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Diderot kommt zurück

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Steht auf dem Schulplan 18. Jahrhundert, dann werden vor allem Rousseau und Voltaire behandelt, Diderot hingegen eher stiefmütterlich abgehakt. Ein paar Stunden über die Encyclopédie, das war es dann auch schon.

Dass Diderot uns allerdings auch heute noch so einiges sagen kann, möchte eine Veranstaltungsreihe anlässlich des 300. Geburtstages des großen Denkers der Aufklärung zeigen, die auf persönliche Initiative der Literaturwissenschaftlerin Michèle Vallenthini entstehen konnte.

Diderot täglich

Um die Veranstaltungen zu begleiten und den Geist Diderots im Alltag zu erleben, werden Le Jeudi und das Tageblatt vom 1. Oktober bis zum 11. Dezember täglich bzw. wöchentlich Zitate Diderots veröffentlichen.

Die junge Forscherin ist auf Claude Frisoni, Direktor der Abtei Neumünster, zugegangen und hat ihm erste Ideen und Mitarbeiter präsentiert. Frisoni, selbst Verfechter des aufklärerischen Geistes, zeigte sich sofort begeistert und ließ seinerseits seine Beziehungen spielen. Am Dienstag präsentierten die beiden nun in Anwesenheit zahlreicher Partner das umfangreiche Programm, das ab dem 1. Oktober Denis Diderot gedenken, vor allem aber auch die Brücke ins Heute schlagen möchte.

Interdisziplinär und kosmopolitisch

„Ich bin froh, dass wir viele verschiedene Institutionen zur Mitarbeit gewinnen konnten, nur so können wir dem interdisziplinären und kosmopolitischen Geist Diderots gerecht werden“, sagte Michèle Vallenthini.

Eröffnet wird die Veranstaltungsreihe am 1. Oktober im Centre national de littérature in Mersch. Michel Delon, Professor an der Sorbonne, wird einen Vortrag mit dem Titel „Diderot le frontalier“ halten, denn auch wenn Diderot zwar physisch nicht viel gereist sei, müsse er dennoch als Grenzgänger bezeichnet werden, ein Grenzgänger zwischen den Disziplinen, zwischen den Kulturen und zwischen den Sprachen, erklärt Vallenthini. Auch Nicole Sahl vom CNL zeigt ihre Freude darüber, einen renommierten Diderot-Kenner wie Michel Delon im CNL in Mersch begrüßen zu dürfen.

Zwei Filme

In Zusammenarbeit mit der Cinémathèque werden dann zwei Filme gezeigt: „La Religieuse“ von Jacques Rivette nach dem gleichnamigen Roman von Diderot am 4. Oktober – der Film wurde übrigens im aufgeklärten Frankreich noch 1967 zensuriert – und „Le Libertin“ ein biografisches Werk über Diderot von Gabriel Aghion aus dem Jahr 2000.

Gemeinsam mit dem Institut Pierre Werner wird dann am 14. und 15. Oktober das Kolloquium „Bousculer les frontières, autour de Diderot et du XVIIIe siècle“, stattfinden, dass Professoren und junge Wissenschaftler aus dem In- und Ausland zusammenbringen wird.

Über das Erbe Diderots für unsere heutige Zeit wird dann am Abend des 15. Oktobers der Direktor des CNRS, Jean-Claude Bonnet, referieren. Dass Diderort auch ein Vordenker des modernen Theaters war, soll am 9. Dezember deutlich werden, wenn das Kasemattentheater und das Théâtre du Centaure zu einer Doppellesung einladen, bei der sowohl Diderots „Le paradoxe sur le comédien“ als auch Brechts „Der Messingkauf“ präsentiert werden. Und die Nationalbibliothek hat zwei Veranstaltungen, die sich mit der Digitalisierung Diderots beschäftigen, organisiert.