer Zugriff auf einen begrenzten Datensatz hatten. Es handelt sich um Nutzernamen, E-Mail-Adressen und verschlüsselte Passwörter von etwa 250.000 Nutzern», erklärte der Informationschef von Twitter, Bob Lord.

Die Zeitungen «New York Times», «Wall Street Journal», «Washington Post» und die US-Wirtschaftsnachrichtenagentur Bloomberg gaben zudem bekannt, dass chinesische Internetkriminelle versucht hätten, Zugriff auf ihre Systeme zu nehmen. Über Kennwörter von Mitarbeitern sei versucht worden, Informationen zu erhalten und Netzwerke lahmzulegen. Die Angriffe erfolgten, nachdem diese Medien über Untersuchungen berichtet hatten, die sich kritisch mit der chinesischen Führung auseinandersetzten.

Clinton greift China an

In ihrem letzten Pressegespräch als Außenministerin sagte die Hillary Clinton angesichts der Angriffe auf die Zeitungen, die USA tolerierten keine Internetangriffe im Auftrag von Regierungen. «Wir müssen den Chinesen, die nicht die einzigen sind, die uns angreifen, klar machen, dass die USA Maßnahmen gegen die illegalen Angriffe auf öffentliche und private Einrichtungen ergreifen werden.» Der Sprecher des chinesischen Außenamtes, Hong Lei, wies die Anschuldigungen umgehend zurück. «Es ist vollkommen unverantwortlich, zu unterstellen, dass die chinesische Regierung oder das Militär an diesen Angriffen beteiligt ist.»

Es wird nun erwartet, dass mit der neuen Strategie zur digitalen Kriegsführung auch die Zuständigkeiten auf amerikanischer Seite geklärt werden. Und damit die Frage, ob der Kampf gegen Cyberangriffe Militär, Geheimdienst oder anderen Behörden zufällt. Aber auch der Rahmen der Befugnisse ist noch zu klären. So zum Beispiel die Frage, ob und wie Gegenspionage im Ausland vorgenommen werden kann und unter welchen Voraussetzungen Viren zur Zerstörung potenzieller Gefahren genutzt werden dürfen.

Virus geriet außer Kontrolle

US-Präsident Obama steht zudem vor einem Kommunikationsproblem. «Es ist nur schwer zu beweisen, dass man einen wirklich gefährlichen und tödlichen Computercode zerstört hat», sagte ein Regierungsbeamter der «New York Times». Dieses Problem habe auch dazu geführt, dass Pläne, nach denen amerikanische Computer automatisch einen digitalen Schlag vornehmen können, zu den Akten gelegt wurden.

In Sachen digitaler Kriegsführung ist Obama sowieso ein gebranntes Kind. Nur einmal hatte er – soweit bekannt – den Befehl für eine digitale Attacke gegeben. Der Stuxnet-Virus wurde gegen das iranische Atomprogramm eingesetzt. Er breitete sich jedoch über das Internet aus und infizierte ungewollt Millionen von Computern.