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Oper zur Finanzkrise uraufgeführt

Oper zur Finanzkrise uraufgeführt

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Griechenland, Zypern - im Süden Europas erleben Menschen hautnah wirtschaftliche Krisen. Auch in Ostsachsen ist die Finanzwelt aus den Fugen geraten, zumindest auf der Opernbühne.

Ionien steht am Abgrund. «Nie war der Sturz eines Landes so lukrativ», heißt es in der Oper «Tod eines Bankers», die am Samstag in Görlitz uraufgeführt wurde. Ionien ist nur ein fiktives Land, die Handlung auf die Spitze getrieben, doch die globale Finanzkrise in der realen Welt ist angesichts der Szenen auf der Bühne allgegenwärtig. Das Gerhart-Hauptmann-Theater in Sachsen hat damit die künstlerische Auseinandersetzung mit einem komplexen Thema gewagt.

Logo" class="infobox_img" />Ein Stück «aus dem Leben». (dpa)

In «Tod eines Bankers» prallen Schicksale von Menschen aufeinander, die sich in der Realität selten begegnen, weil sie die Schranken des Geldes voneinander trennen. In der Inszenierung von Generalintendant Klaus Arauner ist Yvonne Reich in der Rolle der Dalilah zu erleben, die sich mit zwei Jobs über Wasser hält. Die stolze junge Frau lehnt sich gegen soziale Not und Ausweglosigkeit in ihrem Land auf. Auf der anderen Seite steht Dennis Lundt, dargestellt von Jan Novotny. Ausgezeichnet als Juniorbanker des Jahres, wettet er auf den Untergang Ioniens. Am Ende muss er jedoch erkennen, dass er Teil des erbarmungslosen Machtspiels ist, dem er selbst zum Opfer fällt.

Der Krise ein Gesicht geben

Der freischaffende Autor und Dramaturg Fabian Scheidler schrieb das Libretto, das in elf Szenen Folgen der Krise an den Finanzmärkten thematisiert. Komponist Andreas Kersting (Jahrgang 1976) stand vor dem «heiklen Unterfangen», die aus den Fugen geratene Welt musikalisch zu beschreiben. «Allein im überhöhten Charakter der Musik liegt die Chance, der Bankenkrise ein Gesicht zu geben», sagt Kersting, der die Technik der Mikrotonalität für das Auftragswerk nutzte. Die deformierte Harmonik erzeugt überwiegend eine bedrohliche und düstere Stimmung.

Britta Bremer schuf für die Görlitzer Inszenierung ein sparsames Bühnenbild mit zwei Ebenen. Sie werden zur Kulisse für Call-Center, Nobelclub, Luxusjacht oder Ladenstraße, so dass es gelingt, die Spaltung der Gesellschaft wirkungsvoll auszudrücken. Das Theater in der deutsch-polnischen Grenzstadt hat mit «Tod eines Bankers» erneut gezeigt, dass es keine Scheu vor Experimenten und Mut zu Uraufführungen hat. Seit 2002 bringt die Bühne regelmäßig Stoffe mit regionalem Bezug oder zu einem aktuellen Anlass heraus. Dazu gehörten die Opern «Nathans Tod», «Bahnwärter Thiel» nach Gerhart Hauptmanns gleichnamiger Novelle oder «Linkerhand» nach einem Roman von Brigitte Reimann.