Sängerin Beyoncé kam schon mit meterlanger Federschleppe, Madonna mit zwei Hörnern aus Stoff und Schauspielerin Christina Ricci mit überdimensionaler Schleife am Rücken: Die «Costume Institute Benefit Gala» verwandelt die Stufen des Metropolitan Museums am New Yorker Central Park jedes Jahr im Mai in einen Haute Couture-Laufsteg und zieht dutzende Stars an. Das liebevoll «Met Ball» genannte Event, mit dem die Kostüm-Sammlung des renommierten Museums unterstützt wird, gilt in den USA als «Party des Jahres», mindestens genauso angesagt wie die alljährliche Vanity Fair-Sause nach den Oscars.
Am Montagabend (6. Mai) ist es wieder soweit und diesmal ist das Motto Punk – was natürlich auch den Dresscode vorgibt. Mit Spannung erwarten die New Yorker wer diesmal alles kommen wird, mit wem und welchem Outfit. «Ich habe schon ganz viel dafür recherchiert», sagte US-Schauspielerin Allison Williams aus der Serie «Girls» im Vorfeld dem Magazin der «New York Times». «Ich habe mir Fotos von den Sex Pistols und von Vivienne Westwood angeschaut, und ich freue mich wirklich sehr darauf, mich diesem Thema zu verschreiben.» Mit der Gala eröffnet das Metropolitan Museum auch die dazugehörige Ausstellung «Punk: Chaos to Couture».
«Vogue» und «Chanel» zahlen
Schirmherrin und Herrscherin über die Gästeliste der Edel-Fete ist «Vogue»-Chefin und Mode-Ikone Anna Wintour. Die «Vogue» zahlt – gemeinsam mit dem Mode-Imperium «Chanel» – auch alle Kosten, die Schätzungen zufolge bei mehreren Millionen Dollar liegen. Alle Einnahmen gehen an das Kostüm-Institut des Metropolitan Museums und bilden dessen gesamtes Jahresbudget. Tickets können bis zu 15 000 Dollar (etwa 11 500 Euro) kosten, ganze Tische 150 000 Dollar – insgesamt kommen so bei dem Wohltätigkeitsball jedes Jahr eine Spendensumme von rund drei Millionen Dollar zusammen.
Erstmals fand die Gala 1948 statt, aber zur angesagten Party wurde sie erst in den 1970er Jahren, als die legendäre Mode-Redakteurin Diana Vreeland die Regie übernahm. Sie holte Prominente wie Jackie Kennedy Onassis in die Organisationskomitees, organisierte spektakuläre Ausstellungen und pumpte je nach Motto literweise entsprechendes Parfüm in die Räume. Überhaupt läuft nicht immer alles nach den strengen konservatorischen Regeln eines Museums ab. 1995 zum Beispiel fand die Party in einer großen Halle des Metropolitan statt – zwischen teils Jahrhunderte altem Porzellan. «Das haben wir ein bisschen zu sehr durchgeschüttelt», erinnert sich Wintour.
Lange Vorbereitungszeit
Der «Met Ball» hat monatelangen Vorlauf: Sobald das Motto feststeht – meist im September – diskutieren «Vogue»-Mitarbeiter die Gästeliste. Wenn Chefin Wintour ihr OK gibt, gehen die Einladungen raus, an Stars und Prominente aus Kultur und Politik wie Oprah Winfrey, Renée Zellweger, Hillary und Bill Clinton, Tom Ford und Drew Barrymore. Wenn ein Star nicht gleich zusagt, greift Wintour schonmal selbst zum Telefon, um Überzeugungsarbeit zu leisten.
Dann beginnt die Arbeit für Stephanie Winston Wolkoff. Seit rund zehn Jahren ist sie bei der «Vogue» für die Sitzordnung des «Met Balls» zuständig. «Es ist einfach die heißeste Einladung überhaupt», sagte Wolkoff dem «New York Magazine». «Mein Telefon klingelt die ganze Zeit und ich muss immer sagen «Schau mal, ich habe 100 Leute auf der Warteliste, die ‚Chanel‘ wichtig sind, der ‚Vogue‘ wichtig sind, dem Met wichtig sind, aber es gibt einfach keinen Platz mehr.»
Promis buchen sich schon Monate im Voraus ein Zimmer in einem der nahe des Museums liegenden Hotels, schließlich dürfen die teuren Kleider nicht im Auto auf dem Weg zur Party zerknittern. Wer was anzieht ist natürlich auch kein Zufall, sondern obliegt ebenfalls hauptsächlich der Entscheidung von Wintour und «Chanel»-Chefdesigner Karl Lagerfeld. Das ist die Party, um nicht nur einfach schick zu sein, sondern exzentrisch, auffallend und außergewöhnlich. Der Abend kann, so sagen Mode-Insider, die Karriere eines Designers abheben lassen – oder für immer vernichten. «Mit aller Bescheidenheit», sagt «Vogue»-Mitherausgeber André Leon Talley. «Das ist die wichtigste Gesellschafts- und Modeparty des Jahres.»
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