In 49. Verhandlungstagen will das Gericht herausfinden wer der oder die Bommelleeër waren. 90 Zeugen werden gerufen – es können aber noch mehr werden. Zwei ehemalige Polizisten, Joseph Wilmes und Marc Scheer stehen vor Gericht. Sie gehörten in den Terrorjahren zur Brigade Mobile, einer Spezialeinheit der Gendarmerie. Die Staatsanwaltschaft sieht in den beiden mögliche Täter.
Ein erstes Resümee: Acht Verhandlungstage sind vergangen und die Verteidigung (Lydie Lorang und Gaston Vogel) lässt keine Minute vor Gericht aus, um auf die ihrer Meinung nach mehr als schlechten Ermittlungen in den vergangenen 29 Jahren hinzuweisen. Ihre Liste ist lange: schlampige Ermittlungen, Beweisstücke verschwanden oder wurden nicht sichergestellt, Zeugen wurden nicht gehört oder eingeschüchtert, Protokolle lösten sich in Luft auf oder wurden erst gar nicht schriftlich erfasst. Dementsprechend hatte es Carlo Klein, jahrelanger Ermittler in der Affäre, nicht leicht in den vergangenen 14 Tagen sämtlich Details über die Ermittlungen in der Bommeleeër-Affäre vor Gericht vorzutragen. Klein musste immer wieder zugeben, dass zahlreiche Fehler gemacht wurden. Alles Spuren verliefen im Sand. Der Druck auf die Ermittlungen war damals sehr groß. „Die Attentäter führten uns immer wieder vor“, so Klein vor Gericht.
Keine einzige Spur
Eine riesen Ermittlerkreis wurde auf die Beine gestellt, immer wieder verändert umstrukturiert – auch wegen hierarchische Reibereien unter den Beamten und Vorgesetzten. „Man blockierte sich gegenseitig“, sagte das ehemalige Gendarmerie-Mitglied John Gindt vor Gericht aus. Allerdings war die Polizei alles andere als Untätig. Im ganzen Land wurde die Post gefilzt, Telefone abgehört, hunderte Zeugen gehört. Selbst wegen Stammtischgesprächen in Kneipen wurden neue Ermittlungen eröffnet. Man stelle jugendlichen Hobbyfunkern nach, vermutete in einer „Wehrsportgruppe“ – ebenfalls Jugendliche – die Bombenleger zu finden. Selbst der Ku Klux Klan rückte ins Visier der Ermittler. Der damalige Stromanbieter Cegedel, Opfer der Anschläge, wurde durchleuchtet. Sämtliche und ehemaligen Mitarbeiter nahmen sich die Ermittler vor.
Allerdings konnte man bei diesem polizeilichen Kraftakt nicht eine einzige Spur in Richtung Täter finden. „In einer internen Dienstnote musste man sich sogar eingestehen, dass man nichts wisse“, erklärte Klein vor Gericht. Der Frust darüber war dem Mann anzusehen. „Das Ganze ist und war eine riesen Verarschung , sagte Anwalt Gaston Vogel mehrmals vor Gericht.
Was weiß Geiben?
Ab kommenden Montag dürfte die Spannung in dem Prozess weiter steigen. Polizist Carlo Klein will auf die Ermittlungen gegen den Gründer der „Brigade Mobile“, Ben Geiben, eingehen. „Die Spur Geiben war unsere beste“, hatte Klein am vergangenen Donnerstag vor Gericht ausgesagt. Schriftliche Protokolle darüber gibt es allerdings nicht. Hier wurde damals nur mündlich „archiviert.“
Anwalt Gaston Vogel will zudem einen Zeugen vor Gericht bringen, der mehr über Geiben, die Bommeleeër oder andere Geheimnisse weiß. Es werden noch spannende Tage.
Zu Demaart
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