Montag12. Januar 2026

Demaart Zu Demaart

Headlines

Kinos kehren nach Islamabad zurück

Kinos kehren nach Islamabad zurück

Jetzt weiterlesen !

Für 0,99 € können Sie diesen Artikel erwerben.

Oder schließen Sie ein Abo ab.

ZU DEN ABOS

Sie sind bereits Kunde?

In Islamabad leben etwa 1,8 Millionen Menschen. Kinos gibt es jedoch keine. Extremismus und Gewalt haben sie verdrängt. Nun aber gibt es Hoffnung für Pakistans Filmfans. Hollywood kehrt zurück.

Es ist zehn Uhr abends in Islamabad. Eine kilometerlange Fahrzeugschlange hat sich in einem Geschäftsviertel gebildet. Alle wollen zu «The Centaurus», der neuesten und größten Shopping-Mall in Pakistans Hauptstadt. Männer, Frauen und Kinder jeden Alters bestaunen die schicken Läden und Restaurants in dem klimatisierten Komplex. In den Schaufenstern sehen sie die neueste Mode, die Pakistan zu bieten hat, Technik und sogar sexy Wäsche. In einer Ecke singen junge Männer Hits auf Urdu und Hindi in einer improvisierten Karaoke-Runde.

Die künftige Hauptattraktion aber soll das Kino mit seinen fünf Sälen werden. Im Lauf der kommenden Wochen ist die Eröffnung geplant. Der Betreiber hat große Hoffnungen – denn seit 2006 gibt es in Islamabad keine Kinos mehr. Eines nach dem anderen schloss seine Tore, sie mussten wachsendem Extremismus oder dem Willen der Politiker weichen. Die Zahl der Kinos im Land sei zwischen 1995 und 2007 von 750 auf 139 gesunken, berichtet das Filmmagazin «Mazhar». Das älteste Kino Islamabads, das 1966 erbaute «Melody» etwa, wurde 2003 von einem wütenden Mob niedergebrannt. Sie demonstrierten gegen die Ermordung eines extremistischen Sunni-Klerikers.

Kinokarte für 7,60 Euro

Filmfans mussten bislang ins etwa 40 Minuten entfernte Rawalpindi ausweichen. Im Nobelviertel Bahria Town eröffnete kürzlich ein Multiplex. Eine Kinokarte kostet dort umgerechnet 7,60 Euro. Damit ist dieses Kino eine Domäne der Gutverdiener. Der durchschnittliche Monatsverdienst liegt in Pakistan bei etwa 170 Euro.

«Ich habe es vermisst, Filme auf der großen Leinwand zu sehen, mit all den lauten Sounds,» sagt der 35-jährige Filmfan Mudassar Irshad. «Aber es gibt keine Kinos.» Aber nun könne er mit seiner Frau bald einen Film ansehen, hofft er.

«Verrückt nach Kino»

«Die Leute sind verrückt danach, ein neues Kino in ihrer Stadt zu haben», sagt Afaq Shah von der Centaurus-Verwaltung. In dem Centaurus-Kino soll es insgesamt 500 Sitzplätze geben, erklärt Aamir Haider, Chef der Betreiberfirma Mandviwalla Entertainment. Poster für Blockbuster aus Hollywood und Bollywood machen Besuchern den Mund wässrig. Bald kommen «Der große Gatsby» und «Yeh Jawani Hai Deewani», eine erfolgreiche Liebeskomödie aus Bollywood.

Das Kino sei vor allem auf die Bedürfnisse von Familien ausgerichtet, sagt Haider. Es gebe aber auch einen Saal mit nur 17 Sitzplätzen – für Diplomaten und andere VIPs.

Verbrannte Kinos

Ein von der Firma betriebenes Kino in der Hafenstadt Karachi wurde im vergangenen Jahr im Zuge der Proteste gegen ein angeblich den Propheten Mohammed beleidigendes Video niedergebrannt. Trotz solcher Rückschläge ist Haider optimistisch: «Die Mehrheit der Menschen in Pakistan will Spaß haben. Sie wollen ausgehen und sich unterhalten», meint er.

Pakistans früher lebendige Filmindustrie ist fast völlig zusammengebrochen. Es gibt kaum Kinos, die heimische Filme zeigen wollen. Schauspieler und Regisseure werden zudem immer wieder zum Ziel von Kriminellen oder Extremisten. Die Kinokassen werden von Hollywood und Bollywood dominiert. Filmpiraterie macht der Industrie ebenfalls zu schaffen. Die Regierung müsse stärker dagegen vorgehen, fordert der Filmverleiher Barakullah Khan aus Lahore.

Die Filmindustrie «war ein profitables Geschäft, bevor die systematische Radikalisierung der Gesellschaft in den späten 70er Jahren begann», meint er. Er hofft auf eine Wiederbelebung. Die Filmschaffenden sollen sich gegen den religiöse Extremismus stellen, fordert Khan. Die Filmindustrie könne als Werkzeug gegen den Fundamentalismus dienen.